Montag, 18. Februar 2019

Geistig fit bis ins hohe Alter!

Ausgabe 05.2015

Demenzerkrankungen werden in den nächsten Jahrzehnten rasant zunehmen. Doch jeder von uns hat es selbst in der Hand, sein Erkrankungsrisiko zu senken. Je früher man seinen Lebensstil optimiert, desto größer die Wahrscheinlichkeit, bis ins hohe Alter geistig fit zu bleiben.


Foto: Can Stock Photo Inc. - victor4

Mehr als 120.000 demenzerkrankte Menschen sind in Österreich zu verzeichnen – Tendenz stark steigend. Da die Menschen immer älter werden und Demenz vor allem im hohen Alter auftritt, wird die Zahl der Patienten im Jahr 2050 auf 280.000 geschätzt. Je älter der Mensch wird, desto größer ist sein Demenzrisiko. „Es scheint wahrscheinlich, dass jeder Mensch Symptome von Demenz entwickelt, wenn er nur alt genug wird. Eine Hypothese besagt, dass man mit 120 Lebensjahren kaum von Demenz verschont bleibt und in den letzten Lebensjahren entsprechende Beschwerden entwickelt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Peter Dal-Bianco, Präsident der Österreichischen Alzheimer-Gesellschaft.

Was ist Demenz? Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, die das Denkvermögen, die Erinnerung, aber auch die Orientierung, Konzentration und Sprache angreifen und nach und nach zerstören. Aber auch das Verhalten der Patienten ändert sich. Nicht nur Verwirrtheit und Vergesslichkeit treten auf, Patienten können auch zornig, ruhelos, niedergeschlagen und depressiv werden. Schlafstörungen und Wahnvorstellungen können sich ebenfalls einstellen. Es gibt viele Arten von Demenz, die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz („Alzheimer“). Dabei handelt es sich um eine langsam fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Die neuropathologischen Hirnveränderungen finden im Verborgenen statt, und erst nach 20 bis 30 Jahren zeigen sich erste klinische Symptome wie etwa die zunehmende Vergesslichkeit im Alltag. Ob eine Demenzsymptomatik klinisch tatsächlich auftritt, hängt sowohl von unbeeinflussbaren Faktoren als auch vom Lebensstil ab. Unbeeinflussbare Risikofaktoren sind die genetische Veranlagung, hohes Alter und Geschlecht (Frauen sind häufiger betroffen als Männer, das Verhältnis liegt bei 2:1). Beeinflussbare Faktoren sind „Krankheitstreiber“, die durch den Lebensstil jedes Einzelnen abgeschwächt werden können.Prävention ist bei Demenz das Um und Auf, weil Therapien nicht heilen, sondern nur die Symptome lindern können. Im Folgenden werden jene Aktivitäten angeführt, die das klinische Alzheimer-Risiko senken. All diese Maßnahmen wirken aber nicht nur positiv auf das Gehirn, sondern darüber hinaus auch auf das Herz-Kreislauf-System.

Geistig aktiv sein. Geistige Aktivität und Neugierde wirken präventiv. Gehirnzellen können sich ein Leben lang neu verschalten. Denkarbeit produziert neuronale Verknüpfungen und Botenstoffe und führt zu Neubildungen von Synapsen (Nervenkontaktstellen). „Wer neugierig lebt und es im Alter auch bleibt, hat nicht nur mehr vom Leben, er schützt dadurch auch sein Gehirn“, sagt Dal-Bianco. Und „Denkarbeit“ kann durchaus angenehm sein: Laut Studien sind folgende Tätigkeiten nicht nur vergnüglich, sondern auch vorbeugend wirksam: Brettspiele, Kreuzworträtsel lösen, Musikinstrumente spielen, Bücher lesen. Oder man lernt eine Sprache oder übt auf der Spielkonsole Geschicklichkeit. All das verschafft dem Gehirn im Lebensverlauf eine neuronale Reserve und kann den Krankheitsausbruch zumindest hinauszögern.

