Freitag, 22. Februar 2019

Gesund durch Sex

Ausgabe 2018.05

Sex macht Spaß. Sex ist Liebe, Lust und Leidenschaft. Aber vor allem: Sex ist gesund. GESÜNDER LEBEN verrät, wie Erotik das Krebsrisiko senkt, Schmerzen lindert und sogar klüger macht.


Foto: iStock-KatarzynaBialasiewicz

Glaubt man den zahlreichen internationalen Studien, die in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht wurden, ist klar: Sex ist ein wesentlicher Faktor für ein gesundes und langes Leben! Von der „Macht des Sex“ ist auch der deutsche Sexualmediziner Dr. Torsten Freitag im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN überzeugt: „Sexualität ist eine unserer wichtigsten Quellen für Lebensfreude und Wohlbefinden!“ Nachsatz mit Nachdruck: „Sex ist mehr als nur die Verrichtung eines körperlichen Aktes.“ Da sich ohnehin bereits zahlreiche falsche Vorstellungen und Mythen rund um das Thema Sexualität ranken, sei es wichtig, die Frage nach dem gesundheitlichen Aspekt von Sex nur vorsichtig zu beantworten – um nicht noch mehr Druck auszuüben. „Stress mit dem Sex ist häufig selbst gemacht“, betont Freitag. „Viele Menschen glauben, sie müssten bestimmten Normen oder Leistungen erfüllen. Guter Sex ist kein Leistungssport und vor allem kein Pflichtprogramm. Das gilt auch für die vermeintliche Orgasmus-Pflicht.“


Guter Sex

... ist kein LEISTUNGSSPORT.  Experten und Wissenschafter empfehlen im Rahmen von Studien gerne, mindestens drei-, besser viermal pro Woche Sex für jeweils mindestens 20 Minuten zu haben, sodass sich der gesundheitliche Aspekt tatsächlich entfalten kann. Vorgegebene Zahlen sollte man jedoch anzweifeln, meint der Linzer Sexualmediziner Dr. Georg Pfau: „Es gibt beim Sex keine Normen – außer jene, dass sexuelles Wohlbefinden sexuelle Zufriedenheit bedeutet. Nur wenn man sich fallen lassen kann, funktioniert die Liebesheilung.“ Freitag ergänzt: „Sex ist dann gesund, wenn beide Parteien ihn genießen können, kein Leistungsdruck mitschwingt oder einer eigentlich keine Lust hat. Besonders wichtig ist, dass niemand Unbehagen oder gar Schmerzen dabei empfindet.“

... tut der Seele gut und verbindet. Unsere Seele profitiert von Sex mindestens genauso wie unser Körper! „Sex erfüllt psychosoziale Grundbedürfnisse wie Nähe, Wärme, Hautkontakt, Angenommensein, Vertrauen und Geborgenheit“, ist Freitag überzeugt. „Diese Grundbedürfnisse sind lebensnotwendig; wir würden verkümmern, wenn sie dauerhaft fehlen. Sex vermag diese Bedürfnisse in einer besonders intensiven, unmittelbar körperlich erlebbaren Weise zu erfüllen.“ Die ausgeschütteten Endorphine sorgen für ein Stimmungshoch. Auch die Beziehungszufriedenheit steigt, ergänzt Pfau: „Die Aktivierung des Kuschelhormons Oxytocin führt zu einer Festigung der Partnerschaftsbeziehung.“

... senkt das Krebsrisiko. Männer, die mindestens viermal in der Woche ejakulieren, haben laut Studien ein rund 30 Prozent geringeres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Der Grund: Die Prostatadrüse wird durch den Samenerguss gereinigt. Darüber hinaus verhindert eine Ejakulation die Bildung von kristallinen Mikroverkalkungen, welche ebenfalls mit der Entstehung von Prostatakrebs in Verbindung gebracht werden. Auch einer Prostatitis kann durch regelmäßige Orgasmen vorgebeugt werden.

... stärkt die Abwehrkräfte. Sex als Grippeprävention? „Durch den Austausch an Körpersäften wird unser Immunsystem mobil und schickt Abwehrzellen gegen mögliche Erreger des Partners aus“, erläutert Pfau. „Zudem erhöht sich beim Sex die Konzentration von Immunglobulin A, das vor Infektionen schützt, um 30 Prozent.“

... schützt das Herz. Sex fördert die Durchblutung im Körper, das Herz-Kreislauf-System wird angeregt, wodurch auch das Risiko eines Herzinfarkts sinkt. Das winzige Molekül Stickstoffmonoxid, das bei der Blutversorgung von Organen eine wichtige Rolle spielt und beim Sex produziert wird, ist hier einer der Gründe. Den meisten Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen muss nicht vom Sex abgeraten werden, klärt Freitag auf: „Die körperliche Anstrengung bei sexuellen Handlungen ist nicht sehr hoch, vergleichbar etwa dem Treppensteigen über zwei Etagen oder einem schnellen Spaziergang.“ Vielmehr „rechnen Kardiologen Sex zu den Aktivitäten, die die Rehabilitation und Herzgesundheit fördern“.

... reduziert Stress. Die Hormone Dopamin und Oxytocin wirken stresslindernd; der Cortisolspiegel sinkt, wenn wir die ultimative Entspannung, nämlich den Orgasmus, erleben. Besonders für Männer ist der erlebte Höhepunkt ein gutes Hilfsmittel zum Einschlafen, so Pfau: „Das durch den Orgasmus aktivierte Hormon Vasopressin lässt Männer schon zwei bis drei Minuten nach dem Akt tief schlafen.“

... lindert Schmerzen. Die Entspannung, die wir beim Sex empfinden, hat positive Auswirkungen auf den gesamten Körper: „Dank der Endorphine, die ähnlich wie Opioide wirken, hat Sex auch eine schmerzlindernde Wirkung und wirkt zum Beispiel gegen Muskel-, Gelenks- und vor allem Kopfschmerzen“, sagt Pfau. Laut Studien fallen bei sexuell aktiven Frauen auch die Menstruationsbeschwerden weniger stark aus.

... macht schlau. Weil beim Sex die Hirnanhangsdrüse und die Zirbeldrüse angeregt werden, wird auch das Gehirn besser durchblutet. Zudem wird beim Orgasmus, erklärt Pfau, das kognitivaktivierende Hormon Prolaktin ausgeschüttet. Die Folge: Die Konzentrations- und Gedächtnisleistung sowie die Kreativität steigen.

... macht schön.  Sowohl Frauen als auch Männer schütten nach dem Sexakt vermehrt Östrogene aus. Diese wirken sich positiv auf die Regenerationsfähigkeit der Zellen und die Bildung von Kollagen aus. Auch das Bindegewebe wird gestärkt, wodurch Cellulite vorgebeugt wird.

Schmusekur. Schon küssen alleine ist gesundheitsfördernd: Aufgrund des regen Austauschs von Bakterien wird wie beim Geschlechtsverkehr das Immunsystem angeregt, auch die entspannende und stressreduzierende Wirkung ist eine ähnliche. Laut einer Studie der Wiener Universitätsklinik lassen sich durch regelmäßiges Schmusen sogar die LDL-Cholesterinwerte senken. Weil beim (leidenschaftlichen) Küssen rund 30 Gesichtsmuskeln aktiviert werden, wirkt man so effektiv Falten entgegen.

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