Donnerstag, 19. September 2019

Gänsefingerkraut gegen Schmerz

Ausgabe 06.2014

Manchmal hat Neugier langwierige Folgen. So war es reine Neugier, die mich dazu veranlasste, vor etlichen Jahren ein paar Gänseküken zu erwerben.


Foto: Adolf Blaim

Wer mich ein wenig kennt, weiß um meinen Hang zur Ornithologie. Schon seit früher Kindheit begeisterte mich das fliegende und befiederte Volk. Aber Gänse hatte ich damals noch nicht. In früheren Zeiten jedoch war es gang und gäbe, in dörflichen Siedlungen die schnatternden Federlieferanten zu halten. Am Anger nahe den kleinen Bächen fanden sie genug Grünzeug, um sich davon zu ernähren. Wenn auch diese Idylle vielerorts der Vergangenheit angehört, so erinnert doch noch ein Kraut an diese Zeiten des Gänsehütens.

Ganz bescheiden und still steht es im Gras. Ich pflücke das besagte Gewächs, während ich beim Spaziergang kurz stehen bleibe, und halte es in der Hand. Es ist ein Gänsefingerkraut, auch Anserine genannt. Jedes einzelne Blatt davon besticht durch seine ästhetische Komposition, die der Schöpfer da hineingelegt hat. Mich leitet das Gänsefingerkraut mit seinen zart gefiederten Trieben dazu an, wieder ein wenig demütiger zu werden. Mit all unserer Wissenschaft und Technik, mit all den Fertigkeiten, die dem Homo sapiens eigen sind, schaffen wir es doch nicht, die Schönheit derart vollendet zu entwerfen und umzusetzen, wie sie eben draußen vor der Haustür einfach wächst und gedeiht. Und wenn ich noch mehr nachsinne, fällt mir ein, dass ich ja gar nicht so perfekt sein muss wie der liebe Gott persönlich. Ich darf vielmehr all das, was mir ins Auge springt und wovon ich angetan bin, als von Ewigkeit her auserkorenes Geschenk für mich annehmen. So brauche ich nicht verkrampft das Leben ganz neu erfinden. Ich darf ruhig und locker werden. Und einen geschärften Blick dafür haben, das Leben ganz einfach vorzufinden.

Schönwetter ist die beste Zeit, um das blühende Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) zu ernten und im Halbschatten behutsam zu trocknen. Danach werden die Blätter klein geschnitten und gut verschlossen aufbewahrt.

Ein Tee daraus, im Heißaufguss zubereitet, kann mithelfen, um Sehnen- und Muskelschmerzen zu lindern. Am besten trinkt man je eine Schale davon in der Früh und am Abend – und das drei Wochen lang.
Die bescheidene Anserine zählt unter den wild vorkommenden Heilkräutern zu den sogenannten Kulturfolgern. Obwohl sie ihren angestammten Platz auf den Wiesen anscheinend genießt, ist sie sich selbst nicht zu schlecht, um auch entlang viel befahrener Straßen ihre Wurzeln in den Boden zu treiben. Durch ihr robustes Wesen vermag sie sich auch an unwirtlichen Standorten zu behaupten.

Weitere Informationen:
Kräuterpfarrer-Zentrum
3822 Karlstein/Thaya
Tel.: 02844/7070-11 oder -31
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
www.kraeuterpfarrer.at

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information