Mittwoch, 15. Juli 2020

Gesunde Liebe, gesunder Sex

Ausgabe 2020.03
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Weibliche Sexualität ist für viele noch immer ein Tabu. Umso wichtiger ist es, darüber zu reden und zu schreiben. In GESÜNDER LEBEN klärt eine Expertin auf: Wie ist das mit der Intimhygiene? Wie kann ich mich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen? Welche Verhütungsmethoden gibt es? Aber vor allem: Wie funktionieren Sex, Liebe und Partnerschaft besser? 


Foto: © iStock_vadimguzhva

ESÜNDER LEBEN ist den wichtigsten Fragen zur weiblichen Sexualität nachgegangen – von richtiger Intimhygiene bis hin zu weiblicher Lust und erfüllendem Sex.

Intimpflege: Weniger ist oft mehr
Die Reinigung des äußeren Genitalbereichs sollte ein selbstverständlicher Teil der täglichen Körperhygiene sein. Allerdings: Falsche oder zu intensive Pflege kann hier mehr schaden als nützen. Denn eine gesunde Scheide ist dicht mit guten Milchsäurebakterien besiedelt. Diese natürliche Flora im sauren Scheidenmilieu ist wichtig für die Abwehr von schädlichen Bakterien und Pilzen. Im Normalfall hat die Scheide einen pH-Wert unter 4,5 und ist damit saurer als die normale Haut mit einem pH-Wert von etwa 5,5. Ist eine Frau empfindlich, kann durch die Verwendung von Seifen und Duschgelen dieses saure Milieu beeinträchtigt werden. Am besten eignen sich klares Wasser und die eigene Hand zur Intimhygiene. Frauen, denen das nicht genügt, sollten Intim-Waschlotionen verwenden, die auf den sauren pH-Wert der Scheide abgestimmt sind. Dr. Imma Müller-Hartburg ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Wien: „Meistens wird die Intimhygiene übertrieben. Da appelliere ich immer an den gesunden Hausverstand. Denn Frauen, die sich zu viel mit Pilzen und Co beschäftigen und sich fürchten, haben oft mehr Probleme. Natürlich floriert auch das Geschäft mit der Angst, man denke nur an die Schwimmtampons, die Infekte nicht verhindern, sondern womöglich eher fördern. Wichtig ist es, das Gefühl für den eigenen Körper nicht zu verlieren. Haben Frauen häufig Infekte, liegt das meist nicht an mangelnder Hygiene, sondern häufig eher an allgemeinem Stress mit unterschiedlichster Ursache. Oft genügt es, wenn ich einer Patientin sage, alles ist okay, und ihr zur Sicherheit ein Rezept mitgebe und schon sind die Beschwerden verschwunden.“

Gesunde Scheidenflora
Leiden Sie häufig unter Pilzinfektionen oder müssen Sie wegen einer bakteriellen Infektion Antibiotika nehmen, können Sie vorsorglich Zäpfchen oder Kapseln mit Milchsäurebakterien in die Scheide einführen oder auch schlucken. Diese Milchsäurebakterien, die übrigens in jedem Naturjoghurt enthalten sind, sorgen für den Schutz der Scheidenschleimhaut. Dr. Müller-Hartburg weist aber darauf hin, dass der Körper einer gesunden Frau normalerweise selber damit fertig wird und man ihm nicht alles abnehmen sollte. Denn die gesunde Frau hat auch eine funktionierende Immunabwehr. Auch beim Waschen ist weniger mehr. Also besser nur Wasser oder eventuell eine spezielle Intim-Waschlotion, denn die Scheide reinigt sich ganz von selbst. Übrigens: Zu Recht sind „Scheidenspülungen“ gänzlich aus der Mode gekommen. Die Gynäkologin weiß aus langjähriger Erfahrung: „Es wird viel zu viel darüber nachgedacht. Wenn es nicht komisch riecht, brennt oder juckt, ist in den allermeisten Fällen im Wesentlichen alles okay. Manchmal haben Frauen heftige Pilze und spüren es gar nicht, dann ist das auch okay. Ausnahme sind allerdings Chlamydien, die behandelt werden müssen.“
Gerade bei Frauen in den Wechseljahren (aber auch bei Jüngeren) kann eine trockene Scheide sowohl Schmerzen beim Sex als auch vermehrt Infektionen auslösen. Das Problem lässt sich zumeist mit hormonfreien Präparaten aus der Apotheke lösen, ansonsten können östrogenhältige Medikamente Abhilfe schaffen.