Alzheimer davonlaufen. Ein bewegter Körper macht auch den Geist beweglich. Die Nervenzellen erhalten Wachstums-impulse und verknüpfen sich besser, die Durchblutung des Gehirns steigt. „Es besteht ein Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung im mittleren Lebensalter und späterem klinischem Alzheimerbeginn. Menschen, die sich kaum bewegen, haben gegenüber sportlich aktiven Menschen ein um 80 (!) Prozent erhöhtes Risiko für Alzheimer. Wer sich viel bewegt, kann den klinischen Ausbruch der Erkrankung hinausschieben“, erklärt Prof. Dal-Bianco. Empfohlen werden z. B. Tanzen, Wandern und Schwimmen.

Ernährung. Was wir regelmäßig essen, hat auch Einfluss auf unser Gehirn. Es ist erwiesen, dass manche Nahrungsmittel das Gehirn vor kognitiven Beeinträchtigungen schützen. Vor allem der regelmäßige Konsum von Obst, Gemüse und Fisch wirkt sich positiv aus. Wichtig sind hier vor allem die Omega-3-Fettsäuren, die sich in Fischen wie Makrele, Sardine, Lachs und Thunfisch sowie in pflanzlichen Ölen finden. Empfehlenswert ist die sogenannte „Mittelmeer-Diät“, die keine Diät, sondern eine Ernährungsform ist. Sie schmeckt nicht nur, ihr werden auch schützende Eigenschaften zugesprochen. Diese Ernährung setzt sich aus einem hohen Anteil an Obst, Gemüse, Fisch, Hülsenfrüchten und Getreide zusammen. Dagegen gibt es nur wenig tierische Lebensmittel (Milch- und Fleischprodukte). Olivenöl ersetzt weitgehend tierische Fette.

Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln. Bei Nahrungs-ergänzungsmitteln fehlt ein Wirkungsnachweis für die Demenzvorsorge. „Ob z. B. in Kapseln abgefülltes Omega-3-Fischöl denselben positiven Effekt wie das Essen von Fisch hat, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Für künstliche Nahrungsergänzungsmittel gibt es keinen gesichert positiven Effekt auf das Denkvermögen. Die hoch dosierte Einnahme von Vitamin E scheint sogar das Risiko für Herz- und Lebererkrankungen zu erhöhen. Auch für die Vitamine C, B1, B6 und B12 fehlen eindeutige Wirkungsnachweise. Das trifft auch auf das Hormon DHEA, die Alpha-Liponsäure und die Folsäure zu. Als Demenz-Vorsorge nicht zu empfehlen sind auch Medikamente wie Cholinesterase-Hemmer, Hormonersatztherapien, NSAR und Statine, denn es fehlen wissenschaftlich nachgewiesene Evidenzen“, so Prof. Dal-Bianco.

Sozial aktiv bleiben. Es ist wichtig, sich auch im Alter nicht zurückzuziehen, sondern weiter aktiv am Leben teilzunehmen. Wer viel mit anderen Menschen spricht, sich sozial (in Vereinen etc.) engagiert, der gibt dem Leben nicht nur einen Sinn, sondern betreibt auch Alzheimer-Vorsorge.

Prävention entscheidend. Präventionsmaßnahmen helfen dabei, den Ausbruch der Erkrankung zumindest zu verzögern. „Wenn man den klinischen Ausbruch der Erkrankung um nur fünf Jahre verschieben könnte, würde man die Anzahl der Demenzpatienten weltweit halbieren“, veranschaulicht Prof. Dal-Bianco das große Potenzial der Lebensstilmaßnahmen, die jeder von uns selbst in der Hand hat. Vor allem Prävention im mittleren Lebensalter ist entscheidend für eine möglichst lange Gesundheit. Das große Problem in der Praxis ist, dass sich Menschen zwischen 30 und 55 Jahren viel zu wenig um ihre Gesundheit kümmern und für sie eine mögliche Demenz oft kein Thema ist. Also: Jeder von uns hat es selbst in der Hand, das Risiko einer Demenzerkrankung zu verringern. Je früher, desto größere Erfolge können erzielt werden. Es ist aber nie zu spät, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Wer bis ins hohe Alter geistig und körperlich und auch sozial aktiv bleibt, hält damit seine grauen Zellen in Schwung und kann damit den Ausbruch von Demenz verzögern oder gar verhindern.

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