Sonntag, 19. Mai 2019

Frauen sind anders (krank)

Ausgabe 03/2011
Ihre Gesundheitsrisiken und Krankheitsverläufe unterscheiden sich oft markant von jenen der Männer, und sie reagieren auch anders auf manche Medikamente. Sechs Beispiele aus der Gender-Medizin.

Foto: istockphoto.com - Alena Yakusheva
1. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Sie sind die häufigste Todesursache für Frauen. Die klassischen Risikofaktoren belasten Frauenherzen besonders stark: Rauchen erhöht ihr Erkrankungsrisiko um das 4,5-Fache (bei Männern um das 2,5-Fache). Diabetikerinnen haben ein 8-fach höheres Risiko (männliche Diabetiker ein 3-fach erhöhtes Risiko). Auch negativer Stress erhöht das Herzinfarktrisiko für Frauen enorm: beruflicher Stress um 69 %, familiärer Stress um 300 % (!).
Bei Männern tritt ein Herzinfarkt eher vor dem 50. Lebensjahr auf, bei Frauen erst im oder nach dem Wechsel (Östrogene schützen die Gefäße, dieser Schutz fällt mit dem Hormonabfall weg).

2. Höheres Diabetesrisiko, mehr Komplikationen
Bei gleichem Body Mass Index (BMI) haben bereits Mädchen ein höheres Risiko als Buben, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Insgesamt ist das Risiko, Diabetes zu bekommen, für Frauen höher. Tritt in der Schwangerschaft ein Diabetes auf (siehe auch Seite 43), erhöht sich für die Frau fünf bis zehn Jahre nach der Geburt das Risiko für einen Typ-2-Diabetes ­massiv. Zudem kommt es bei Frauen mit Zuckerkrankheit häufiger zu Komplikatio­nen wie zum Beispiel Augen- und Nerven­erkrankungen.

3. Depression & Angst
Frauen sind von Depressionen und Angsterkrankungen doppelt so häufig betroffen wie Männer. Sie suchen allerdings eher professionelle Hilfe, daher werden beide Erkrankungen öfter als bei Männern diagnostiziert und therapiert. Frauen leiden unter den klassischen Symptomen einer Depression, während bei Männern eher aggressives Verhalten im Vordergrund steht und sie wesentlich häufiger Suizid begehen.

4. Zu wenig Schmerztherapie
Frauen leiden weit häufiger als Männer unter chronischen Schmerzen, diese werden häufig ungenügend behandelt. Die Schmerzen sind intensiver, länger anhaltend – oft bestehen mehrere schmerzhafte Erkrankungen gleichzeitig. Die Ursache sind u.a. genetische und hormonelle Faktoren (zyklusabhängige Schmerzverstärkung).

5. Vorsicht bei Medikamenten
Arzneimittel wirken bei Frauen anders als bei Männern. Die Ursache sind Unterschiede beim weiblichen und männlichen Organismus sowie im Stoffwechsel, die in der Medikamentenentwicklung aber oft nicht berücksichtigt werden. Insgesamt treten daher Nebenwirkungen bei Frauen 1,5-mal häufiger auf. Z.B. sind ACE-Hemmer, die bei Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz verschrieben werden, für Frauen schlechter verträglich und rufen vermehrt Reizhusten hervor. Auch die diskutierte Schutzwirkung von Aspirin vor Herzinfarkt ist schwächer …

6. Patientinnen sind „anders“
Für Frauen ist die Beziehung zum Arzt, zur Ärztin wichtiger als für Männer. Sie legen Wert auf gute Betreuung und zwischenmenschliche Tiefe. Männliche Patienten schätzen diese Art der Betreuung weniger, sie bevorzugen klare Anweisungen und Empfehlungen.

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