Gesund durch Sex

Ausgabe 2020.06

Sex ist ein wesentlicher Faktor für ein gesundes und langes Leben. GESÜNDER LEBEN hat zehn gute Gründe, wieso Sie regelmäßig mit Ihrem Partner intim sein sollten. Ihr Herz, Ihr Immunsystem und Ihr Rücken werden es Ihnen danken! 


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Sex macht Spaß – und ist gesund! Zahlreiche internationale Studien konnten in den vergangenen Jahren die positive Auswirkung des LiebeMachens auf unsere Gesundheit nachweisen. Klingt gut, ein differenzierter Blick ist hier allerdings wesentlich: „Sex ist nur dann gesund, wenn alle Parteien ihn vollends genießen können und sich dabei nicht unbehaglich fühlen“, betont der Linzer Sexualmediziner Dr. Georg Pfau. „Leistungsdruck beispielsweise schadet nicht nur unserer Psyche, sondern auch unserem körperlichen Wohlbefinden.“ Apropos: Experten und Wissenschafter sprechen im Rahmen von Studien gerne davon, mindestens dreimal pro Woche Sex für mindestens 20 Minuten haben zu müssen, damit sich der gesundheitliche Aspekt auch tatsächlich entfalten kann. Von solchen vorgegebenen Zahlen hält Pfau allerdings wenig: „Es gibt beim Sex keine Normen – außer jene, dass sexuelles Wohlbefinden sexuelle Zufriedenheit bedeutet. Man sollte aus dem Liebesspiel keinen Liebessport machen. Nur wenn man sich fallen lassen kann, funktioniert die Liebesheilung.“ Wieso aber ist Sex denn nun eigentlich so wichtig für unsere Gesundheit und unser körperliches Wohlbefinden? GESÜNDER LEBEN nennt zehn Gründe:

1. Sex stärkt das Immunsystem
Wer regelmäßig Sex hat, wird seltener krank, so das Ergebnis diverser Langzeitstudien. Für Experte Pfau durchaus plausibel: „Durch den Austausch von Körpersäften wird unser Immunsystem mobil und schickt Abwehrzellen gegen mögliche Erreger des Partners aus. Außerdem erhöht sich beim Sex im Speichel die Konzentration von Immunglobulin A, das vor Infektionen schützt, um 30 Prozent.“ Auch Küssen allein ist gesund: Der angeregte Speichelfluss beim Küssen ist ein wichtiger Schutz vor Zahn- und Zahnfleischerkrankungen, zudem soll regelmäßiges Küssen die LDL-Cholesterinwerte senken.

2. Sex schützt das Herz
Dass beim Liebesspiel das Herz mitunter stärker klopfen kann als sonst, kennen wir alle – und das ist gut so! Denn Sex fördert die Durchblutung im Körper und somit auch des Herzens, womit allgemein das Herz-Kreislauf-System unseres Körpers angeregt wird. Beim Sex wird Stickstoffmonoxid produziert, das nicht nur für die männliche Erektion wesentlich ist, sondern auch Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugt. Zudem sinkt die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, was wiederum den Blutdruck sinken lässt. Mehrere Studien beweisen, dass regelmäßiger Geschlechtsverkehr das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, deutlich vermindert.

3. Sex verringert Krebsrisiko
Häufige Samenergüsse senken die Gefahr, an Prostatakrebs zu erkranken: Laut einer groß angelegten australischen Studie weisen Männer ein um 30 Prozent geringeres Risiko auf, ein Prostatakarzinom zu entwickeln, wenn sie mindestens viermal wöchentlich ejakulieren. Auch einer Prostataentzündung kann auf diese Weise vorgebeugt werden. Der Grund: Die Prostatadrüse wird durch den regelmäßigen Samenerguss gereinigt und bleibt elastisch, auch die Bildung von kristallinen Mikroverkalkungen, die in Zusammenhang mit Prostatakrebs gebracht werden, wird verhindert.

4. Sex macht glücklich
Zeigen wir unsere Liebe körperlich, schütten wir verstärkt Glückshormone aus. Diese sorgen für das berühmte Gefühl, nicht nur den Partner, sondern die ganze Welt umarmen zu können. „Die Aktivierung des Kuschelhormons Oxytocin führt zudem zu einer Festigung der Partnerschaftsbeziehung und zu einer vertraulichen Bindung zwischen zwei Menschen“, erklärt Pfau, der auch noch andere Gründe nennt, wieso uns Sex glücklich macht: „Beim Akt wird der Nucleus accubens, also das Belohnungs- und Wohlfühlzentrum des Gehirns, aktiviert, was für ein Stimmungshoch sorgt. Mit dem Bewusstsein, begehrt zu sein, steigen das Selbstwertgefühl und die Zufriedenheit mit sich selbst.“ Ähnlich wie Sport wirkt Sex zudem antidepressiv und beugt einem Burn-out vor: „Menschen mit einem glücklichen Sexualleben haben ein verringertes Risiko, an Depressionen zu erkranken.“ Auch ist erwiesen, so der Experte weiter, dass sexuell aktive Personen eher dazu bereit sind, auf ihr Äußeres zu achten, Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren, als Personen, die keinen oder nur sehr selten Sex haben.

