Freitag, 24. Mai 2019

Gefährliche Verbindungen

Ausgabe 2018.10
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Grapefruitsaft ist gesund – doch in Kombination mit diversen Medikamenten fatal. Kalzium stärkt die Knochen, aber schwächt die Wirkung so mancher Arznei. Selbst „Superfood“ wie die Goji-Beere kann zur Gefahr werden. GESÜNDER LEBEN klärt auf, welche Kombinationen aus Lebensmitteln und Medikamenten Sie meiden sollten.


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Hand aufs Herz: Wie oft lesen Sie den Beipackzettel vor der Einnahme von Medikamenten? Und halten Sie sich wirklich an die Empfehlungen – etwa ein Medikament vor dem Frühstück, zum Essen, mit viel Wasser einzunehmen? Es reicht doch, sich an die regelmäßige Einnahme zu halten, oder etwa nicht? „Nein“, warnt Mag. pharm. Monika Wolfram, Apothekerin und stv. Leiterin der Pharmazeutischen Abteilung der Österreichischen Apothekerkammer. „Die Informationen, wie ein Medikament eingenommen werden soll, sind genauso wichtig wie jene Hinweise, wie ein Medikament nicht eingenommen werden soll.“ In Kombination mit bestimmten Lebensmitteln etwa. Denn diverse Verbindungen können ernste Folgen für die Gesundheit haben: Die Wirkung kann geschwächt, die Nebenwirkung verstärkt und die Konzentration eines Wirkstoffes im Blut erhöht oder die Aufnahme der Inhaltsstoffe blockiert werden. Monika Wolfram erläutert in GESÜNDER LEBEN die wichtigsten gefährlichen Verbindungen.

Goji-Beere und Blutverdünner
Seit ein paar Jahren ist sie buchstäblich in aller Munde: Die chinesische Wolfsbeere, besser bekannt als Goji-Beere, avancierte als sogenanntes „Superfood“ zur kleinen roten Wunderfrucht, die nicht nur das Immunsystem stärken, sondern auch als natürliches Anti-Aging-Mittel wirken soll. Weniger bekannt: Die Beere kann für jene, die gleichzeitig bestimmte blutverdünnende Medikamente einnehmen, ernste Folgen haben. „Patienten, die mit Blutgerinnungshemmern aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten behandelt werden, sollten auf den Verzehr der Goji-Beere verzichten“, rät Wolfram. „Denn ihre Inhaltsstoffe können den Abbau dieser blutverdünnenden Arzneimittel verzögern und dadurch ihre Wirkung verstärken. Die mögliche Folge: schwere Blutungskomplikationen.“ Die Expertin berichtet von einer 77-jährigen Patientin, die ein solches Blutverdünnungsmittel und über Wochen gleichzeitig rund 30 Goji-Beeren täglich einnahm. Sie musste schließlich mit schweren Hämatomen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Johanniskraut und die Antibabypille
Johanniskraut wird zur Behandlung von seelischen Verstimmungszuständen angewendet. „In der Fachinformation sind zahlreiche mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beschrieben. Johanniskraut kann u. a. die Sicherheit der Pille als Empfängnisverhütung herabsetzen.  Bei der gleichzeitigen Einnahme werden daher zusätzliche Verhütungsmittel empfohlen“, so Wolfram. „Johanniskraut kann aber auch den Abbau bestimmter Arzneimittel herbeiführen und somit ebenfalls zu einem Wirkungsverlust führen.“ Besondere Vorsicht ist bei Einnahme von Johanniskraut-Präparaten im Sommer geboten: „Insbesondere bei hellhäutigen Personen ist aufgrund des Inhaltsstoffes Hypericin eine Fotosensibilisierung möglich – vermeiden Sie deshalb übermäßige Sonneneinstrahlung und verwenden Sie ausreichend hohen Sonnenschutz“, rät die Apothekerin.

Kalzium, Magnesium, Eisen (polyvalente Kationen) und Antibiotika
Kalzium, Magnesium und Eisen kommen in Nahrungsergänzungsmitteln, Nahrungsmitteln wie Milchprodukten oder mineralstoffhältigen Getränken, aber auch in Arzneimitteln vor. So wird Kalzium beispielsweise zur ergänzenden Osteoporose-Therapie eingesetzt. Magnesium kommt oft bei Wadenkrämpfen zum Einsatz. Oder Eisen, das in Kapsel- oder flüssiger Form gegen Müdigkeit und Erschöpfungszustände geschluckt wird. Doch diese Inhaltsstoffe – auch Aluminium und Zink zählen dazu – können mit den Wirkstoffen verschiedener Medikamente Verbindungen eingehen, die schwer löslich sind und zu Komplikationen führen können. „Diese schwer löslichen Verbindungen können dazu führen, dass die Aufnahme des Arzneimittels im Körper verringert wird“, so Wolfram. Die mögliche Folge?  Wirkverminderung bis Wirkungsverlust von bestimmten Medikamenten. „Kalzium kann beispielsweise die Aufnahme von Wirkstoffen wie Eisen verringern. Halten Sie deshalb bei der Einnahme mindestens einen Abstand von zwei Stunden ein“, rät die Expertin. Eisenpräparate sollten am besten eine Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden. „Die Aufnahme des Eisens im Körper ist an die Säure des Magensaftes gebunden. Das bedeutet, je unverdünnter ich es zu mir nehme, desto besser ist die Aufnahme.“ Am besten eignet sich übrigens Orangensaft zur Einnahme, denn: „Vitamin C erhöht die Aufnahme des Eisens zusätzlich.“ Es gibt bestimmte Antibiotika, die nicht gleichzeitig mit Milchprodukten oder mit Mineralstoffen angereicherten Getränken eingenommen werden sollen. „Ganz auf diese Nahrungsmittel verzichten muss man aber nicht“, so die Apothekerin. „Nehmen Sie polyvalente Kationen – wie z. B. Kalzium – entweder 1 bis 2 Stunden vor oder mindestens 4 Stunden nach der Einnahme des Antibiotikums zu sich.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gefährliche Verbindungen
Seite 2 Kalzium und Schilddrüse

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