Sonntag, 23. September 2018

Gesunder Boden, gesundes Essen

Ausgabe 2018.07-08

Rund 90 Prozent unserer Lebensmittel stammen aus der Erde. Ein gesunder Boden sichert daher nicht nur die Qualität unserer Nahrung, er fungiert auch als Lebensraum für viele Pflanzen und Nützlinge.


Foto: iStock-filistimlyanin_637708110

Leider muss man betonen: Die intensive konventionelle Landwirtschaft setzt durch Pestizideinsatz die Gesundheit unserer Böden aufs Spiel. Deshalb versuchen immer mehr Landwirte und der Handel, diesem Raubbau an unserer Natur etwas konkret entgegenzusetzen. Und natürlich sind wir alle gefragt: Bewusste Konsumenten setzen auf hochwertige Lebensmittel. Doch welchen negativen Einfluss durch Pestizideinsatz unfruchtbar gewordene Böden auf die Lebensmittelqualität ausüben, weiß hierzulande weniger als die Hälfte der Bevölkerung. Genau genommen rund 40 Prozent, so das Ergebnis einer Umfrage des Market-Instituts: Fragt man die Österreicher nach den größten Bedrohungen für Umwelt und Qualität der Lebensmittel, dann rangieren „unfruchtbare Böden“ an vorletzter Stelle (40 % der Befragten), weit hinter der Rodung der Regenwälder (56 %) oder dem Plastikmüll (53 %). „Das Ergebnis zeigt, dass jene Bedrohungen, die in den letzten Jahren öffentlich stark thematisiert wurden, bei der Bevölkerung tief verankert sind. Das Wissen über die Bedeutung der Bodengesundheit ist aber in Österreich viel zu wenig ausgeprägt“, erklärt Ja! Natürlich-Geschäftsführerin Martina Hörmer.

Biologische Landwirtschaft
Essenziell für einen gesunden Boden ist biologische Landwirtschaft – dabei im Zentrum: der Verzicht auf Pestizide und chemisch-synthetische Spritzmittel, stattdessen der Aufbau von Humus durch eine ausgewogene Fruchtfolge und der Einsatz von organischem Dünger wie Mist aus der Tierhaltung. So bleibt ein intakter Boden erhalten, der durchlässig für Wasser, locker, gut durchlüftet und strukturiert ist. Das wirkt sich nicht nur positiv auf unsere Trinkwasserqualität aus. Der Boden kann auf diese Weise auch mehr Regenwasser aufnehmen. Dadurch überstehen Pflanzen Trockenperioden besser, es treten weniger Überschwemmungen auf und die wichtigen Nährstoffe in den Böden werden deutlich weniger stark ausgeschwemmt.

Der Held im Biofeld
Der Regenwurm ist ein Tausendsassa, der lange Zeit fälschlicherweise als wurzelfressender Schmarotzer verteufelt wurde. Doch heute weiß man, dass es ohne den feuchten Erdbewohner schlichtweg nicht geht. Er ackert den Boden um und belüftet dadurch das Erdreich. Seine Wühlgänge bilden ein natürliches Reservoir für Regenwasser, welches so für trockene Zeiten gespeichert werden kann. Unermüdlich verleibt der biologische Feldhelfer abgestorbene Pflanzenreste, alte Erde und allerlei Mikroorganismen ein. Im Regenwurmdarm werden schließlich noch diverse Pilze und Bakterien zugefügt. Das verdaute Endergebnis fungiert als erstklassiger Biodünger, der den Boden gesund und fruchtbar hält. Immerhin enthalten Regenwurmexkremente – im Vergleich zu allerbester Erde – zwei Mal so viel Phosphor, drei Mal so viel Kalk, sechs Mal so viel Magnesium und sieben Mal so viel Stickstoff. Gemeinsam mit Millionen anderer kleiner pflanzlicher und tierischer Helfer fördert der Regenwurm auf diese Weise die Erhaltung gesünder Böden.

Lebensraum für Nützlinge
Nicht zuletzt trägt ein gesunder Boden auch wesentlich zum Artenschutz bei. „Besonders positiv wirkt sich biologische Landwirtschaft auf die Häufigkeit und Aktivität der Bodenmikroben aus. Unsere Studien zeigen, dass die Anzahl an kleinsten Bodenlebewesen auf Bio-Äckern im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft deutlich höher ist“, erläutert Andreas Kranzler von FiBL Österreich. Ein wichtiger Indikator für die Bodengesundheit: Die Präsenz von Regenwürmern. „Für uns und die nachfolgenden Generationen müssen wir unsere Böden fruchtbar erhalten und vor Ausbeutung schützen“, bekräftigt Marie-Luise Wohlmuth, Dipl.-Ing. Mag. MSc., vom Institut für Ökologischen Landbau an der Universität für Bodenkultur Wien. „Schließlich stammen 90 Prozent unserer Nahrungsmittel aus dem Boden und er leistet sozusagen unsichtbar unerlässliche Dienste für das Sichtbare über der Erde.“ Doch auch Konsumentinnen und Konsumenten können ihren Beitrag zur Bodengesundheit leisten, indem sie sich für Produkte aus biologischer Landwirtschaft entscheiden.

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