Sonntag, 17. Februar 2019

Freude, Angst, Trauer: Mehr Mut zum Gefühl!

Ausgabe 2018.11
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Gefühle sind keine Krankheit. Sie können aber krank machen, wenn man sie unterdrückt. GESÜNDER LEBEN erklärt, warum es keine schlechten Gefühle gibt, weshalb das Streben nach Zufriedenheit besser ist als jenes nach Glück und was jeder selbst zu seiner seelischen Gesundheit beitragen kann.

 


Foto: iStock-166083636_GeorgePeters

Wie geht es dir?“ – „Alles gut!“ So oder so ähnlich verlaufen täglich unzählige Kurzdialoge. Ein Unding, wie Dr. Christian Peter Dogs findet. „Es kann nämlich gar nicht alles gut sein, weil unser Leben nicht perfekt ist“, so der deutsche Arzt, Psychotherapeut und Klinikleiter. „Wir selbst sind es auch nicht. Wir fühlen uns nicht immer gut. Wir verspüren Ärger, haben schlechte Laune, sind traurig oder wütend. Wir unterdrücken diese Gefühle nur oft, da die Gesellschaft Spaßmenschen eher akzeptiert.“ In seinem Buch „Gefühle sind keine Krankheit“ empfiehlt der Autor genau das Gegenteil: Statt vermeintlich schlechte Gefühle niederzukämpfen oder zu unterdrücken, gelte es, alle Gefühle in seinem Leben willkommen zu heißen und zu integrieren. Denn wer Gefühle verdrängt, riskiert, dass diese sich aufstauen und schließlich zum falschen Zeitpunkt oder den falschen Personen gegenüber zum Ausbruch kommen oder sich wie eine Autoimmunerkrankung gegen die eigene Person richten – etwa in Form von Schlafproblemen, Antriebsproblemen, Verspannungen, körperlichen Symptomen wie Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen oder Tinnitus. Die Liste der möglichen körperlichen und seelischen Auswirkungen ist lang.

Alle Gefühle sind gute Gefühle

Die gute Nachricht: Schlechte Gefühle gibt es nicht! „Den ersten Fehler haben wir begangen, indem wir Gefühle in positive und negative eingeteilt haben. Trauer, Wut oder Angst sind aber keine negativen Gefühle, sie erfüllen einen Zweck“, so Dogs. „Auch Langeweile oder Einsamkeit  sind Begriffe, die negativ besetzt sind, beides muss sich aber keineswegs schlecht anfühlen“, so der Psychotherapeut. Akzeptiere man alle Komponenten der eigenen Gefühlswelt, verlieren diese ihren bedrohlichen Charakter. Darum der Tipp des Experten: „Alle Gefühle sind erlaubt!“

7 Tipps für ein Gesundes Gefühlsleben
  1. Akzeptieren Sie alle Gefühle. Kein Gefühl ist schlecht und alle sind willkommen – das sollte zu Ihrem neuen Lebenscredo werden. „Wenn ich mir alle Gefühle erlaube, auch die vermeintlich negativen, dann verlieren diese ihre Bedrohung“, erklärt Dr. Dogs. Zudem verhindert man so ein Aufstauen unterdrückter Gefühle und unterstützt damit seine körperliche und seelische Gesundheit.
  2. Pflegen SIe die Liebe. „Eine gute intime Beziehung ist eine hervorragende Voraussetzung, um seelisch gesund zu bleiben", so Dr. Dogs. Darum:Pflegen Sie Ihre Beziehung, reden Sie miteinander, teilen Sie Ihre Sorgen wie die Glücksmomente. „Das tut uns gut und kurbelt die Ausschüttung von Endorphinen an.“
  3. Ein gesundes Maß an Narzissmus bitte. „Seien Sie stolz auf sich und machen Sie sich und anderen Komplimente. Wertschätzung ist die Währung der Seele. Davon können wir gar nicht genug kriegen“, so der Psychotherapeut. „In unserer Gesellschaft muss man sie sich leider manchmal aktiv holen. Fordern Sie darum Ihre Freunde und Ihren Partner ruhig auf, Sie zu loben.“ Ein gutes Maß an Narzissmus ist die beste Vorbeugung gegen eine Depression, so Dogs.
  4. Think pink. Wir sind konditioniert darauf, uns auf das Negative zu konzentrieren. Dadurch fühlen wir uns aber automatisch schlechter. Der Experte rät: „Achten Sie auf das Gute im Leben und trainieren Sie, nicht ständig nur das Negative wahrzunehmen!“
  5. Niemand ist perfekt. Zählen Sie zu den Menschen, die immer perfekt, ausgeglichen und freundlich sein möchten? Dann hat Dr. Dogs die perfekte Übung für Sie: „Verlassen Sie Ihren Wohlfühlbereich und seien Sie zwei Tage bewusst unfreundlich! So lernen Sie, Ihre Bedürfnisse klar zu artikulieren!“
  6. Lösen Sie aktiv Probleme. „Wir Menschen sind von Natur aus feige und faul“, erklärt der Psychiater. „Vor allem scheuen wir Konflikte. Ungelöste Konflikte belasten uns aber am meisten.“ Darum der Tipp: Wagen Sie sich an ungeklärte Konflikte heran und werden Sie aktiv. „Sie werden stolz sein, aus eigener Kraft Probleme gelöst zu haben.“
  7. Runter vom Gas. Bewusst das Tempo aus dem Alltag zu nehmen, um Körper, Geist und Seele eine Verschnaufpause zu verschaffen, trägt ebenfalls zu unserem seelischen Wohlbefinden bei. "Nehmen Sie ruhig mal die langsamere Zugverbindung als die schnellste und schauen Sie während der Fahrt aus dem Fenster statt aufs Handy“, rät Dogs. Ebenfalls eine bewährte Methode, um sich kurz aus der Reizüberflutung zu stehlen: Digital Detox am Wochenende. „Machen Sie das Handy am Freitagabend aus und schalten Sie es erst am Sonntagabend wieder ein!“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Freude, Angst, Trauer: Mehr Mut zum Gefühl!
Seite 2 Zeit für Traurigkeit

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