Samstag, 16. Februar 2019

Frischluft-Kick gefällig?

Ausgabe 2016.02

Gereizt, gerötet und gestresst: Trockene Raumluft macht Haut, Augen und Immunsystem gerade in den Wintermonaten zu schaffen. GESÜNDER LEBEN zeigt, was Sie dagegen tun können.


Foto: diego cervo - canstock photo

Es passiert etwa 14-mal pro Minute, 20.000 Mal am Tag und 500 Millionen Mal während eines Lebens: Atmen ist so selbstverständlich, dass wir seine begleitende Anwesenheit gar nicht bemerken. Dennoch: Luft ist unsere Lebensquelle. Wir könnten knapp 30 Tage ohne feste Nahrung, 3 Tage ohne Flüssigkeitsaufnahme, aber durchschnittlich nur 3 Minuten ohne Atemluft überleben. Sämtliche Organe benötigen Sauerstoff, um auf Trab gehalten zu werden bzw. die Energie aus den Nährstoffbausteinen zu verwerten. Entscheidend ist dabei beste Luftqualität, die aus dem idealen Zusammenspiel von Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Sauerstoffgehalt, Luftbewegung und Luftionenkonzentration resultiert. In den Wintermonaten ist es allerdings oft schwierig, ein optimales Raumklima zu gewährleisten. Das folglich weitverbreitete Problem: trockene Luft. „Darunter versteht man den relativen Luftfeuchtigkeitswert, der unter der Behaglichkeitsgrenze von 40 Prozent liegt“, erklärt Mag. Thomas Schlatte, Umweltexperte und Mitinitiator der unabhängigen Plattform „Meine Raumluft“. Negative Faktoren sind – gerade während der Heizperiode – ein falsches Lüft- und Heizverhalten. „Die warme Heizungsluft kann durch die trockene Außenluft, die beim Lüften eingelassen wird, nicht mit ausreichend Feuchtigkeit angereichert werden. Denn: Kalte Luft kann wesentlich weniger Wasserdampf aufnehmen als warme Luft“, so Schlatte. Sensiblen Menschen kann das wahrlich zu schaffen machen – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass trockene Luft auch mehr Staubpartikel durch die Raumluft schwirren lässt. Die unerfreuliche Folge: Haut- und Augenreizungen, Nasenbluten, Infektionen der Atemwege inklusive Reizhusten oder Halsschmerzen. „Mit sinkender Luftfeuchtigkeit trocknen zudem die Schleimhäute aus, wodurch sie empfänglicher für das Ansiedeln von Viren und Bakterien sind und zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionskrankheiten führen“, erläutert Dr. Wolfgang Werner, Obmann der Sektion Allgemeinmedizin der Ärztekammer Wien. Darüber hinaus drohen neben der Austrocknung – bei entsprechender Neigung – Allergieschübe. So weit, so ungut, doch die gute Nachricht lautet: Trockener Luft ist man nicht hilflos ausgesetzt. Wer bereits kleine Verhaltensmuster ändert, kann das Raumklima entscheidend verbessern.

Behalten Sie den Überblick. Mittels Hygrometer, die inzwischen preislich für jedermann erschwinglich sind, kann die Luftfeuchtigkeit eines Raumes gemessen werden. „Idealerweise liegt sie – bei einer Temperatur von 19° C bis 22° C – zwischen 40 und 60 Prozent“, weiß Schlatte.

Lüften Sie richtig. Für eine optimale Luftfeuchtigkeit spielt regelmäßiges Lüften eine entscheidende Rolle. „In den Wintermonaten empfiehlt es sich, die Räume nicht zu überheizen und nur kurz stoßzulüften“, empfiehlt Schlatte. Mindestens drei- bis viermal täglich sollten die Fenster eines Raumes für etwa 5 bis 10 Minuten komplett geöffnet werden. Die Fenster in der kalten Jahreszeit nur zu kippen, ist kontraproduktiv, weil dadurch ein vollständiger Luftaustausch viel zu lange dauert, zudem die Wände auskühlen und damit ein Energieverlust sowie eine erhöhte Gefahr für Schimmelbildung drohen.

