Sonntag, 22. September 2019

Gesund in den Herbst

Ausgabe 2013/10
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Im Herbst stehen bei unserem Immunsystem alle Zeichen auf Sturm, gilt es doch, Erkältungserreger abzuwehren. Wie das funktioniert und was jeder selbst dazu beitragen kann, hat GESÜNDER LEBEN recherchiert.


Foto: Can Stock Photo Inc. - Dirima

Der Herbst zieht mit unaufhaltsamen Schritten ins Land. Wunderbar, wenn er sich von seiner buntesten und spätsommerlich warmen Seite zeigt. Präsentiert er sich jedoch grau in grau, bedeutet das für den Körper „Alarmstufe Rot“, weil er dann mit noch mehr Krankheitserregern in Berührung kommen kann oder empfänglicher für diese ist. Zwischen Oktober und April ist unser Immunsystem daher umso mehr gefordert, die unzähligen Viren abzuwehren – und das ist alles andere als eine leichte Aufgabe, schließlich gibt es viele verschiedene davon, die sich noch dazu ständig verändern und wahre Meister sind, wenn es darum geht, unsere Abwehrkräfte auszutricksen. Es darf einen daher nicht wundern, dass uns Husten, Schnupfen und leicht erhöhte Temperatur im Durchschnitt zweimal pro Jahr für ein paar Tage außer Gefecht setzen.

200 Infekte pro Leben. Dabei ist der grippale Infekt, wie die Erkältung auch genannt wird, noch die zu „bevorzugende“ Erkrankung – wenn’s denn überhaupt sein muss. Bei der „echten“ Grippe kommen nämlich zu den klassischen Erkältungssymptomen hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen sowie massive Müdigkeit hinzu. Eine Kombination, die uns mitunter für mehrere Wochen ans Bett fesselt. Schon für einen an sich gesunden Menschen sei die Grippe eine nicht zu unterschätzende Krankheit, betont Dr. Eva Untersmayr-Elsenhuber, Fachärztin für Immunologie am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien. „Für Kinder, ältere Menschen oder Risikopatienten ist die Grippe aber nicht nur eine schwerwiegende, sondern durchaus gefährliche und durch mögliche Komplikationen sogar potenziell tödliche Krankheit. Immerhin kann sie eventuell zu bakteriellen Infekten führen, wie zum Beispiel einer Lungenentzündung, ausgelöst durch Pneumokokken“, warnt die Immunologin, die sich daher klar für die Grippeimpfung ausspricht. Während wir im Erwachsenenalter mit durchschnittlich zwei Infekten pro Jahr rechnen müssen, schaut die Sache im Kindesalter anders aus: So sind etwa bis zum sechsten Lebensjahr zwischen zehn und zwölf Infekte pro Jahr normal. Untersmayr-Elsenhuber: „Bei kleinen Kindern ist allerdings weniger die Häufigkeit ausschlaggebend, sondern vielmehr wie stark die Infekte verlaufen und ob sie mit Komplikationen einhergehen.“ Treten beispielsweise wiederholt Mittelohrentzündungen oder Bronchitis auf, sollten sich Eltern – zusammen mit dem Kinderarzt – Gedanken darüber machen, ob dahinter eine andere Grunderkrankung stecken könnte. Läuft hingegen alles „normal“, leiden wir in unserem Leben also bis zu 200-mal unter einem Infekt. Übrigens: Ein Infekt ist eine ansteckende Krankheit, die durch eine Infektion, den Kontakt mit den Krankheitserregern, ausgelöst wird. Die Ausdrücke „Infekt“ und „Infektion“ sollten daher nicht verwechselt werden. Bei einer Infektion dringen die Erreger  (z. B. Bakterien, Pilze oder Viren) zwar in den Organismus ein – häufig über Nase oder Mund –, um sich danach auf den Oberflächen der Schleimhäute niederzulassen und sich innerhalb weniger Stunden zu vermehren. Allerdings kommt es nur in Ausnahmefällen zu Beschwerden wie etwa dem Anschwellen und einer verstärkten Aktivität der Schleimdrüsen in den Schleimhäuten der Atemwege. Laut Untersmayr-Elsenhuber verlaufen 95 Prozent aller Infektionen völlig symptomlos.

tee, immunsystemfoto: Can Stock Photo Inc. - Massonforstock

 

Tolles Immunsystem. Zu verdanken haben wir das den körpereigenen Abwehrkräften, die im Prinzip ständig reagieren, da wir eben so gut wie ununterbrochen mit Bakterien und Viren in Kontakt kommen. Doch abgesehen davon, dass unser Immunsystem von außen eindringende Schädlinge abwehrt, ist es zudem in der Lage, eigene, krankhaft entartete Zellen zu zerstören. Das Abwehrsystem basiert freilich auf einem hochkomplexen Zusammenspiel verschiedener Organe, Zellen und Moleküle. Darüber hinaus muss zwischen dem angeborenen und dem erworbenen Immunsystem unterschieden werden. Ersteres entwickle sich bereits im Mutterleib, erklärt die Expertin: „Dies ist die erste Schiene der Immunantwort. Damit ist der Säugling aber noch nicht in der Lage, alle Krankheitserreger effektiv zu bekämpfen, und ist daher auf mütterliche Antikörper angewiesen. Während der Schwangerschaft bekommt er diese über die Plazenta.“ Nach der Geburt verfügt ein Neugeborenes zwar noch über den sogenannten Nestschutz, der durch das Stillen auch noch etwas verlängert werden kann. Doch erstens schützt dieser Nestschutz nur gegen jene Infektionskrankheiten, die die Mutter selbst durchgemacht hat. Und zweitens hält der Schutz nur für eine gewisse Zeit an. Ab dem Zeitpunkt der Geburt ist der Organismus mit dem Aufbau der erworbenen Immunabwehr beschäftigt, was allerdings seine Zeit braucht. Helfen können dabei neben dem ständigen Kontakt mit potenziellen Krankheitserregern auch Schutzimpfungen (z.B. gegen Masern/Mumps/Röteln, Tetanus, Hepatitis A und B, FSME oder andere im österreichischen Impfplan aufgelistete Erkrankungen). „Impfungen entsprechen kleinen, kontrollierten Infektionen, wodurch sich nach und nach ein immunologisches Gedächtnis entwickelt. Man kann das Immunjogging nennen“, so Eva Untersmayr-Elsenhuber. Im Grunde trägt auch jeder durchgemachte Infekt zum Aufbau der körpereigenen Abwehrkräfte bei, jedoch kommt es dabei unter Umständen zu schwerwiegenden Krankheiten, da der Körper bei einem neuen Infekt eben noch nicht entsprechend dagegen ankämpfen kann. Es bleibt dann nicht bei einer kontrollierten Infektion, sondern es kommt zu einem richtigen Infekt – und dieser kann mitunter heftiger ausfallen, als einem lieb ist.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gesund in den Herbst
Seite 2 Essen für die Abwehr

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