Donnerstag, 24. Oktober 2019

Gesundheits-Vorbeugung - Erkenntnis der Aerobic Center Longitudinal Study II

31. August 2011
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Eine neue, interessante, ja geradezu sensationelle Erkenntnis der "Aerobic Center Longitudinal Study II" war die protektive Wirkung eines guten Fitnesszustandes gegenüber anderen Risikofaktoren wie Rauchen, Hypercholesterinämie und Hypertonie. Trainierte Personen mit diesen Risikofaktoren wiesen niedrigere Mortalitätsraten auf als untrainierte ohne einen dieser Risikofaktoren ! Körperliche Inaktivität scheint somit ein noch viel größerer, als bisher gewertet, und weit unterschätzter Risikofaktor zu sein, wie ich bereits erwähnte. Ebenso sind wir uns des Benefits einer regelmäßigen körperlichen Aktivität noch nicht ausreichend bewusst!

In den letzten Jahren erschienen auch einige Kohortenstudien, die den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Schlaganfallrisiko sowie Krebsrisiko untersuchten. Sie ergaben eine deutliche Risikosenkung für Schlaganfall, Lungenkarzinom und Colonkarzinom (die häufigsten Krebsformen des Mannes) bei körperlich aktiven Männern, nicht für das Prostatakarzinom und andere Krebsformen. Bei körperlich aktiven Frauen zeigte sich ein signifikant niedrigeres Risiko für Brustkrebs (den häufigsten Krebs der Frau), je nach Aktivitätsgrad zwischen 32 und 72%.

Es ist also offensichtlich, dass körperliche Aktivität für unseren Gesundheitszustand etwas sehr Positives bewirkt. Die bewiesene Lebensverlängerung bedeutet aber auch - und das sollte für uns Ärzte noch mehr Bedeutung haben -, dass diese mit einer besseren Lebensqualität verbunden ist ("add life to years") im Sinne einer geringeren Morbidität.

Was bewirkt eigentlich regelmäßige Aktivität?

Ein aktivitätsbedingter Kalorienmehrverbrauch mit negativer Energiebilanz ist zur Fettgewebsreduktion bei Übergewicht nicht nur sinnvoll, sondern für den langfristigen Erfolg auch notwendig. Wie bereits erwähnt, ist Adipositas ein eigenständiger kardiovaskulärer Risikofaktor (,der aber auch für orthopädische Probleme verantwortlich ist, man denke nur an die Gonarthrose). Eine Gewichtsabnahme im Sinne einer Reduktion des Körperfettanteils bedeutet auch eine signifikante Blutdrucksenkung, da Adipositas mit arterieller Hypertonie korreliert.

Beim NIDDM (Typ 2-Diabetes mellitus) kann Ausdauertraining, aber auch Krafttraining die periphere Insulinresistenz durch Steigerung der muskulären Insulinsensitivität vermindern.

Wir wissen aus Beobachtungsstudien, dass regelmäßiges extensives Ausdauertraining eine milde arterielle Hypertonie durch Entwicklung einer kardialen Vagotonie (Betablocker-Effekt!) normalisieren kann.

Weiters ist bekannt, dass regelmäßiges Ausdauertraining das "gute" HDL-Cholesterin erhöhen kann. Allerdings dauert es relativ lang, bis das HDL signifikant ansteigt, und es sinkt sofort wieder, wenn der Trainingseifer nachlässt.

Was früher kaum für möglich gehalten wurde, ist heute erwiesen: Eine Regression der Atherosklerose ist möglich. Dies konnte bei KHK-Patienten coronarangiographisch gezeigt werden. Ein über den alltäglichen Energieumsatz hinausgehender Mehrverbrauch von 2200 kcal pro Woche kann die Coronaratherosklerose zur Rückbildung bringen ! Allerdings bedarf es eines relativ umfangreichen Trainings, um 2200 kcal zusätzlich zu verbrennen. Dieses Pensum von 4 bis 5 Stunden sportlicher Aktivität pro Woche wird selbst von gesunden, "fiten" Personen nur in Ausnahmefällen erfüllt und somit für die meisten unserer KHK-Patienten ein unrealistisches, zu hoch gestecktes Ziel bleiben.

Eine kürzlich veröffentlichte österreichische Studie (Univ.Klinik Graz) sollte uns aber wieder optimistischer stimmen. Sie beschrieb eine signifikante Abnahme der Restenoserate nach PTCA (Aufdehnung eines verengten Herzkranzgefäßes mittels eines Ballons), wenn pro Woche 350 kcal zusätzlich umgesetzt werden. Somit scheint sogar ein erstaunlich geringer Energiemehrumsatz, den jeder von uns in seinem Alltag unterbringen sollte (z.B. zwei mal eine halbe Stunde körperliche Aktivität pro Woche), einen positiven Effekt in der Pathogenese der Atherothrombose zu haben.

Man kann davon ausgehen, dass - durch die während eines Ausdauertrainings bestehende Erhöhung des mittleren Blutdrucks als funktioneller Reiz - am Myocard die analogen Kapillarisierungseffekte wie in der Skelettmuskulatur induziert werden und im Endeffekt ein besser durchbluteter, damit auch effizienter mit Sauerstoff versorgter Herzmuskel mit größerer Koronarreserve vorliegt, der sogar im Falle eines akuten Infarktes davon profitiert.

Außerdem wissen wir heute, dass ein regelmäßiges, individuell dosiertes Ausdauertraining die Basistherapie der Herzinsuffizienz (v.a. im NYHA-Stadium I und II) - neben einer optimalen Pharmakotherapie - darstellt und die früher empfohlene körperliche Schonung den kardialen Zustand sogar fortlaufend verschlechtert. Dabei spielt weniger der direkte Trainingseffekt auf die Herzmuskulatur eine Rolle (weil die Trainingsintensität in der Regel gering gehalten wird), sondern sind vielmehr die peripheren Trainingseffekte auf die Arbeitsmuskulatur mit Verminderung des peripheren Gefäßwiderstandes (Nachlastsenkung) sowie metabolische Effekte mit Verbesserung der Sauerstoffverwertung (Erhöhung der aeroben Kapazität) entscheidend. Das Herz kann den metabolischen Anforderungen des Organismus wieder besser gerecht werden.

Nicht nur in der Kardiologie, auch in der Psychiatrie kann Ausdauertraining erfolgreich eingesetzt werden. Vor allem bei Depressionen konnte damit eine positive Wirkung nachgewiesen werden. Dass Ausdauersport "süchtig" machen kann, beweisen so manche PatientInnen in der sportärztlichen Praxis, und ich nehme an, dass auch die meisten von uns schon selbst einmal eine Endorphin-bedingte Hochstimmung, z.B. nach einer schönen Bergtour, erlebt haben.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gesundheits-Vorbeugung
Seite 2 Erkenntnis der Aerobic Center Longitudinal Study II
Seite 3 Welche Lehren müssen wir aus diesen Erkenntnissen ziehen?
Seite 4 Interventionsstudie (Project Active)


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