Freitag, 24. Mai 2019

Freude statt Winterblues

Ausgabe 2013.12/2014.01
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Bis zu 40 Prozent der Österreicher leiden unter dem Winterblues. Wie lässt sich das Grau über der Seele wieder heben, und was kann man vorbeugend dagegen tun?


Foto: ⒸCan Stock Photo Inc. - Steevy84

Draußen ist es kalt, grau, nieselig, die Bäume haben all ihre Blätter verloren, die Sonne kommt nur allzu selten hinter den Wolken hervor, und es scheint, als hätten auch die Menschen viel von ihrer Sommerenergie verloren. Tatsächlich legt sich das Grau der winterlichen Jahreszeit auch in unseren Breiten über die Seele sehr vieler Menschen. „Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge leiden fünf bis zehn Prozent an einer so genannten saisonal affektiven Störung, einer Herbst-Winter-Depression also, und bis zu 40 Prozent am so genannten Winterblues, einer leichteren Form dieser Störung, die das Leben der Betroffenen allerdings auch sehr unangenehm beeinträchtigen kann“, sagt der Leiter der Erwachsenenpsychiatrie im Landesklinikum Tulln, Prim. PD Dr. Martin Aigner.

Was ist ein Winterblues? Wer also etwa morgens nur schwer in die Gänge kommt, seine Müdigkeit und Lethargie den ganzen Tag weiter mit sich schleppt, ein vermehrtes Schlafbedürfnis hat, gedrückter Stimmung ist, sich oft und gerne zurückzuziehen beginnt und dazu noch mehr Appetit als sonst und vor allem echten Heißhunger auf Süßigkeiten hat, leidet vielleicht schon am Winterblues und sollte diese Symptome jedenfalls ernst nehmen und wenn möglich dagegensteuern, denn andernfalls kann sich ein Prozess entwickeln, der dann zu einer „echten“ Herbst-Winter-Depression führen kann.

Warnzeichen eines Winterblues
  • schweres morgendliches Erwachen
  • Weiterbestehen der Müdigkeit und Lethargie über den ganzen Tag
  • vermehrtes Schlafbedürfnis
  • vermehrter Appetit, insbesondere Kohlehydratheißhunger, damit verbunden oft auch Gewichtszunahme
  • sozialer Rückzug

Was ist eine Herbst-Winter-Depression? Doch was ist eine Herbst-Winter-Depression genau, und wie unterscheidet sie sich von anderen Depressionsformen? „Grundsätzlich erfüllt die Herbst-Winter-Depression die üblichen Kriterien einer depressiven Störung. Das heißt, dass Betroffene seit mindestens zwei Wochen abgeschlagen, energie-, freud- und interesselos sowie von negativen Emotionen beeinträchtigt sind. Weitere typische Symptome können Konzentrationsstörungen, Schuldgefühle oder Suizidgedanken sein, und wenn es sich wirklich um eine Herbst-Winter-Depression handelt, so dürfen diese Beschwerden tatsächlich nur in diesen Jahreszeiten auftreten. Charakteristische Zusatzsymptome der saisonal affektiven Störung sind weiters ein vermehrter Appetit – vor allem Hunger nach Kohlehydraten –, sowie ein sozialer Rückzug und ein erhöhtes Schlafbedürfnis“, erklärt der Experte. Der vermehrte Griff zu Schokolade und Co kann also ein ernst zu nehmendes Warnsignal sein, das nicht ignoriert werden sollte.

Blues oder Depression? Die Schwere der Symptome bzw. die Ausprägung der Beschwerden ist es auch, anhand derer die Fachleute zwischen Winterblues und Herbst-Winter-Depression unterscheiden. Denn während der mildere Winterblues Betroffene zwar oft energielos macht und ihre Stimmung unter null sinken lässt – der Alltag kann jedenfalls noch bewältigt werden –, so beeinträchtigt die echte Herbst-Winter-Depression das Alltags-, Familien- und Berufsleben mehr als spürbar. In schwereren Fällen – und diese kommen gar nicht so selten vor – kann die Arbeitsleistung sogar so weit abnehmen, dass ein geregelter Arbeitstag nicht mehr möglich ist.


Eine Störung des Biorhythmus? Warum das passieren kann, erklären die Experten heute mit einem so gennaten „multifaktoriellen Geschehen“, bei dem der Mangel an natürlichem Tageslicht, die verminderte Lichtintensität im Winter gemeinsam mit den kürzeren Tagen ein Rolle spielen. Denn an kurzen und dunklen Wintertagen trifft zu wenig Licht auf die Netzhaut der Augen. Aufgrund einer Nervenverbindung mit der Zirbeldrüse erkennt auch diese, dass es an Tageslicht fehlt, und verändert die Ausschüttung von Melatonin. Da dieses Hormon unter anderem für die Aufrechterhaltung des Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich ist, gerät die innere Uhr des Menschen als Folge der veränderten Melatoninkonzentration im Gehirn außer Takt: Man wird müde, schlapp und die Laune sinkt.

Warnzeichen für eine Herbst-Winter-Depression

zusätzlich zu oben genannten Symptomen:

  • innerhalb der letzten vier Wochen zumeist niedergeschlagene, bedrückte oder hoffnungslose Stimmung
  • innerhalb der letzten vier Wochen deutlich weniger Interesse an anderen Menschen und eigenen Interessen
  • Auftreten dieser Symptome ausschliesslich in der Winterzeit

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Freude statt Winterblues
Seite 2 Wenn dem Gehirn Serotonin fehlt

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