Montag, 20. Mai 2019

Gewitter im Kopf

Ausgabe 09/2013
Seite 1 von 2

Eine Million Menschen – vor allem Frauen – leiden in Österreich an der Volkskrankheit Migräne. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie ein Leben mit Migräne-Neigung erträglicher werden kann, und gibt Tipps zur Vorsorge.


Foto: Can Stock Photo Inc. - Choreograph

Sie taucht oft unerwartet auf, bleibt einige Zeit „auf Besuch" und lässt einen erschöpften „Gastgeber" zurück: Wer von einer Migräne-Attacke schon einmal überrascht wurde, weiß, wie anstrengend und zermürbend ihr Erscheinen sein kann. Obwohl die Migräne bereits im zweiten Jahrhundert v. Chr. diagnostiziert wurde, sind ihre exakten Ursachen noch nicht bekannt bzw. belegt. „Grundsätzlich handelt es sich um eine angeborene, körperlich bedingte, chronische Erkrankung, bei der die Genetik eine bedeutende Rolle spielt", so Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber, Leiter des Spezialbereichs Kopfschmerz an der Wiener Universitätsklinik für Neurologie. Die heute gängigste Theorie geht von einer erhöhten Nervenaktivität im Bereich zwischen Rückenmark und Gehirn, dem sogenannten Hirnstamm, aus. Der dort sitzende „Migränemotor" ist bei einer genetischen Prädisposition leichter erregbar, löst verstärkt Impulse an benachbarte Nerven aus und gibt den Blutgefäßen den Befehl, sich – wie bei Erregung notwendig – zu erweitern, um mehr Blut durchzupumpen. Der Effekt: ein verstärktes Ausschütten von Botenstoffen wie z. B. Serotonin, Entzündungen an den Gefäßwänden und eine erhöhte Durchlässigkeit der Hirnblutgefäße, wodurch flüssige Blutbestandteile austreten und sich kleine Schwellungen im Gehirn bilden können. Das Resultat: die Migräne. „Die Diagnose erfolgt im ausführlichen Gespräch mit dem Patienten", so Wöber. „Auf Basis dieser Beschreibung ist uns die Zuordnung des Krankheitsbildes und die Unterscheidung von anderen Kopfschmerzarten möglich. Apparative Untersuchungen können ,lediglich‘ andere Krankheiten ausschließen. Die Migräne selbst ist mit keinem Diagnoseverfahren nachweisbar." Zu den eindeutigen Symptomen, die von der International Headache Society in einem Kriterienkatalog festgelegt wurden, zählen u. a. Kopfschmerzattacken, die (unbehandelt oder erfolglos behandelt) vier bis 72 Stunden anhalten, einseitig auftreten, pochend oder pulsierend sind und sich bei körperlicher Betätigung verschlimmern. Darüber hinaus treten während des Anfalls Übelkeit/Erbrechen oder Licht-, Berührungs- und Geräuschempfindlichkeit auf. Vorboten sind oft Müdigkeit (häufiges Gähnen), erhöhte Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen oder Heißhungeranfälle. „Etwa 10 bis 15 Prozent aller Betroffenen leiden unter Migräne mit Aura. Dabei treten Sehstörungen mit Flimmerbildern oder Lichtblitzen, Sprachstörungen oder Ameisenlaufen im Gesicht und Arm auf. Die ,Aura‘ hält  15 bis 30 Minuten an, klingt dann ab und wird vom Kopfschmerz abgelöst", beschreibt Wöber. Nach der Migräneattacke bleiben oft für längere Zeit noch dumpfe Schmerzen bestehen; die Betroffenen fühlen sich entkräftet und ermattet.

Alternative Strategien gegen Migräne

Die Alternativmedizin bietet zahlreiche Möglichkeiten, um mit nebenwirkungsärmeren Verfahren der Migräne den Kampf anzusagen.

  • Schüßlersalze. Wer auf die mineralstoffreichen Tabletten schwört, löst im Akutfall jeweils zehn Stück der Nr. 3 (Ferrum phosphoricum) und Nr. 7 (Magnesium phosphoricum D6) in heißem Wasser auf und trinkt den Mix in kleinen Schlucken.
  • Heilpflanzen. Pfefferminzöl auf Schläfen und Nacken aufgetragen, kann ebenfalls zur Regeneration beitragen. Studien konnten belegen, dass Pfefferminzöl sogar die gleiche Wirkung wie das Schmerzmittel Paracetamol hat.
  • Homöopathie. Im Bereich der Homöopathie gibt es eine Reihe an Wirkstoffen in unterschiedlichen Konzentrationen, die anhand der jeweiligen Symptome und der Intensität des Schmerzes auf den Patienten abgestimmt werden können.
  • Akupunktur. Als Vorbeugemaßnahme hat sich auch die Akupunktur bewährt. Sie versucht, die vorhandene (und oft blockierte) Lebensenergie durch Nadelstiche auf Meridianpunkte am Körper wieder ins Lot zu bringen. Die Nadeln bleiben bis zu 30 Minuten in den Akupunkturpunkten.

Die Nadel im Heuhaufen finden.

Welche Auslöser zum Ausbruch dieses „Donnergrollens" im Kopf führen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Zu den häufigsten „Triggern", wie diese Faktoren genannt werden, gehören hormonelle Veränderungen, Stress bzw. das abrupte Abklingen von Stress (Stichwort „Wochenendmigräne"), emotionale Belastungen, Ernährungsgewohnheiten, zu wenig Flüssigkeit, Lärmbelastung, Lichtreize, Zigarettenrauch oder Abweichungen vom normalen Tagesablauf mit zu viel oder zu wenig Schlaf. „Die Menstruations-Migräne gehört zu den häufigsten Formen der Erkrankung und ist auf den natürlichen Abfall des Östrogenspiegels, der vor der Monatsblutung eintritt, zurückzuführen", geht Wöber auf einen Aspekt ein. Zu weiteren Auslösefaktoren gehören auch die persönlichen Ernährungsgewohnheiten. „Unregelmäßige Essenzeiten, Diäten, aber auch ganz spezielle Nahrungsmittel wie z. B. bestimmte Käsesorten (z. B. Emmentaler oder Parmesan), Eiweiße in Milchprodukten, Nüsse, Gewürzmittel, Konservierungsstoffe oder Süßungsmittel können – meist in Kombination mit anderen Triggern wie z. B. Stress – zu Migräne-Attacken führen", erklärt Christian Neumeir, Heilpraktiker, Dozent und Buchautor („Migräne. Schmerzattacken vermeiden und behandeln") aus Bayern. Beobachtet wurde außerdem, dass Koffein oder auch Koffeinentzug bzw. Alkoholkonsum zu den zitierten Beschwerden führen können. Wichtig: Diese Faktoren können, müssen aber nicht jedes Mal einen Migräne-Anfall auslösen. Mithilfe eines Migräne-Tagebuchs, also einer Art Kalender, in der man die Attacken mit ihren Symptomen skizziert, vermutete Trigger notiert, Intensität und Dauer sowie Begleitumstände wie z. B. beruflichen oder privaten Stress festhält, ist es möglich, die Basis für ein Therapiegespräch zu legen, den Auslösern auf die Spur zu kommen und nachfolgende Therapien maßzuschneidern.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gewitter im Kopf
Seite 2 Migräne

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie informieren Sie sich über Nebenwirkungen von Medikamenten?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information