5. Sex entspannt und lindert Schmerzen
Während der Spiegel der Glückshormone beim Sex steigt, sinkt die Produktion des Stresshormons Cortisol. Der Körper kann entspannen und Stress abbauen – sogar so intensiv, dass für viele Menschen, allen voran für Männer, Sex ein gutes Hilfsmittel zum Einschlafen darstellt, so Pfau: „Das durch den Orgasmus aktivierte Hormon Vasopressin lässt Männer schon zwei bis drei Minuten nach dem Akt tief schlafen.“ Für beide Geschlechter gleichermaßen gilt, dass Sex auch effektive Schmerztherapie sein kann: „Dank der Endorphine, die ähnlich wie Opioide wirken, hat Sex eine schmerzlindernde Wirkung und hilft zum Beispiel bei Gelenks -und vor allem Kopfschmerzen“, erläutert der Mediziner und weist damit eine der beliebtesten Sex-Ausreden in die Schranken. Laut einer Studie der britischen Elite-Universität Yale fallen sogar Menstruationsbeschwerden schwächer aus, wenn Frauen regelmäßig Sex haben.


 

6. Sex macht schlank
Auch wenn Geschlechtsverkehr nicht mit Sport zu vergleichen ist, kann Sex trotzdem helfen, unerwünschte Kilos loszuwerden. Studien zufolge verbrennen Männer bei 30 Minuten Sex bis zu 100, Frauen bis zu 70 kcal, auch wenn der exakte Kalorienverlust natürlich vom individuellen Liebesspiel abhängt. Als gesichert gilt, dass Sex sich bei Männern positiv auf den Muskelaufbau auswirkt. Sogar auf unser Essverhalten hat unser Sexleben wesentlichen Einfluss: Die Glückshormone sorgen dafür, dass wir seltener Heißhunger auf Junk-Food und Süßigkeiten verspüren.

7. Sex stärkt den Rücken
Sex ist effektive Gymnastik für unseren Rücken! Durch die typischen Bewegungen werden Muskelgruppen im unteren Rückenbereich gelockert, die starken Kontraktionen beim Orgasmus ähneln der Wirkung einer intensiven Massage. Dadurch wird unser Rücken geschmeidiger, stärker, die Haltung aufrechter. Ein regelmäßiges Beckenbodenmuskulatur-Training wirkt zudem einer altersinduzierten Blasenschwäche entgegen.

8. Sex macht schön
Sex macht die Haut straffer, reiner und versorgt sie mit mehr Feuchtigkeit. Dafür verantwortlich ist nicht nur die bessere Durchblutung, die während des Geschlechtsverkehrs vorherrscht, sondern auch das Sexualhormon Östrogen, das beide Geschlechter – in unterschiedlichem Ausmaß – während und nach dem Akt ausschütten. „Östrogen wirkt sich positiv auf die Regenerationsfähigkeit der Zellen und die Bildung von Kollagen aus“, erklärt Pfau. „Auch wird das Bindegewebe gestärkt, wodurch Cellulite vorgebeugt wird.“ Östrogene lassen zudem nicht nur die Haare und Nägel glänzen, sondern schützen auch vor freien Radikalen, die den Alterungsprozess der Körperzellen beschleunigen. Sex lässt uns also nicht nur jünger fühlen, sondern auch so aussehen!

9. Sex macht fertil
Regelmäßige Ejakulationen sorgen auch für eine konstant hohe Qualität der Spermien – eine gesunde Lebensweise natürlich vorausgesetzt. Dazu Pfau: „Studien belegen, dass die Samenqualität bereits nach ein bis zwei Tagen ohne Ejakulation sinkt, was sich natürlich auf die Fertilität auswirkt.“

10. Sex macht schlau
Weil beim Geschlechtsverkehr die Hirnanhangsdrüse und die Zirbeldrüse angeregt werden, wird auch das Gehirn besser durchblutet. Die Folge: eine Steigerung nicht nur der Konzentrations- und Gedächtnisleistung, sondern “ auch der Kreativität.

 

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