Freitag, 24. Mai 2019

Gesundheits-Vorbeugung

31. August 2011
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Die präventivmedizinische Bedeutung körperlicher Aktivität zur Senkung der Morbidität und Mortalität

Von Dr. Kurt Moosburger

Jeder von uns kennt den Ausspruch "Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird", und jeder wird dem zustimmen. Aber handeln wir Ärzte danach? Unsere wichtigste Aufgabe liegt in der Prävention von Krankheiten, die nicht nur die Lebenserwartung unserer PatientInnen verkürzen, sondern natürlich auch ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Das gleiche gilt für unsere eigene Lebensweise, die in der Regel nicht gerade gesundheitsfördernd ist...

Das Motto lautet "Add life to years, not just years to life". Ein körperlich aktiver Lebensstil - nicht von vorneherein mit "Training" gleichzusetzen - bereichert zweifellos unseren Alltag und erhöht damit unsere Lebensqualität. Das werden die meisten von uns aus eigener Erfahrung bestätigen können, und nur wer seine Herzfrequenz noch nie bewusst mittels körperlicher Aktivität über Ruheniveau gehoben hat, kann dies nicht nachvollziehen. Der moderne Begriff heißt "wellness", kommt (natürlich!) aus den U.S.A. und grenzt sich ganz bewusst vom Begriff "Fitness" ab. Übersetzen könnte man "wellness" mit "sich wohl und leistungsfähig fühlen". Das beinhaltet auch das Verschontbleiben vor folgenschweren Erkrankungen bzw. solche in den Griff zu bekommen und insgesamt eine hohe und subjektiv befriedigende Lebensqualität.

Eine körperlich aktive Lebensweise vermag also nicht nur unser Leben zu bereichern, sondern hat neben diesem philosophischen Aspekt eine noch größere präventivmedizinische Bedeutung, als sogar den meisten von uns Ärzten bewusst ist.

Der "homo industrialis" bewegt sich immer weniger, obwohl er genetisch noch auf regelmäßige körperliche Aktivität programmiert ist, da seine biologische Evolution nicht mit der gesellschaftlichen und technologischen Entwicklung Schritt gehalten hat. Diese Tatsache erklärt die meisten der heutigen Wohlstandsleiden.

Woran erkrankt und stirbt der Mensch unserer westlichen Gesellschaft?

Jeder fürchtet den Krebs, aber es ist die Atherothrombose, vor allem die KHK (koronare Herzkrankheit), die nicht nur beim Mann, sondern genauso bei der Frau mit Abstand an erster Stelle der Todesursachen steht. So hat die postmenopausale Frau ein 10-fach höheres Risiko, an einem Herzinfarkt zu versterben als am Mammacarcinom. Sogar an den Folgen der Osteoporose sterben in der westlichen Gesellschaft jährlich mehr Frauen als an Brustkrebs, ja sogar mehr als an sämtlichen gynäkologischen Malignomen zusammen!

Die klassischen Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind bekannt. Interessanterweise wird vielfach noch immer der sogenannte "Stress" dazugezählt, obwohl man das, was man landläufig als "Stress" versteht, nicht als eigenständigen Risikofaktor betrachten sollte. Vielmehr sind psychosozialer Stress, psychosoziale Vereinsamung bis hin zur Depression mit einem höheren Herzinfarktrisiko vergesellschaftet, wohingegen der sogenannte "Stress" erst durch die damit verbundenen Risikofaktoren (Rauchen, Bewegungsmangel, Fehlernährung) ungesund wird.

Dass aber mit der körperlichen Inaktivität sowie Adipositas zwei wirklich eigenständige, unabhängige kardiovaskuläre Risikofaktoren bestehen, scheint noch zu wenig in unser Bewusstsein vorgedrungen zu sein. Dementsprechend mangelhaft ist die Aufklärung unserer PatientInnen. Ganz zu schweigen von der Vorbildfunktion, die wir Ärzte nur selten erfüllen...

