Freitag, 15. Februar 2019

Frauen und Männer im Wechsel

Ausgabe 02.2015
Seite 1 von 2

Frauen kommen zwangsweise in den Wechsel. Manche Männer auch. Wie sich die mittleren Lebensjahre auf unser Wohlbefinden auswirken – und wie wir besser leben können, zeigen wir hier.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - DarrenBaker

Klimakterium ist, seien wir mal ganz ehrlich, kein schönes Wort. Genuschelt klingt es wie Bakterium, assoziiert wird es mit Klimawandel, also mit Katastrophe – und stehen tut es für die Wechseljahre. Auch dieses Wort hat, bei allem Respekt, keinen guten Ruf. Die lästigen bis stark beeinträchtigenden Nebenwirkungen lassen fürwahr keine Freude aufkommen. Und an die Menstruation hat frau sich auch schon mehr oder weniger gewöhnt, die gehört einfach dazu und strukturiert irgendwie das Leben. Auch wenn laut diversen Umfragen der Großteil der Frauen die Regel nicht vermisst, gibt es doch einige Frauen, die der Fruchtbarkeit nachtrauern. Die meisten jedoch genießen es, Sex ohne Verhütung zu haben – gegen die altersbedingt immer trockener werdende Scheide gibt es ja zum Glück Cremes. Einhergehend mit den Wechseljahren kommen auch altersbedingte Abnützungserscheinungen hinzu, was die neue Lebensphase nicht gerade attraktiv macht. Und: Was einem da für Schauergeschichten über die Wechseljahre erzählt werden, da kann einen nur die Panik überfallen! Wir werden zwar alle älter – das ist sicht- und spürbar –, allerdings hat nicht jede Frau Beschwerden, seien es nun physische oder psychische. Dazu Univ.-Doz. Dr. Susanne Taucher, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Fachärztin für Chirurgie (www.mammagyn.at): „Wissenschaftliche Untersuchungen konnten bisher keine eindeutigen Risikofaktoren für das Auftreten von Symptomen identifizieren. Wir wissen allerdings, dass etwa bei einem Drittel der Frauen der Wechsel völlig problemlos verläuft, ein Drittel mit leichten Unpässlichkeiten zu tun hat und nur ein Drittel aller Frauen erheblich unter Wechselbeschwerden leidet. Wir sollten jedoch immer bedenken“, so Expertin Taucher weiter, „dass die Wechseljahre so gut wie immer einhergehen mit Veränderungen in vielen Lebensbereichen und nicht alle Befindlichkeiten rein hormonell bedingt sind.“

Frauen haben den Wechsel, Männer die Midlife-Krise. Männer haben es einfacher, sagen nicht nur Frauen, die im Klimakterium große Probleme haben. Aber: Symptome wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Gewichtsveränderungen und Schwankungen des sexuellen Verlangens sind auch älter werdenden Männern nicht fremd. „Bei Männern vom Wechsel zu sprechen ist dennoch falsch“, sagt Ufrit Scrinzi, Facharzt für Urologie (www.scrinzi.at). „Beim Mann gibt es keine plötzlich und akut auftretende hormonelle Änderung, keine Menopause, und auch Männer mit Potenzproblemen sind bis zu ihrem Ableben zeugungsfähig. Und die Midlife-Krise“, so Scrinzi weiter, „ist beim Mann mehr ein gesellschaftliches denn ein hormonelles Problem.“ Den wenigen Männern, die tatsächlich einen  Mangel an Testosteron (Sexualhormon) und gröbere Gesundheitsprobleme haben, kann geholfen werden: Sie bekommen Testosteron substituiert. Damit das Ganze auch inhaltlich einen richtigen Namen hat, sagt man heute weder Andropause noch Klimakterium virale, noch männlicher Wechsel, sondern Late-Onset-Hypogonadismus, kurz: LOH.

Eine Lebensphase der Veränderungen. Wir sind nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt. In diesem Zwischenreich wird uns Frauen schon mal ein Sitzplatz angeboten oder eine schwere Tasche treppauf getragen. Der eine oder andere Mann im mittleren Alter will es noch einmal wissen: Er möbelt seinen Selbstwert mit einem spritzigen Auto oder einer jüngeren Frau auf. Bei beiden Geschlechtern setzt der natürliche Alterungsprozess ein: Wir sind öfter müde und erschöpft, einfach nicht mehr so leistungsfähig wie früher und die Belastbarkeit nimmt ab. Aber: Letztendlich sind wir es schlicht und einfach nicht gewöhnt, NICHT mehr jung zu sein. Sich damit abzufinden fällt sowohl Männern als auch Frauen schwer. Die Kinder sind aus dem Haus, führen ihr eigenes Leben, in der Partnerschaft können Probleme auftreten und im Berufsleben läuft auch oft nicht mehr alles nach Wunsch. Was hilft? Expertin Taucher: „Auf sich selbst schauen, eigene Bedürfnisse wieder wahrnehmen und sie auch umsetzen. Die erste Frage sollte jetzt heißen: ‚Was tut mir gut?‘“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Frauen und Männer im Wechsel
Seite 2 Lexikon der Wechseljahre

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