Dienstag, 04. August 2020

Gesund mit Mutter Natur

Ausgabe 2020.07-08
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Ob Bergseen, Schwefelbäder, Moorpackungen oder Waldspaziergänge: Die Natur bietet viele Möglichkeiten, unsere Selbstheilungskräfte zu aktivieren und zu fördern. Ein kleiner Überblick. 


Foto: © iStock - Oleh_Slobodeni

Mehr als 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung leben in Ballungszentren. Fast 95 Prozent der Zeit verbringen die Menschen in geschlossenen Räumen – Transportmittel mitgerechnet. „Das führt zu den bekannten Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht, Osteoporose oder Burn-out“, gibt Dr. Wolfgang Marktl zu bedenken, Physiologe und Präsident der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin. Dass das Abwenden von der Natur im Grunde auch dem Wesen des Menschen widerstrebt, zeigt sich unter anderem an der Sehnsucht nach natürlichen und traditionellen Behandlungsmethoden, die seit vielen Jahren in der Bevölkerung immer größer zu werden scheint. „Es ist ein Trend zur Naturmedizin zu bemerken“, bestätigt Marktl. „Es gibt Statistiken, die besagen, dass 70 Prozent der Menschen auch diese Art von Medizin in Anspruch nehmen und ihr vertrauen.“ Ein Ausspielen gegen die Schulmedizin sei aber nicht angebracht, betont er: „Man sollte prinzipiell die Naturheilkunde und die Schulmedizin nicht voneinander trennen, sondern sie miteinander verbinden.“ Naturheilkunde ist allen voran das Wahrnehmen als auch das Wissen darüber, dass die Umwelt rund um uns unsere Gesundheit fördert. „Schon Hippokrates stellte in seiner Lehre klar, dass die vier Elemente Wasser, Luft, Erde und Feuer heilende Wirkung haben können“, so Marktl. Natürliche Heilvorkommen wie Quellen, Heilerde etc. sind mittlerweile in zahlreichen Studien ausgiebig erforscht, deren gesundheitsfördernde Wirksamkeit belegt.

Buchtipp

buch1GESUND MIT DER KRAFT DER NATUR
NEUES WISSEN UM SANFTE HEILUNG

Tanja Braune, Andrea Pascher,
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl

160 Seiten
Ampuls Verlag, 2020
24,90 Euro

Lebenselixier Wasser

Da wäre beispielsweise das Wasser, immerhin Ursprung allen Lebens, auch der menschliche Körper besteht zu circa 70 Prozent aus Wasser. In der modernen physikalischen Medizin wird Wasser vor allem in Form von Hydrotherapie eingesetzt, also als Wasser-Bewegungstherapie. Diese kann mit jeder Art von Wasser angewandt werden, erklärt Marktl, „denn Wasser verfügt generell über einen größeren Auftrieb, wodurch der Widerstand bei der Bewegung geringer wird. Sport ist im und unter Wasser also gelenksschonender, wodurch es sich zur physikalischen Behandlung bei Verletzungen oder Krankheiten des Bewegungsapparats bestens eignet.“ Auch das Schwimmen in einem wunderbar erfrischenden Bergsee kann der Experte empfehlen, nicht nur aufgrund des Bewegungsaspektes: „Auch beim Kneippen wird gezielt kaltes Wasser eingesetzt, um das Immunsystem zu stärken, die Atmung und das Herz anzuregen und auch den Stoffwechsel zu unterstützen.“ Noch dazu tut die Bergluft sowohl Körper, als auch Seele gut: Je höher man hinaufsteigt, desto geringer ist der Anteil von Feinstaub und Kohlenmonoxid in der Luft, aber auch Pollen und andere Allergene werden messbar weniger. Für Asthmatiker und Allergiker also ideale Bedingungen! Übrigens: Für diese Patienten sind auch Ausflüge zu Wasserfällen sinnvoll, denn die Wasserfallaerosole sind so winzig, dass sie besonders tief in die Atemwege eindringen und diese dort gründlich reinigen können.

Solewasser

Ähnlich wie beim See spielen auch beim beliebten Aufenthalt am Meer sowohl das gesunde Klima als auch das Salzwasser eine wichtige Rolle. Das Salz im Wasser löst Hautschuppen und wirkt entzündungshemmend und durchblutungsfördernd; Neurodermitis- und Schuppenflechte-Patienten profitieren beispielsweise stark von dieser Wirkung. „Der Auftrieb ist noch stärker als im Süßwasser, weshalb zum Beispiel Rheumapatienten das Schwimmen in Salzwasser zu empfehlen ist“, ergänzt Marktl. Da wir dieses Jahr auf Urlaub am Meer wohl zumeist verzichten müssen, sind Solebäder, die man auch problemlos in der eigenen Badewanne zubereiten kann, eine sehr gute Alternative. „Waschen und trocknen Sie sich nach dem Bad nicht sofort ab, sondern lassen Sie die Salzschicht auf Ihrer Haut wirken!“, rät der Experte. Auch bei Nieren- und Harnblasenleiden können Solebäder gute Erfolge erzielen. Asthmatiker oder andere Lungenerkrankte sollten die Sole inhalieren, denn diese lassen die Schleimhäute abschwellen und Sekrete lösen sich somit besser. Trinkt man Solewasser, wirkt sich dies positiv auf den gesamten Magen-Darm-Trakt aus.

 

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