Sonntag, 22. September 2019

Geistig fit bis ins hohe Alter

Ausgabe 09.2014
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Wir wollen alt werden – und das geistig fit! Wie das geht? Durch effizientes Gehirntraining, körperliche Fitness und seelische Balance. Und das ist gar nicht so schwer …


Foto: © Can Stock Photo Inc. - diego cervo

Der Wecker läutet. Wir springen auf. Während des Frühstücks werden im Internet das Wetter und die wichtigsten Online-Nachrichten überflogen, zum nächsten Termin, an den uns der Smartphone-Kalender erinnert, steigen wir ins Auto, tippen die Zieladresse ins Navigationsgerät ein und erreichen mittels Schnellzugriffstaste und Freisprechanlage den Firmenkollegen. Wieder im Büro angelangt, starten wir den Computer, lassen die letzten Stunden dank Diktiergerät und Digitalkamera Revue passieren und bestellen uns danach via Online-Dienst das Mittagessen. – Mittlerweile gibt es so viele technische Hilfsmittel, die uns den Alltag erleichtern, aber leider dazu führen, dass wir immer bequemer werden. Nicht bloß körperlich, sondern auch geistig: Unser Gehirn fühlt sich oft unterfordert, weil es nicht ausreichend trainiert wird. Wir werden vergesslicher, unkonzentrierter und schieben diese unerfreulichen Konsequenzen dem zunehmenden Alter in die Schuhe.

Drei Säulen geistiger Fitness. Doch so einfach ist es! Wissenschafter gehen zwar davon aus, dass sich mit fortschreitendem Alter die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verlangsamt, betonen aber die lebenslange Flexibilität unseres Gehirns, die es uns ermöglicht, Alterungsprozessen entgegenzuwirken. „Man kann sich durchaus bis ins hohe Alter ein gutes Gedächtnis bewahren. Unsere Gehirnentwicklung ist aber aktivitätsabhängig. Nach dem Prinzip ,Use it or lose it‘ werden Nervenzellen und deren Verbindungen abgebaut, wenn wir sie nicht nützen, während aktive Verbindungen zusätzlich verstärkt werden“, erklärt Dr. Katharina Turecek, Leiterin des Instituts für Gehirntraining in Wien. Somit verändert sich die Struktur unseres Gedächtnisses, das man sich wie ein dichtes Fischernetz aus Nervenzellen und -fasern vorstellen kann, stetig. Wissen, das ständig gebraucht wird, bleibt länger erhalten, als jenes, worauf nicht so oft zurückgegriffen wird. Um wichtige Nervenverbindungen zu erhalten und neue Synapsen zu bilden – ja, auch das ist im Alter noch möglich –, müssen regelmäßig Anreize geboten werden. Das tägliche Kreuzworträtsel reicht allein aber nicht aus, um effektives Gehirnjogging zu betreiben. Turecek: „Geistige Fitness beruht auf drei Säulen: Gehirntraining, körperliche Fitness und seelisches Wohlbefinden.“

Tipps für Ihr tägliches Gehirnjogging im Alltag
  1. Suchen Sie sich ein anspruchsvolles Hobby! Lernen Sie ein neues Musikinstrument, gehen Sie tanzen, besuchen Sie (Sprach-)Kurse an Volkshochschulen oder spielen Sie Schach.
  2. Fordern Sie sich heraus! Setzen Sie sich mit einem neuen technischen Gerät auseinander, reparieren Sie etwas oder planen Sie einen Ausflug an einen Ort, an dem Sie länger nicht mehr waren.
  3. Rechnen Sie im Kopf! Schätzen Sie die Rechnungssumme im Supermarkt, noch bevor Sie an der Kassa bezahlen. Prüfen Sie andere Rechnungen im Kopf nach. Das trainiert Ihr Arbeitsgedächtnis.
  4. Erinnern Sie sich an Ihre Träume! Versuchen Sie sich noch vor dem Aufstehen an Ihren Traum und die damit assoziierten Emotionen zu erinnern. Halten Sie Notizen davon fest.
  5. Merken Sie sich Rezipiertes! Vergessen Sie auch ab und zu den zu Hause verfassten Einkaufszettel und erinnern Sie sich im Supermarkt an das Benötigte.


Weitere Tipps finden Sie im Buch „Geistig fit – ein Leben lang“ von Dr. Katharina Turecek (Hubert Krenn Verlag)

Kluge Köpfe brauchen Abwechslung. Gehirnjogging ist erst dann sinnvoll, wenn es unser Hirn vor neue Herausforderungen stellt. Der Schwierigkeitsgrad von Denksportaufgaben, die Computerprogramme o. ä. vorgeben, sollte beispielsweise variabel bleiben. Ansonsten wird man zwar – aufgrund von Automatismen – immer flotter sein tägliches Sudoku lösen, muss dabei seine grauen Zellen aber immer weniger anstrengen. Das Zauberwort lautet somit „Abwechslung“. „Damit unser Gehirn seine volle Leistungsfähigkeit behält, müssen wir seine Fähigkeiten aktiv nutzen. Besonders wirkungsvoll ist Gedächtnistraining, das man in seinen Alltag integriert“, so Turecek. Übertreiben Sie es aber nicht, indem Sie versuchen, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Denn auch wenn wir es oft nicht wahrhaben wollen: Unser Gehirn ist prinzipiell nicht auf Multitasking ausgelegt. Es ist nur dann möglich, wenn wir zumindest eine Fähigkeit bereits automatisiert haben. „So können wir beispielsweise gehen und gleichzeitig sprechen, aber nicht konzentriert ein Buch lesen und uns nebenbei unterhalten“, erläutert Turecek.

Schritt für Schritt schlauer. Auch Sport wirkt sich positiv auf unser Gehirn aus. „Systematisch angelegte Studien bestätigen, dass körperliche Aktivität die kognitiven Gehirnfunktionen in jedem Lebensalter positiv beeinflusst“, weiß Sportpädagoge Ao.Univ.-Prof. MMag. Dr. Konrad Kleiner vom Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport der Universität Wien. „Durch moderate Bewegung lassen sich neuroplastische Veränderungen des Gehirns erzielen.“ Die Korrelation zwischen Nervenzellneubildung und Sport lässt sich u. a. durch die verbesserte Sauerstoffzufuhr und den optimierten Blutfluss, der Nährstoffe besser transportiert, erklären. Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren, Wandern oder Gehen – am besten dreimal pro Woche für ca. 45 Minuten – eignen sich idealerweise, um unsere Hirnzellen in Schwung zu halten. „Auf Platz 1 rangiert aber unangefochten das Spazierengehen, das nachweislich die Neubildung von Nervenzellen fördert“, betont Turecek. „Nehmen Sie sich beispielsweise vor, täglich 5.000 bis 10.000 Schritte zurückzulegen, und prüfen Sie dieses Ziel mit einem Schrittzähler.“ Während eines Spaziergangs können Sie außerdem Ihre Sinne schärfen, indem Sie bewusst Reize aus Ihrer Umgebung wahrnehmen. Achten Sie darauf, was Sie sehen, hören oder riechen. Unterhalten Sie sich darüber vielleicht mit einem Freund oder einer Freundin, der/die Sie begleitet. Ihren grauen Zellen wird dieses Training gefallen und es Ihnen mit einer verbesserten Merk- und Konzentrationsfähigkeit danken.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Geistig fit bis ins hohe Alter
Seite 2 Achten Sie auf Brainfood

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