Dienstag, 26. Mai 2020

Gesund & schön dank Hyaluron

Ausgabe 2020.05

Mit Hyaluronsäure kann nicht nur Gelenksverschleiß behandelt werden. Auch bei trockenen Augen, Problemen der Nasenschleimhaut oder zur Faltenreduktion wird dieser Mehrfachzucker gerne eingesetzt.


Foto: iStock-IRA_EVVA

Ist die Hyaluronsäure tatsächlich das Wundermittel, als das es von vielen angepriesen wird? Chemisch gesehen ist die Hyaluronsäure ein Mehrfachzucker oder Polysaccharid und damit ein natürlicher Stoff, der in fast allen Gewebearten des menschlichen Körpers vorkommt. In größeren Mengen ist sie vor allem in der Haut, in den Knochen und Bandscheiben, in der Gelenksflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) und im Glaskörper des Auges zu finden. Aufgrund ihrer Struktur kann Hyaluronsäure große Mengen an Wasser binden und so beispielsweise zur Stabilität und reibungsfreien Mechanik der Gelenke beitragen. Daher wird sie auch als medizinischer Wirkstoff zur Behandlung von Arthrose eingesetzt. Im Bereich der Haut sorgt Hyaluronsäure für die natürliche Elastizität und Straffheit des Bindegewebes und spielt daher in der Kosmetik zur Faltenunterspritzung eine weitverbreitete Rolle. Mit fortschreitendem Alter geht der natürliche Anteil an Hyaluronsäure nämlich im Körper zurück. Doch inzwischen kann man sie dem Körper zuführen, wurde die Hyaluronsäure doch das erste Mal 1934 von Karl Meyer und John Palmer chemisch isoliert. Die ersten Präparate kamen 1981 auf den Markt. Damals stammte Hyaluronsäure noch aus tierischen Quellen. Seit 1997 wird der Wirkstoff fermentativ mithilfe von Bakterien gewonnen, wodurch sich das Risiko für Nebenwirkungen durch Allergien auf tierisches Eiweiß erheblich reduziert.

Vielfältige Anwendung
Hyaluronsäure gibt es je nach Anwendungsgebiet in verschiedenster Form: als Spritzen, Ampullen, Creme, Gel, Augentropfen oder Kapseln. Vor allem in der Orthopädie spielt sie in der Behandlung von schmerzenden Gelenken eine wichtige Rolle. Im Hals-Nasen-Ohren-Bereich unterstützt sie die Funktion der Nasenschleimhaut und wird gegen Austrocknung verwendet. Daher enthalten heute bereits viele der handelsüblichen Nasensprays Hyaluronsäure. Ebenso ist Hyaluronsäure ein Bestandteil von Augentropfen und wird zur Behandlung von trockenen Augen eingesetzt. Es bildet sich dabei ein dünner wasserbindender Film über dem Auge, der die Augen länger feucht hält als die natürliche Tränenflüssigkeit. Manche Produkte mit Hyaluronsäure wie Cremes und Augentropfen werden frei verkäuflich in der Apotheke angeboten. Hyaluronsäure-Injektionen und die Faltenunterspritzung mit Hyaluronsäure übernimmt dagegen in der Regel ein Arzt. Ein weiterer Vorteil der Hyaluronsäure: Sie ist generell sehr gut verträglich und auch Schwangerschaft, Stillzeit sowie das Alter sind im Allgemeinen kein Hindernis für eine Anwendung.

Behandlung von Arthrose
Hyaluronsäure wird in der orthopädischen Medizin als Injektion vor allem zur Behandlung von Schmerzen aufgrund von Arthrose, dem Gelenksverschleiß, eingesetzt. Dabei wird der Wirkstoff vom Arzt direkt in die Zwischenräume der Gelenke gespritzt. Bei Gelenksarthrose kommt es durch die verminderte Produktion von Gelenksflüssigkeit zu Reizzuständen der Schleimhaut. Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenksschmiere oder Synovialflüssigkeit, daher wird auf diese Weise die Beweglichkeit des Gelenks unterstützt. Dr. Christopher Mayer ist Facharzt für Orthopädie in Baden (NÖ): „Ich verwende Hyaluronsäure in meiner Ordination gerne und empfehle sie vor allem Patienten, deren Gelenke schwer von Arthrose betroffen sind. Sie reduziert die Schmerzen deutlich und erhöht dadurch die Lebensdauer des eigenen Gelenks. Der Patient benötigt viel später ein künstliches Gelenk und hat deutlich weniger Schmerzen. Denn Hyaluronsäure erhöht die Schmierleistung und verlängert die Lebensdauer des eigenen Gelenksknorpels. Hyaluronsäure wird in der Orthopädie schon lange verwendet und wurde früher sogar von den Krankenkassen bezahlt. Sie ist im Vergleich zu anderen Wirkstoffen auch kostengünstig. Immer wieder wird Hyaluronsäure hinsichtlich ihrer Wirksamkeit kontroversiell diskutiert, aber meine Patientinnen und Patienten reagieren sehr gut darauf. Je besser der Zustand des Gelenkes ist, umso erfolgreicher ist die Behandlung.“ Denn, so Christopher Mayer: „Ist das Gelenk von schwerer Arthrose großteils zerstört, kann auch mit Hyaluronsäure kaum mehr geholfen werden.“ Hyaluronsäure ist chemisch gesehen ein langkettiges Molekül, das im Körper langsam abgebaut wird. Das hat den Vorteil einer längeren Wirkungsdauer. Orthopäde Mayer: „Hyaluronsäure-Injektionen geben wir alle sechs Monate oder ein Mal im Jahr, sie werden direkt ins Gelenk gespritzt. Häufiger sollten sie nicht angewendet werden.“

Falten ade
Hyaluronsäure-Cremes und -Spritzen werden auch in der ästhetischen Medizin angewendet. Hier steht die Faltenunterspritzung im Mittelpunkt. Im Allgemeinen hält der erzielte Effekt etwa sechs bis zwölf Monate an. Hyaluronsäure wird aber auch zur Formung von Gesäß, Lippen oder Brüsten injiziert. Die Kosmetikindustrie verwendet Hyaluronsäure-Creme zur Beseitigung leichter Falten auf der Haut. Der erzielbare Effekt beschränkt sich dabei auf die physikalische Wasserbindung, wodurch die obersten Hautschichten optisch verjüngt wirken. Tiefere Hautschichten werden aber nicht erreicht. Ein Langzeiteffekt auf das Bindegewebe zur dauerhaften Faltenglättung ist daher mit Hyaluronsäure nicht möglich.

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