Dienstag, 21. Mai 2019

Gesundheitspolizist Darm

Ausgabe 2013/11
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Gut auf seine Darmgesundheit zu achten zahlt sich aus, denn dieses Organ ist nicht nur das größte unseres Körpers, sondern auch dessen Gesundheitspolizei.


Foto: Can Stock Photo Inc. - ryanking999

Wenn wir vielleicht auch nicht gerne darüber sprechen: Tatsache ist, dass der menschliche Darm eines unserer faszinierendsten und wichtigsten Organe ist. Mit einer Länge von etwa acht Metern und einer Oberfläche von rund 400 bis 500 m², die nebenbei gesagt größer ist als ein Basketballfeld, ist er unbestritten auch das größte Organ im Körperspiel. Und was er leisten muss, ist enorm: Rund 65 Tonnen Nahrung und 50.000 Liter Flüssigkeit nimmt ein Mensch im Laufe seines Lebens zu sich, und der uns so banal erscheinende Vorgang des Essens löst im Magen-Darm-Trakt eine faszinierende Kettenreaktion aus. Da der Mensch ein Allesesser ist, benötigt er auch ein komplexes Verdauungssystem, denn erst dadurch können wir unterschiedliche Lebensmittel wie Fleisch, Gemüse oder Getreide überhaupt verwerten. Und: Je nachdem, was wir essen, kann dieser Prozess auch unterschiedlich lange dauern. Manchmal braucht es nur acht Stunden, bis die Verdauung einer Mahlzeit abgeschlossen ist, in anderen Fällen kann das auch schon einmal drei Tage dauern.

Bauchgefühle. Angesichts all dessen nimmt es wohl nicht wunder, dass in diesem komplexen System manchmal auch etwas durcheinandergeraten kann, und tatsächlich gibt es viele verschiedene Faktoren, welche die Darmgesundheit stören können. „Das sind nicht nur körperliche Ursachen, sondern vielfach auch psychische. Wir wissen heute, dass zum Beispiel Stress und Zeitdruck sich sehr ungünstig auf die Darmgesundheit auswirken“, sagt der stv. Leiter der Abteilung Stoffwechsel-Rehabilitation im Lebens.Resort Ottenschlag, Dr. Christian-Armin Rosenberg. Auf die enge Verbindung zwischen Psyche und Darm weist übrigens schon unser Sprachgebrauch hin: Wir haben „Schiss“ vor einer Prüfung, „Schmetterlinge im Bauch“, wenn wir verliebt sind, und schwierige Situationen können sich uns oft gewaltig „auf den Magen schlagen“. Tatsächlich gibt es auch wissenschaftlich gesehen Zusammenhänge zwischen Verdauungssystem und Psyche. „Der Magen-Darm-Trakt wird vom vegetativen Nervensystem, das autonom arbeitet, gesteuert“, erklärt Dr. Rosenberg. „Leidet man zum Beispiel unter Stress, wird der Verdauungstrakt schlechter durchblutet, weil das Blut verstärkt in die Muskulatur transportiert wird. Umgekehrt ist in Ruhe der Verdauungsapparat besonders gut mit Blut versorgt.“

Die Stationen der Nahrung

Auf dem Weg durch den Verdauungstrakt passiert die Nahrung mehrere wichtige Stationen.

  • Zunächst wird sie im Magen mit Enzymen und Säuren versetzt und kräftig durchgemischt. Das Enzym Pepsin zerlegt Eiweiße in ihre Bausteine; Magensäure verdaut die Nahrung und tötet die meisten Bakterien ab.
  • Der bis zu sechs Meter lange Dünndarm, der den längsten Darmabschnitt bildet, ist die nächste Station. Hier wird die Nahrung mithilfe von Enzymen, Gallenflüssigkeit und weiteren Verdauungssäften in kleinste Bausteine aufgespaltet. Die Nährstoffe gelangen durch dieDarmwand in den Blutkreislauf.
  • Der etwa 1,5 Meter lange Dickdarm enthält die meisten Bakterien. Diese bauen die restlichen Nahrungsbestandteile ab, der Speisebrei wird eingedickt, und der Körper nimmt entzogenes Wasser und Mineralstoffe auf. Hier wird auch die Stuhlentleerung geregelt.