Optimieren Sie die Luftfeuchtigkeit. Wassergefüllte (Ton-)Gefäße können zwecks Verdampfung auf den Radiator gestellt werden, um die Luftfeuchtigkeit zu regulieren und das Raumklima – zumindest ein wenig – zu verbessern. „Um der Keimbildung vorzubeugen, muss das Wasser allerdings regelmäßig gewechselt und der Behälter gereinigt werden“, betont Schlatte. Von nassen Handtüchern auf Heizkörpern rät der Experte ab, da sie „den Heizkörper meist komplett abdecken, dadurch die Wärmeleistung um bis zu 20 Prozent reduzieren und sich der gewünschte Effekt in Grenzen hält. Schließlich ist die Restfeuchte zu gering, um die Luftfeuchtigkeit dauerhaft zu erhöhen.“ Prinzipiell besser: Die Wäsche zum Trocknen auf einen Ständer im Zimmer aufhängen. So wird kurzfristig eine hohe Verdunstung erzielt.

Wählen Sie natürliche Baustoffe. Mineralische Baustoffe wie Ziegel, Ton, Sand oder Kalkstein und Bindemittel wie Zement, Gips oder Lehm gehören zu den sogenannten diffusionsoffenen Materialien und sind – v. a. in der Küche oder im Badezimmer – zu bevorzugen, da sie überschüssige Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und wieder abgeben können. Diese selbstregulierenden Produkte mit Pufferpotenzial sind besonders für Wand- und Deckenputze zu empfehlen. „Achten Sie im Rahmen von Sanierungen oder Neubauten bereits bei der Bauplanung auf die richtigen Baustoffe“, so Schlatte.

Lassen Sie sich technisch helfen. Wer zwecks Prävention auf Luftbefeuchtungsgeräte setzt, muss auf die regelmäßige Reinigung und Wartung achten. „Ansonsten werden sie zu Verbreitern von Bakterien und Schimmelpilzen“, so Schlatte. „Das Luftbefeuchtungsgerät sollte zudem stets auf die Raummitte und nicht auf Möbel oder Außenwände gerichtet werden. Auch die richtige Dimensionierung spielt eine Rolle. Die benötigte Dampfleistung ist von Faktoren wie z. B. Raumgröße, Luftwechsel oder Luftfeuchtigkeit abhängig.“

Schaffen Sie Grünoasen. Bestimmte Zimmerpflanzen binden nicht nur Staub und bauen Schadstoffe ab, sondern erhöhen auch nachweislich die Luftfeuchtigkeit. Dazu zählen das Zyperngras, der Philodendron, die Grünlilie oder das Einblatt. Raumluft-Experte Schlatte empfiehlt, 3 bis 6 größere Zimmerpflanzen pro 30 m2 großen Raum zu platzieren.

Trinken Sie viel. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr – am besten Wasser oder ungesüßter Tee – von mindestens zwei Liter pro Tag. Vor allem Diabetiker, aber auch ältere Menschen sollten diesen Tipp ernst nehmen. „Mit zunehmendem Alter wird das Durstgefühl aufgrund von Nervenschädigungen oft nicht mehr wahrgenommen – obwohl der Flüssigkeitsbedarf vorhanden ist. Die Menschen trinken daher zu wenig, fühlen sich folglich müde, werden infektanfälliger und leiden an trockener und rissiger Haut“, so Allgemeinmediziner Werner. Übrigens: Auch im Flugzeug sollten Sie genügend Wasser trinken, da in der Kabine extrem trockene Luft herrscht und das Wohlbefinden beeinträchtigt werden kann.

Pflegen Sie Ihre Haut. Trockene Haut braucht v. a. eines, nämlich Fett. Mit reichhaltigen Salben aus der Apotheke beugen besonders empfindliche Menschen vor.

Rauchen Sie nicht. „Die Inhalation von Zigarettenrauch trocknet die Schleimhäute zusätzlich aus, wodurch Bronchitis und Husten ein leichtes Spiel haben“, so Werner. „Man kann daher nicht oft genug betonen, dass das Rauchen eine gesundheitsschädigende Wirkung hat und die Raumluft belastet.“

Weitere Informationen unter:
www.meineraumluft.at
www.umweltberatung.at
www.raumluft.org

 

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