Dauerthema Verhütung
Wirklich partnerschaftliche Verhütungsmittel gibt es bis heute nicht. Allerdings zeigt die „Smart Sex“-Studie aus dem Jahr 2007: 89 Prozent der befragten Frauen erwarten von ihrem Partner, dass er sich genauso wie sie in Sachen Verhütung verantwortlich fühlt. Wichtig ist, einige grundlegende Fragen zu klären. Dazu gehört beispielsweise: Wie sicher ist die Partnerschaft, ist sie auf Dauer angelegt? Wollen wir Kinder und wenn ja, wann? Wenn der Kinderwunsch in weiterer Ferne liegt, wären Spirale, Drei-monatsspritze oder Verhütungsstäbchen eine Möglichkeit. Möchte das Paar flexibel sein, bieten sich die verschiedenen Arten der Pille, der Verhütungsring oder das Hormonpflaster an. Nicht zu vergessen sind die Alternativen ohne Hormone wie die Temperaturmethode, das Diaphragma und natürlich Kondome, die auch vor Infektionen schützen. „Es gibt kein ,gutes’ Verhütungsmittel, sondern nur das, was eine Frau bzw. das Paar in der Partnerschaft am wenigsten stört“, weiß die Gynäkologin aus langjähriger Erfahrung. „Meine Aufgabe ist es, meinen Patientinnen die jeweiligen Vor- und Nachteile und Auswirkungen zu erklären. So hat etwa die bequeme Dreimonatsspritze oder auch die Minipille den Nachteil, dass es zu Schmierblutungen kommt, bis die Regel dann ganz ausbleibt. Oder bei der jüngeren Generation ist eine Antihormonwelle zu bemerken. Es ist nie gut, Patientinnen eine bestimmte Art der Verhütung einzureden.“

Sexuell übertragbare Krankheiten
Wer sich mit seinem Körper gut auskennt, hat viele Vorteile. Frauen sind dann achtsamer mit sich und souveräner im Gespräch mit ihrem Partner. Und beim Frauenarzt können Sie ihre Beschwerden und Wünsche besser und kompetenter äußern. Bei der gynäkologischen Untersuchung, die für alle Frauen ein Mal jährlich zu empfehlen ist, zeigen sich glücklicherweise meistens Normalbefunde. Dr. Müller-Hartburg: „Vor allem die junge Generation von Frauen zwischen 20 und 30 ist sehr konsequent sowohl in ihrem sexuellen Verhalten, beispielsweise durch die Verwendung von Kondomen trotz Pille, als auch dabei, sich testen zu lassen oder vom Partner vor dem ersten Geschlechtsverkehr Tests – etwa auf HIV – zu verlangen. Allerdings wechseln sie auch häufiger den Partner als Frauen über 50.“ Die meisten Beschwerden werden durch Bakterien oder Pilze verursacht. Viele Infektionen sind harmlos und lassen sich gut behandeln. Es gibt aber auch Ausnahmen wie vor allem virale Infektionen (z. B. HIV), die unbehandelt nach wie vor sogar zum Tod führen können. Nicht jede sexuell übertragbare Krankheit ist eine Geschlechtskrankheit im engeren Sinn. Es gibt auch Pilzinfektionen, die zwar beim Sex, aber auch auf anderem Wege, etwa durch mangelnde Analhygiene, auf die Geschlechtsorgane übertragen werden können. Die Liste der sexuell übertragbaren Erkrankungen ist daher lang: Sie reichen von Virus-Infektionen (z. B. Hepatitis, Feigwarzen oder Herpes) über bakterielle Infektionen (wie Syphilis, Tripper, weicher Schanker …), Einzeller wie Trichomonaden, Pilze mit allen Candida-Arten bis zu Parasiten wie Krätze und Läusen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gesunde Liebe, gesunder Sex
Seite 2 Alles rund um die Lust

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