Lass dir Zeit! Daher ist es im Sinn der Darmgesundheit auch besonders wichtig, sich Zeit für die Mahlzeiten zu nehmen, in Ruhe zu essen und die Nahrung sorgfältig und gut zu kauen. Was man zu sich nimmt, sollte eine ausgewogene Mischung aus Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett, Spurenelementen und Mineralien sein. Eine besonders wichtige Expertenempfehlung betrifft in diesem Zusammenhang die Konsumation von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen in Form von fünf Gemüse- oder Obstportionen am Tag sowie von Vollkornprodukten wie etwa Vollkornnudeln oder -brot. „Je dunkler und gröber vermahlen das Brot ist, desto besser ist der Effekt. Zusätzlich oder alternativ kann man auch Müsli, Kleie, Leinsamen oder Flohsamen, die man sich etwa ins Joghurt einrührt, zu sich nehmen, um die Verdauung zu unterstützen“, empfiehlt Dr. Rosenberg. Ballaststoffe, die der Österreicher übrigens in der Regel in viel zu geringem Ausmaß zu sich nimmt, gibt es auch als fertig lösliche Produkte in Pulverform zu kaufen. Sie sind völlig geschmacksneutral, und man kann sie am besten in Joghurts, Getränke, Suppen etc. einrühren, was sich besonders empfiehlt, wenn man unter Verstopfung leidet.

Besser nicht! „Weiters kann man versuchen, mit probiotischen Lebensmitteln, in denen Keime enthalten sind, die die Darmflora unterstützen und auch das Immunsystem stärken, zu arbeiten“, ist ein anderer Tipp des Stoffwechselexperten. Wovor er jedoch eindringlich warnt, ist, Verdauungsprobleme mit Abführmitteln lösen zu wollen. „Natürlich schadet es nicht, wenn man es hin und wieder tut, aber wer regelmäßig Abführmittel zu sich nimmt, um Verstopfungen zu bekämpfen und die Verdauung zu regulieren, riskiert, abhängig davon zu werden. Und dann geht bald ohne diese Mittel gar nichts mehr.“ Wer ohnehin mit Verdauungsstörungen zu kämpfen hat, sollte auch Alkohol und im Besonderen die Kombination Alkohol und Süßigkeiten am Abend meiden. Denn dieses „Duo“ kann häufig zum bekannten Problem Sodbrennen führen.

So funktioniert die „Immunpolizei Darm“

Im Darm ist der größte Teil des Immunsystems angesiedelt. Mehr als die Hälfte aller Immunzellen befinden sich hier, und sie wehren gemeinsam mit der Darmflora schädliche Bakterien und Viren ab und entscheiden, welche Stoffe die Darmschranke passieren dürfen. Mit etwa 100 Billionen Bakterien enthält die Darmflora mehr Bakterien als der Körper Zellen. Die Mikroorganismen sind ununterbrochen damit beschäftigt, Substanzen zu verarbeiten, und erschaffen ein eigenes Milieu. Ihre Hauptaufgaben sind der Schutz vor Infektionen und Schadstoffen sowie die Unterstützung des Darms bei der Verdauung und Verwertung von Nahrung. Aber Achtung: Es gibt auch „unfreundliche“ Bakterien, die eher schaden, und deshalb sollte das Verhältnis von „guten“ und „schlechten“ Bakterien für ein gesundes Gleichgewicht im Darm ausgewogen sein. Für ein Ungleichgewicht können übrigens Medikamente – vor allem Antibiotika – sorgen. Studien zeigen, dass sich je nach verwendetem Antibiotikum bis zu ein Drittel der Darmbakterien im Zuge einer solchen Therapie verändern. Deshalb werden diese Medikamente heute in der Regel mit Bedacht und wenn möglich so kurz wie möglich eingesetzt.

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