Mittwoch, 20. Februar 2019

Geschmack als Therapie

24. Februar 2012
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In den östlichen Ernährungswissenschaften wie Tibetischer-, Ayurvedischer- und Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) spielt der Geschmack in der Therapie eine große Rolle. Alle drei entstammen einer Wurzel und sind stark mit der Natur verwoben, sie entwickelten sich über tausende von Jahren aus Naturbeobachtungen. So entstanden in jeder dieser drei Wissenschaften ein fünf Elementesystem, bei dem auch die fünf bzw. sechs Geschmacksrichtungen – sauer, bitter, süß, scharf, salzig und herb eine wichtige Rolle spielen.


Foto: flickr.com - Augapfel

Die einzelnen Geschmacksrichtungen beeinflussen bestimmte „Organe“ oder Funktionen im Körper, sie beeinflussen die Energie (Qi, Prana) und können positive sowie negative (wenn im Übermaß genossen) Zustände im Körper herstellen. Ähnlich einem Medikament, kann der Geschmack auch „überdosiert“ werden und sich negativ auf den Organismus (die entsprechenden Organe, die entsprechende Emotionen) auswirken.

Auch in der Tibetischen Medizin spielt der Geschmack der Nahrungsmittel eine wichtige Rolle für die biologische Funktion. Ausgehend von den sechs Geschmacksrichtungen, kann der tibetische Arzt sagen, ob der Gesundheitszustand von den verwendeten Nahrungsmitteln günstig oder ungünstig beeinflusst wird. Wer seinen Konstitutionstyp kennt, kann Nahrungsmittel auswählen, die ihn stärken und jene vermeiden, die ihn schwächen. Abgesehen davon, dass Heilkräuterrezepturen von den Ärzten mittels der sechs Geschmacksrichtungen zusammengestellt, um harmonisch im Körper zu wirken.

Westlich gesehen, ruft jeder Geschmack bestimmte Abläufe im Körper hervor, damit er Vitamine, Mineralien, etc. aus der Nahung ziehen und für den Körpergebrauch umwandeln kann. Wenn wir regelmäßig die eine oder andere Geschmacksrichtung bewusst oder unbewusst ausschließen oder verstärkt zu uns nehmen, dann erzeugen wir dadurch eine einseitige Ernährungssituation.

Zum einen deutet eine klar bevorzugte Geschmacksrichtung auf ein bestimmtes energetisches Ungleichgewicht, zum anderen besagt auch der Geschmack, den wir im Mund empfinden ohne etwas gegessen zu haben, etwas über dieses Ungleichgewicht aus. Wenn Sie sich für eine Therapie in einer dieser drei östlichen Wege entscheiden, kann es vorkommen, dass Ihnen für kurze Zeit die eine oder andere Geschmacksrichtung vermehrt empfohlen oder Ihnen davon abgeraten wird. „Geschmack als Therapie“ ist ein so komplexes Thema, dass ich Selbstanwendern empfehle, immer alle Geschmacksrichtungen bei einer Mahlzeit mit dabei zu  haben, um gut versorgt und in Harmonie zu sein.

Sie ahnen sicher schon, dass es gar nicht so einfach ist, Geschmack als Therapie einzusetzen, da das „zuviel davon“ für jeden Menschen individuell ist. Für eine ausgewogene Ernährung ist es wichtig, dass möglichst alle Geschmacksrichtungen vorkommen. Trotzdem möchte ich Ihnen hier die Welt des „Geschmacks als Therapie“ kurz und stark vereinfacht vorstellen, denn es ist eine Welt voller Möglichkeiten.

Süß, das Gold der Ernährung:
„Süß“ (natur belassene Nahrungsmittel) stärkt unseren Magen sowie die Milz, befeuchtet, nährt uns, liefert Kohlehydrate, spendet Energie, macht uns zufrieden und entspannt so schön bei innerer Anspannung (Stress). Süß sind Getreide, Gemüse, Obst, Linsen, Bohnen… kurz Lebensmittel, die uns nähren, satt und zufrieden machen, es sollte bei jedem Essen mitklingen. An Hand des Süßen „misst“ der Körper, ob er schon satt ist. Sie kennen das, auch wenn Sie ein noch so gutes Essen verspeist haben und eigentlich satt sind, wenn nichts Süßes dabei war, sehnen Sie sich nach einem Stückchen „Süß“, wenn Sie vom Tisch aufstehen. Unser Hunger auf Süßes steigt, wenn wir lange nichts gegessen (Energiemangel), zu viel gearbeitet haben oder seelisch besonders gefordert sind.
Süß kann aber auch zuviel werden für unsere Körper und dann wandelt sich das „Befeuchten“ in chronische Feuchtigkeit und Nässe, bis hin zu Schleimerkrankungen, wie Übergewicht, u.s.w.
Als Beispiel: Wenn es im Sommer heiß war, machte meine Großmutter früher immer Limonade aus Zucker und Zitronensaft. Die Süße befeuchtete den Organismus, das Saure hielt die Feuchtigkeit im Körper, ideal bei heißem Sommerwetter, um trotz heftigen Schwitzens nicht auszutrocknen. Nehmen wir nun die Limonade in den Winter, befeuchtet sie uns immer noch und hält diese Feuchtigkeit im Körper, allerdings ist durch das kalte Wetter sowieso schon genügend Feuchtigkeit vorhanden, die Limonade kann hier also zur Feuchtigkeitsbelastung (Schnupfen, Husten, chronische Müdigkeit) führen.

Scharf, bringt Schwung ins Leben:
Das Scharfe bewegt die Energie, es zerstreut und löst Erstarrtes, öffnet gleichzeitig die Poren, erwärmt den Körper, wirkt schweißtreibend und befreit die Haut vorn Krankheitsfaktoren. Scharf ist in der TCM dem Metallelement und den Organen Lunge, Haut und Dickdarm, in der Ayurvedischen Medizin den Elementen Luft und Feuer (Brührung, Konsistenz, Farbe und Licht) zugeordnet. Der scharfe Geschmack stärkt in geringen Mengen die Lunge, ideal ist er eingesetzt bei einer beginnenden Erkältung, weil er dem Körper hilft, die Krankheitsfaktoren über die Haut auszuscheiden. Wenn Sie also fühlen, dass eine Erkältung im Anflug ist, machen Sie sich eine Tasse heißen Ingwer Tee und trinken sie diesen so heiß wie möglich. Etwas Scharfes den Winter hindurch stärkt die Abwehrkräfte. Zuviel  vom Scharfen  trocknet aber aus und kann zu Trockenheitssymptomen (z.B. Allergien, Hautjucken, trockener Husten, Nachtschweiß, Zungenbrennen, Sodbrennen, Gereiztheit, innere Unruhe, Schlafstörungen, Verstopfung, Bluthochdruck…) führen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Geschmack als Therapie
Seite 2 Salzig regt die Verdauung an


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