Freitag, 18. Oktober 2019

Genuss statt Verdruss

Ausgabe 2019.06
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Wenn Ihnen Rotwein und Schokolade nicht bekommen, könnte eine Histaminunverträglichkeit dahinterstecken. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie sie sich bemerkbar macht, worauf Sie besser verzichten und was Sie unbesorgt essen dürfen.

 


Foto: iStock-selvanegra

Experten gehen davon aus, dass ein bis fünf Prozent der Österreicher an einer Histaminintoleranz leiden. Bei etwa drei Viertel der Betroffenen handelt es sich um Frauen; meistens sind sie über 40 Jahre alt. „Hauptursache dafür dürfte eine Abnahme der weiblichen Geschlechtshormone sein“, erläutert Dr. Kathrin Oberleitner, Fachärztin für innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechselmedizin am Ordensklinikum Linz. „Dieser Mechanismus ist aber noch nicht ausreichend untersucht.“ Grundsätzlich trägt eine reduzierte Aktivität der histaminabbauenden Enzyme Diaminoxidase (DAO) und Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) zu einer Histaminintoleranz bei. „Der entgleiste Histaminstoffwechsel führt zu einer Anhäufung von Histamin im Körper, welche zu den klassischen Beschwerden führt. Zu den häufigsten Ursachen zählt dabei der erworbene DAO-Mangel. Ein gleichzeitig vorliegender HNMT-Defekt verstärkt die Symptome“, so Oberleitner.

Spektrum der Symptome
Da die Wirkung von Histamin über eine Stimulation von Rezeptoren erfolgt, die über alle Organsysteme des Körpers verteilt sind, ist auch das Beschwerdebild facettenreicher und uneinheitlicher. Der H1-Rezeptor vermittelt Juckreiz, Schmerz, Entzündung und Erweiterung der kleinen Blutgefäße, wodurch es beispielsweise zu einer Nesselsucht (juckenden Quaddeln) und Flush (Gesichtsrötung) sowie zu Blutdruckabfall kommen kann. „Auch Kopfschmerzen und Schwellungen der Nasenschleimhaut erklären sich über diesen Mechanismus“, weiß Oberleitner. „Darüber hinaus kommt es zu Kontraktionen an den Bronchien, die das Entstehen von Asthma begünstigen können.“ Der H2-Rezeptor regt laut Expertin wiederum die Magensäureproduktion und die Bewegungsfähigkeit des Darmes an. Mögliche Folgen: Durchfall oder Sodbrennen. Auch der Herzschlag kann beschleunigt werden. Zu weiteren unspezifischen Symptomen zählen Müdigkeit nach dem Essen, Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit oder Völlegefühl. Bei Frauen gesellen sich mitunter verstärkte Menstruationsbeschwerden dazu. Interessant: In der Schwangerschaft kommt es häufig zu einer Verbesserung der Symptome. Denn: Ab dem zweiten Trimenon produziert die Plazenta viel DAO, um vorzeitigen Wehen und damit Frühgeburten vorzubeugen.

hestamin2Quelle: Österreichische Gesellschaft für Ernährung, www.oege.at


Reden Sie darüber!
Bis heute gibt es leider keine validen laborchemischen Diagnose-Tools, um einer Histaminintoleranz aufzulauern. Vielmehr gelingt die Diagnose mittels einer eingehenden Befragung des Patienten zu seiner gesundheitlichen Vorgeschichte inklusive Ernährungsgewohnheiten. Suchen Sie idealerweise einen Gastroenterologen bzw. Allergologen auf; sie stehen dem Thema Histaminunverträglichkeit prinzipiell am nächsten. Erzählen Sie im Rahmen des Anamnesegesprächs möglichst viel über sich, auch vermeintliche Nebensächlichkeiten können wichtig sein: Ihr Arzt wird die wichtigsten Informationen herausfiltern. „Wie vertragen Sie Rotwein?“ wird übrigens eine der wichtigsten Fragen Ihres Arztes sein. Bei entsprechenden Verdachtsmomenten ist es empfehlenswert, drei bis vier Wochen vollständig auf histaminhältige Speisen bzw. Nahrungsmittel, welche die Ausschüttung von Histamin aus den Körperzellen fördern (Histaminliberatoren), zu verzichten. Klingen die Beschwerden während dieser Eliminationsdiät ab, ist dies ein deutlicher Hinweis für eine Histaminintoleranz. Weitere Indizien liefert der Provokationstest: Gezielt und kontrolliert wird hier nach der Karenzphase eine kleine Menge histaminreicher Lebensmittel zugeführt und protokolliert, ob wieder Symptome auftreten.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Genuss statt Verdruss
Seite 2 Wo versteckt sich aber Histamin?

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