Montag, 20. Mai 2019

Gesund in den Urlaub

Ausgabe 2013/05
Seite 1 von 3

Wohin soll es diesen Sommer in den Urlaub gehen? Egal, ob Meer, Berge oder See: Wer bereits jetzt mit den Vorbereitungen beginnt, kann die schönste Zeit des Jahres so richtig genießen!


Foto: Can Stock Photo Inc. - wacker

Auch wenn wir uns jetzt im Wonnemonat Mai noch nicht ans Kofferpacken machen, hat die meisten von uns schon die Vorfreude auf den heiß ersehnten Sommerurlaub gepackt. Während, wie die aktuelle GESÜNDER LEBEN-Umfrage auf www.gesünderleben.at ergab, 50 Prozent unserer Leser meist spontan verreisen und mit den Vorbereitungen ganz knapp vor dem Urlaub beginnen, stecken knapp 30 Prozent der Befragten schon mitten in der Organisation der schönsten Wochen des Jahres. Jeder Fünfte plant keine Urlaubsreise, sondern macht es sich diesen Sommer auf Balkonien gemütlich. Eine Minderheit von knapp vier Prozent der Sommerurlauber steckt bis knapp vor dem Abflug im Alltag fest und vergisst in der Hektik „immer etwas Wichtiges“ und besorgt sich das dann vor Ort.

Rechtzeitig impfen – damit der Urlaub zum Genuss wird!

Dr. Christina Jamnig von der Gemeinschaftspraxis für Reisemedizin in Innsbruck beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Impfungen vor Urlaubsantritt.

GESÜNDER LEBEN: Zu welchen Grundimpfungen raten Sie?
Christina Jamnig: Für Reisen in Europa ist es sinnvoll, die klassischen Standardimpfungen aufzufrischen. Dazu zählen DTPP (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung) sowie bei fehlendem Schutz die Kombinationsimpfung MMR (Masern, Mumps, Röteln). Im Jahr 2012 gab es in vielen europäischen Ländern (z. B. Frankreich und Großbritannien) zahlreiche Masernepidemien. Eine Masernerkrankung aufgrund fehlenden Schutzes kann als Erwachsener mit nicht zu unterschätzenden Komplikationen verlaufen.

GL: Wann ist eine Auffrischung nötig?
Jamnig: Sollten die Kinderkrankheiten MMR durchgemacht worden sein besteht lebenslanger Schutz. Ebenso besteht ein Schutz bei zweimaliger Impfung in der Kindheit. Bei unklarem Impfstatus oder nur einmaliger Impfung wird eine einmalige Auffrischung vor allem den unter 45-Jährigen empfohlen. DTPP sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

GL: Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, die Immunisierung über einen Bluttest zu bestimmen. Was halten Sie davon?
Jamnig: Bei gewissen Infektionen gibt es die Möglichkeit, den Impftiter zu bestimmen und so einen noch bestehenden Impfschutz anzuzeigen. Bei Diphtherie, Tetanus oder Hepatitis ist das zum Beispiel möglich. Allerdings zahlen die Krankenkassen diese Untersuchungen, welche im Schnitt zwischen 22 und 35 Euro liegen, nicht.

GL: Welche weiteren Impfungen sind sinnvoll?
Jamnig: In Österreich empfohlen werden weiters die HAB- (Hepatitis A und B) sowie die FSME-Impfungen. Große Teile von Österreich sind FSME-Endemiegebiete. Aber auch in anderen Ländern Europas wie Süddeutschland, Tschechien, der Slowakei, Skandinavien oder im Baltikum kommt FSME verbreitet vor.

GL: Nun zu den Fernreisen: Was gilt es zu beachten?
Jamnig: Die bereits erwähnten Standardimpfungen sollten noch aktiv sein beziehungsweise aufgefrischt werden. Vor allem eine Impfung gegen Hepatitis A ist in vielen Ländern dringend angeraten. So etwa auch in der „nahen“ Ferne wie der Türkei und in Ägypten. Auch eine Typhusimpfung ist häufig sinnvoll, vor allem bei einfacherem Reisestil. Die Gelbfieberimpfung ist in einigen Ländern vorgeschrieben, vor allem im tropischen Afrika und vereinzelt auch in Südamerika. Vorgeschrieben ist auch die Meningokokken-Impfung für Pilger in den arabischen Raum (Hadsch in Mekka). Empfohlen wird diese Impfung auch für das tropische Afrika.

GL: Die Impfempfehlungen variieren sehr stark und sind auch innerhalb von Ländern unterschiedlich. Können Sie uns dennoch eine Richtlinie geben?
Jamnig: Generell kann man sagen, dass durchorganisierte Reisen in gut geführten Hotelanlagen wesentlich weniger Risiken bringen als Rucksacktourismus. Je einfacher die Reise gehalten wird und je schlechter die medizinische Versorgung vor Ort ist, desto mehr Impfungen müssen in Betracht gezogen werden (Tollwut, Japan B Encephalitis).

GL: Es ist also anzuraten, sich Informationen zu holen, sobald man einen Reiseplan hat?
Jamnig: Ja. Großzügig empfohlen wird etwa eine Typhusimpfung für Reisen nach Asien, aber auch für Südamerika und Afrika bei einfacherem Reisestil. Vor allem für Indien wird eine Immunisierung gegen Tollwut empfohlen. Im asiatischen Raum sinnvoll ist überdies die Impfung gegen Japan B Encephalitis, eine schwere Virusinfektion, die durch Mücken übertragen wird.

GL: Gegen Malaria gibt es zwar keine Impfung, aber eine medikamentöse Prophylaxe …
Jamnig: Malaria-Hochrisikogebiete sind Länder im tropischen Afrika sowie Teile des südamerikanischen Amazonasgebietes oder Südostasiens. Aber auch zum Beispiel in Indien ist die Gefahr einer Infektion mit Malaria nicht zu unterschätzen. Hier ist zusätzlich zum Mückenschutz eine medikamentöse Prophylaxe notwendig. Im Einzelfall sollte dies aber mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

GL: Wie lange vor dem Start in den Urlaub sollte man mit den Impfungen beginnen?
Jamnig: Der optimale Zeitpunkt, um sich reisemedizinisch beraten zu lassen, liegt etwa sechs bis acht Wochen vor Reiseantritt. Allerdings sind viele Impfungen noch bis kurz vor Abreise möglich und sinnvoll.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gesund in den Urlaub
Seite 2 Urlauber achten verstärkt auf Qualität
Seite 3 Eine Reiseapotheke sollte mit ins Gepäck

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