Donnerstag, 21. Februar 2019

Gefahr! Kristalle in unseren Arterien!

Ausgabe 2017.11

Neue Studien zeigen, dass sogenannte Cholesterinkristalle großen Schaden im Körper anrichten können: Sie verstopfen als Bestandteil von Plaques unsere Arterien. Die Forschung arbeitet an neuen Therapien. Aber auch wir selbst können einiges gegen diese Gefahr tun.


Foto: iStock - HYWARDS

iele Fakten zu Cholesterin sind bekannt: Man unterscheidet das „gute“ HDL-Cholesterin vom „bösen“ LDL-Cholesterin und bemüht sich, durch gesunde Lebensführung, Sport und ausgewogene Ernährung den ersten Wert möglichst hoch und den zweiten – unter anderem durch bestimmte Medikamente – möglichst gering zu halten. Denn: Ein hoher LDL-Wert im Blut gilt neben anderen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Rauchen als hauptverantwortlich für Österreichs Todesursache Nummer 1: Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. In den letzten Jahren sorgte Cholesterin aber auch in einer dritten Variante für Schlagzeilen – in Form von Kristallen. Das jüngste Beispiel lieferten Wissenschafter und medizinische Experten der Michigan State University, die das Vorhandensein von Cholesterinkristallen als sicheres Zeichen für einen kurz bevorstehenden Herzinfarkt werten. Das Forscherteam hatte unter der Leitung des Medizinprofessors Dr. George S. Abela Herzinfarkt-Fälle von mehr als 240 verschiedenen Notaufnahmen untersucht und bei 89 Prozent aller Untersuchten dieses verhärtete Cholesterin entdeckt.

Auslöser von Arteriosklerose. Die Kristalle entstehen, wenn sich Cholesterin von seiner flüssigen in eine feste Form verwandelt. Die Gefahr: Solche kristallinen Ablagerungen sind ein besonders problematischer Bestandteil sogenannter Plaques. „Brechen diese Ablagerungen in den Arterien auf, werden blutgerinnungsfördernde Substanzen frei, die in Form eines Blutgerinnsels zum Verschluss der Arterie und schließlich zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können“, erklärt Prof. Dr. Eicke Latz vom Institut für Angeborene Immunität der Universität Bonn. Der Immunologe erforscht schon seit vielen Jahren das Vorkommen von Cholesterinkristallen. „Grundsätzlich ist Cholesterin ein nützlicher Bestandteil vieler unterschiedlicher Membranen. Cholesterinkristalle können jedoch großen Schaden im Körper anrichten“, so Latz. „Lange Zeit war man der Meinung, dass dieses verhärtete Cholesterin erst ein spätes Kennzeichen von Arteriosklerose ist.“ Latz konnte mit seinem Team jedoch anhand einer Studie nicht nur zeigen, dass die Cholesterinkristalle zu dieser umgangssprachlich als Arterienverkalkung bezeichneten Gefäßerkrankung beitragen, sondern dass sie neben gefährlichen Verstopfungen der Arterien auch zu lebensgefährlichen Entzündungen der Arterienwände führen können.

Entzündung als Überreaktion. Die Ursache dafür ist eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems, die bereits von der Gicht bekannt ist. „Bei Gicht reizen Harnsäurekristalle in den Gelenken die Immunzellen, bei der Arteriosklerose sind es unter anderem die Cholesterinkristalle. Das überforderte Immunsystem reagiert in beiden Fällen mit Entzündungsherden im Körper“, so Latz. Die Überreaktion basiert darauf, dass Cholesterinkristalle, ähnlich wie Harnsäurekristalle, einen bestimmten Rezeptorkomplex des angeborenen Immunsystems aktivieren können. Dieser Rezeptor namens NLP R3 Inflammasom erkennt neben Cholesterinkristallen auch Asbestkristalle, Feinstaub oder Ablagerungen im Gehirn, die bei Alzheimer entstehen, als Gefahrensignal und löst eine Immunreaktion als Abwehrstrategie aus. Die Folge ist die gesteigerte Produktion von Entzündungsmolekülen – im diesen Fällen ist dies Interleukin-1 Beta.

Forschung sucht neue Therapiemöglichkeiten. Ziel der Forschung ist es nun, eine Behandlungsmethode zu finden, die die Kristalle im Körper auflöst oder den Abtransport des Cholesterins im Blut fördert, um Ablagerungen erst gar nicht entstehen zu lassen. Ausgerechnet ein besonderer Zucker lieferte dabei gute Untersuchungsergebnisse – genauer der ringförmige Zucker Cyclodextrin. Mit einem internationalen Forscherteam aus Deutschland, den USA, Norwegen, Australien und Schweden konnten die Wissenschafter am Universitätsklinikum Bonn anhand einer Studie an Mäusen zeigen, dass Cyclodextrin die Zellen offenbar umprogrammiert und so zu einem besseren Abtransport von überschüssigem, kristallinem Cholesterin und zugleich zum Abklingen der Entzündungen in den Blutgefäßen führt. Während die Forschung an einer Weiterentwicklung von Cyclodextrin arbeitet, um es als Medikament zur Behandlung von Arteriosklerose einsetzen zu können, setzt die von Pharmakonzern Novartis unterstützte CANTOS-Studie den Fokus auf eine anti-entzündliche Therapie. Sie soll bei Hochrisiko-Patienten die Gefahr, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere tödliche Herz-Kreislauf-Probleme zu erleiden, senken. Über einen Zeitraum von 6 Jahren haben sich mehr als 10.000 Patienten weltweit an CANTOS beteiligt. Nach vorläufigen Ergebnissen reduziert der darin getestete Antikörper Canakinumab das relative Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen um rund 15 Prozent.
Doch auch der Mensch selbst hat abseits von Ergebnissen aus der Wissenschaft die Möglichkeit, vorbeugend etwas für seine Herz-Kreislauf-Gesundheit zu tun: „Durch gesunde Ernährung, Bewegung und den Verzicht auf Nikotin“, rät Latz.

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