Donnerstag, 23. Mai 2019

Gesunder Rücken leicht gemacht!

Ausgabe 07-08.2014
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So gut wie jeder hat schon einmal Bekanntschaft mit der Volkskrankheit „Rückenschmerz“ gemacht. Allein: Wann muss man tatsächlich zum Arzt, wenn man’s im Rücken hat? Und wie kann ich Rückenschmerzen vorbeugen?


Foto: © Can Stock Photo Inc. - Andres, blasbike, ilona75

Ein Viertel aller Krankenstände ist hierzulande auf Schmerzen im Rücken zurückzuführen, zwei von drei Österreichern haben bereits eine längere Rückenschmerzperiode durchlebt und bis zu zehn Prozent der Beschwerden werden sogar chronisch. Doch der Rücken ist groß und Schmerz ist nicht gleich Schmerz – entsprechend lässt sich das „Kreuz mit dem Kreuz“ regional, zeitlich und nicht zuletzt im Hinblick auf die Intensität unterscheiden. „Spürt man den Schmerz eher im Nacken bzw. strahlt er in die Schultern, die Arme oder bis in den Kopf aus, ist die Halswirbelsäule betroffen, während Schmerzen zwischen den Schulterblättern auf eine Beeinträchtigung der Brustwirbelsäule hinweisen“, erklärt Dr. Wolfgang Söllinger, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie in Kirchdorf an der Krems. Und weiter: „Der ‚klassische‘ Kreuzschmerz betrifft die Region unterhalb des Rippenbogens bis zur Gesäßfalte und kann sogar in die Beine ausstrahlen.“

Nicht ins Bett! Während die Lokalisation des Schmerzes für die Diagnose und damit beim Gespräch mit dem Arzt wichtig ist, spielen für den Betroffenen selbst insbesondere die Dauer und die Schmerzintensität eine entscheidende Rolle. Bei chronischen Rückenschmerzen (mehr als zwölf Wochen) sind die Betroffenen ohnehin meist in Behandlung. Dasselbe gilt oft für Menschen mit einem sogenannten subakuten Schmerzzustand: Dabei handelt es sich um Beschwerden, die bereits länger als sechs Wochen anhalten, jedoch (noch) nicht chronisch sind. Bei akuten Beschwerden schaut die Sache indes anders aus: Wenn die Schmerzen erstmals oder nach mindestens sechs schmerzfreien Monaten auftreten und höchstens sechs Wochen anhalten, muss man nicht zwingend zum Arzt gehen – zumindest nicht in den ersten fünf Tagen und vorausgesetzt die Schmerzen sind nicht derart schlimm, dass sie unter anderem mit einer massiven Bewegungseinschränkung einhergehen. Ist Letzteres nicht der Fall, kann der Betroffene selbst einiges unternehmen, um die Schmerzen zu behandeln, weiß Söllinger: „In erster Linie sollte man sich keine Bettruhe verordnen, sondern den normalen Alltagsaktivitäten nachgehen, auch wenn es ein bisschen wehtut. Durch das Liegen schwächt man die Muskulatur zusätzlich. Das wäre kontraproduktiv, denn die Wirbelsäule braucht jetzt die Haltearbeit der Muskulatur.“

Kleine Tricks erleichtern das Leben. Sehr wohl aber gilt es, ein rückenschonendes Verhalten an den Tag zu legen. Das heißt: Gehen Sie in die Knie, wenn Sie etwas hochheben, belasten Sie Ihre Wirbelsäule nicht einseitig und befolgen Sie die fünf Regeln des ergonomischen Sitzens (siehe Kasten). Außerdem können akute Beschwerden mittels Wärmepflaster, feucht-heißen Aufschlägen oder Wärmekissen (Kirsche, Dinkel usw.) behandelt werden. Söllinger: „Meist werden Rückenschmerzen durch eine verspannte Muskulatur verursacht, die sich durch Wärmebehandlung wieder lockern lässt, da Wärme die Durchblutung der Muskulatur fördert.“ Und auch gegen das eine oder andere Schmerzmittel ist nichts einzuwenden.

Ab zum Arzt. Ist nach fünf Tagen noch keine Besserung eingetreten, muss man allerdings definitiv zum Arzt. Außerdem gibt es bestimmte Warnsignale, die auf eine schwerwiegendere Ursache hindeuten können und die die „Fünf-Tage-Regel“ gewissermaßen außer Kraft setzen. Orthopäde Söllinger: „Treten zusätzlich zu den Rückenschmerzen massive Bewegungseinschränkungen, Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle um die Genitalien oder in der Oberschenkelregion auf, hat man Probleme mit der Entleerung der Harnblase, kommt es zu einer plötzlichen Schwächung der Muskulatur in den Armen oder Beinen oder werden die Beschwerden von Fieber oder einem generellen Krankheitsgefühl begleitet, muss sofort der Haus- oder Facharzt aufgesucht werden. Das gilt auch dann, wenn man unter Osteoporose leidet oder die Schmerzen nach einem Unfall bzw. einer Operation an der Wirbelsäule auftreten.“ Ob es sich nun um einen Hexenschuss, um eine Einklemmung der rückenmarksnahen Nervenwurzeln, muskulär bedingte Rückenschmerzen oder gar um einen akuten Bandscheibenvorfall handelt, die Ursachen sind häufig Übergewicht, mangelnde Bewegung, einseitige Belastungen und nicht zuletzt sitzende Tätigkeiten. Aber auch Schichtarbeiter haben immer wieder mit Bandscheibenproblemen zu kämpfen, weiß Söllinger: „Durch die unregelmäßigen Arbeitszeiten fehlt diesen Personen nämlich vielfach die mindestens sechs Stunden dauernde Regenerationszeit, die die Bandscheiben benötigen, um sich wieder mit Wasser zu füllen.“ Apropos Bandscheiben: Operiert wird nur mehr in den wenigsten Fällen bzw. wenn es zu Lähmungen kommt. Bevor aber tatsächlich ein chirurgischer Eingriff erwogen wird, stehen erst einmal verschiedenste interventionelle Therapien auf dem Plan: von der Elektrotherapie über Akupunktur, Chiro- oder Physiotherapie bis zu Injektionsbehandlungen, um die chronischen Schmerzen zu lindern.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gesunder Rücken leicht gemacht!
Seite 2 Bewegter Rücken

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