Nimmt man eine Wertung der klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren vor, dann steht heute der Diabetes mellitus, vor allem der NIDDM (nicht Insulin abhängiger Diabetes mellitus = Typ 2-Diabetes mellitus), an erster Stelle, noch vor dem Zigarettenrauchen (der Begriff "Nikotinabusus" sollte obsolet sein, da der Rauch mit all seinen Inhaltsstoffen, nicht das Nikotin allein, das schädigende Agens ist), gefolgt von der Dyslipidämie, der arteriellen Hypertonie, der Adipositas und der körperlichen Inaktivität, wobei ich letztere sogar in den Vordergrund rücken würde, da sie eine große klinische Bedeutung hat, die immer noch unterbewertet wird.

In den meisten Fällen sind die Risikofaktoren pathophysiologisch miteinander vergesellschaftet - das (poly) metabolische Syndrom ("Syndrom X") ist in unserer Gesellschaft viel häufiger, als es derzeit noch von uns Ärzten wahrgenommen und diagnostiziert wird. Viele von uns sind sich der pathophysiologischen Zusammenhänge dieser klassischen "Zivilisationskrankheit" und der Bedeutung des Hyperinsulinismus als zentrales "Übel" noch zu wenig bewusst. Dementsprechend mangelhaft sind die meisten Therapieansätze, oft sogar falsch - man denke an die kontraproduktive Insulintherapie adipöser NIDDM-PatientInnen, die so gut wie immer ein (poly) metabolisches Syndrom aufweisen und aufgrund der "Insulinmast" weiter zu- statt abnehmen.

Von einer optimalen Pharmakotherapie abgesehen, wird aber auch allzu oft auf die entsprechende "Basistherapie" vergessen. Damit meine ich eine Änderung des Lebensstils mit Ernährungsumstellung und regelmäßiger körperlicher Aktivität. Gerade beim (poly) metabolischen Syndrom ist dieser Therapieansatz kausal und prognostisch entscheidend.

Was unsere Ernährung betrifft, müssen wir in erster Linie ein "Fettbewusstsein" ohne lästiges Kalorienzählen erlernen. Wir Österreicher essen ziemlich fettreich, verglichen mit der Küche anderen Nationen, und sind uns dessen nicht bewusst. Wer bedenkt schon, dass z.B. Vollmilch mehr als 50% Fettkalorien beinhaltet und durch fettreduzierte Milch ersetzt werden sollte? Auf der anderen Seite wird der Hamburger von McDonald’s, der aus magerem Rindfleisch besteht und mit ca. 30% Fettkalorien den empfohlenen Ernährungsrichtlinien entspricht, als "junk food" abqualifiziert, und man verzehrt lieber eine Burenwurst, die wiederum so fett ist, dass man dazu fast 20 Stück Brot essen müsste, um den prozentuellen Fettanteil dieser Mahlzeit auf 30% zu reduzieren ! Würde man die Butter, die laut Werbung "durch nichts ersetzt werden kann", in Wahrheit jedoch kein hochwertiges Fett darstellt und die oft (v.a. von Übergewichtigen!) fingerdick aufs Brot aufgetragen wird, vom Markt nehmen, hätten wir vermutlich weniger Herzinfarkte zu verzeichnen (in diesem Fall nicht wegen ihres Cholesteringehaltes als vielmehr wegen ihres Energiegehaltes).

In den letzten zehn Jahren haben mehrere angloamerikanische, aber auch europäische Kohortenstudien den Einfluss regelmäßiger körperlicher Aktivität auf die kardiovaskuläre Mortalität und Gesamtmortalität untersucht. Insgesamt waren 85000 Männer und 60000 Frauen in einem Beobachtungszeitraum von ungefähr zehn Jahren inkludiert. Als Beispiel sei hier die MRFIT ("Mister Fit")-Studie erwähnt (Multiple Risk Factor Intervention Trial). Diese Studien zeigten eine umgekehrte Beziehung zwischen dem Ausmaß der körperlichen Aktivität bzw. dem Fitnesszustand und der kardiovaskulären Mortalität bzw. Gesamtmortalität. Die Mortalitätsrate bei den körperlich Aktiven war um ein Drittel bis um die Hälfte niedriger als die von körperlich inaktiven Menschen!

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gesundheits-Vorbeugung
Seite 2 Erkenntnis der Aerobic Center Longitudinal Study II
Seite 3 Welche Lehren müssen wir aus diesen Erkenntnissen ziehen?
Seite 4 Interventionsstudie (Project Active)


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