Donnerstag, 24. Oktober 2019

Früchtchen mit Nebenwirkung

Ausgabe 2019.05
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Marmeladen, Smoothies oder Trockenfrüchte schmecken herrlich, sind aber mitunter nichts für Menschen, denen Fruchtzucker nicht bekommt. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie eine Fruktoseunverträglichkeit erkennen und sich ein Alltag mit ihr meistern lässt.


Foto: iStock-Urilux

Etwa jeder dritte Österreicher verträgt keinen Fruchtzucker – und leidet je nach Ausprägung an unterschiedlichen Symptomen. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen oder Übelkeit. Sie sind sehr häufig auf einen gestörten Transportvorgang von Fruchtzucker (Fruktose) aus dem Dünndarm in den Blutkreislauf – die „Fruktosemalabsorption“ – aber nur sehr selten auf einen angeborenen genetischen Defekt eines Leberenzyms – die „hereditären (erblichen) Fruktoseintoleranz“ – zurückzuführen. „Bei mangelhaft vorhandenen oder geschädigten Transportproteinen verbleibt der nicht aufgenommene Fruchtzucker im Dünndarm und wird von hier aus weiter in Richtung Dickdarm weitergeleitet“, so Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Harald Vogelsang, Leiter des Bereichs für Funktionsdiagnostik der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Wiener AKH. „Dort findet ein Vergärungsprozess statt, der bestimmte Darmgase entstehen lässt und zu den typischen unangenehmen Unverträglichkeitsbeschwerden führt.“ Während bei einer hereditären Fruktoseintoleranz völlig auf Fruchtzucker verzichtet werden muss, um zum Beispiel schweren Leberschäden und Hypoglykämien vorzubeugen, gestaltet sich das Leben mit einer Fruktosemalabsorption wesentlich entspannter: Wie bei der Laktoseunverträglichkeit (siehe GESÜNDER LEBEN 4/2019) zeigen sich hier zwei verschiedene Erscheinungsbilder: die primäre, vermutlich genetisch bedingte (und weitaus häufigere) Form der Fruktosemalabsorption sowie die sekundäre Ausprägung, die beispielsweise Folge einer akuten Erkrankung des Dünndarms sein kann – und wieder verschwindet, sobald der jeweilige Auslöser erfolgreich behandelt wurde.

Achtung, Fruktose!

Achten Sie beim Kauf von (Fertig-)Produkten auf folgende Inhaltsstoffe, die für Menschen mit Fruktoseintoleranz nicht oder wenig geeignet sind:

  • Fruktose, Fruchtzucker
  • Fruktosesirup
  • Honig
  • Invertzucker (-creme)
  • Isomalt (E953)
  • Maisstärkesirup
  • Maltit (E965)
  • Mannit (E421)
  • Sorbit (E420)

Lassen Sie sich austesten!
Wer gerne zu Obst und Gemüse greift und unter immer wiederkehrenden Magen-Darm-Beschwerden leidet, könnte möglicherweise unter einer Fruktoseunverträglichkeit leiden. „Gewissheit schafft ein Wasserstoffatemtest, bei dem nach der Einnahme einer Fruchtzuckerlösung – einer Mixtur aus Wasser und 25 Gramm Fruktose – der Wasserstoffgehalt in der Atemluft gemessen wird. Das Ergebnis liefert Rückschlüsse auf die Fruktoseverwertung“, so Vogelsang. Einen genetischen Test gibt es bislang nicht, da die genauen Hintergründe der Fruktosemalabsorption nicht bekannt sind. Sollte sich Ihr Verdacht bestätigen, können Sie dennoch beruhigt sein: Eine Fruktoseunverträglichkeit ist keine Erkrankung. Vielmehr handelt es sich um eine singuläre Verdauungsstörung, deren Beschwerden durch eine entsprechende Diät in den Griff zu bekommen sind. Auch der oftmals beschriebene Zusammenhang zwischen einer Fruktoseunverträglichkeit und dem Auftreten von Depressionen wird nur vermutet, ist aber wissenschaftlich nicht bewiesen. „Vielmehr darf man nicht vergessen, dass stark symptomatische Personen mitunter auch am sogenannten Reizdarmsyndrom leiden. 60 Prozent dieser Menschen haben wiederum Angstzustände bzw. depressive Verstimmungen. Viele Malabsorber sind daher depressiv, weil dies häufiger beim gereizten Darm so auftritt“, erläutert Vogelsang.

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