Donnerstag, 21. November 2019

Personalisierte Medizin

Ausgabe 05/2012
Meine Krankheit – meine Medizin? Nicht ganz, aber es geht in diese Richtung. GESÜNDER LEBEN hat für Sie drei Experten befragt, welche Chancen personalisierte Medizin bietet.

Foto: beigestellt
Personalisierte Medizin: Was bringt sie?
Dr. Martin Steinhart,
Medical Director bei Roche Austria

Zwei Patienten mit der gleichen Diagnose können ganz unterschiedlich auf dieselben Medikamente ansprechen. Ein Grund: ungleiche genetische und biologische Gegebenheiten. Als Vorreiter in der personalisierten Medizin ziehen wir diese Erkenntnisse bei der Entwicklung innovativer Medikamente schon seit Jahren in Betracht. 1998 wurde etwa ein Roche-Medikament gegen HER2-positiven Brustkrebs zugelassen. Stellt der Arzt mittels Test fest, dass eine Patientin an dieser besonderen Form erkrankt ist, setzt er das Medikament ein.

Heute funktionieren bereits sechs von zwölf unserer Medikamente in der späten Entwicklung nach diesem Prinzip. Das Ziel: Arzneimittel auf bestimmte Patientengruppen optimal abzustimmen, dadurch Ansprechraten zu erhöhen und Nebenwirkungen zu verringern. Weg vom Gießkannenprinzip, hin zur maßgeschneiderten Therapie. So werden auch unnötige Kosten gespart und Geldmittel effizient eingesetzt.

Ist die Hautkrebsvorsorge nun obsolet?
Prof. Dr. Franz Trautinger, Leiter der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Landesklinikum St. Pölten

Nein. Der personalisierte Ansatz in der Therapie ist ohne Zweifel ein wichtiger und großer Fortschritt für Patienten mit schwarzem Hautkrebs (Melanom), wenn die Erkrankung schon fortgeschritten ist. Mindestens ebenso wichtig – für alle Menschen – sind allerdings Vorsorge und Früherkennung, damit es gar nicht zu fortgeschrittener Erkrankung kommt. Die beste Vorsorge ist und bleibt der Schutz vor übermäßiger UV-Bestrahlung durch Kleidung und Kopfbedeckung, Sonnencremen mit hohem Lichtschutzfaktor, Sonnenbrillen und das Aufsuchen von Schattenplätzen. Auch Solarien erhöhen das Hautkrebsrisiko und sollten daher nicht besucht werden.
Lassen Sie sich regelmäßig vom Hautarzt untersuchen, vor allem wenn Sie viele Muttermale haben, Veränderungen entdecken oder nahe Verwandte mit Hautkrebs haben. Schließlich ist das Melanom im Frühstadium gut behandelbar und unter Umständen auch heilbar.

Was ist Molekularpathologie?
Primar Univ.-Prof. Dr. Felix Offner,
Institut für Pathologie am Landeskrankenhaus Feldkirch

Bei molekularpathologischen Verfahren werden bestimmte Gene und Proteine untersucht und Informationen gewonnen, die man unter dem Mikroskop alleine nie erheben könnte. Bei der Untersuchung der Gewebeprobe (Histologie) stellen wir, vereinfacht gesagt, verschiedene Fragen. Zu Beginn: Liegt überhaupt ein Tumor vor? Schließlich können bei einem Patienten festgestellte Knoten auch Entzündungen oder Infektionen sein. Hier bedienen wir uns der mikroskopischen Untersuchung. Danach gilt es herauszufinden, um welche Art von Tumor es sich handelt. In Abhängigkeit von den histologischen Befunden wird das Gewebe molekularpathologisch weiteruntersucht. Wir können etwa mithilfe von Antikörpern abnorme Tumorproteine nachweisen oder bestimmte Gene mittels Gen-Sequenzierung untersuchen. Diese Art der hochpräzisen Diagnostik ist eine der wesentlichen Voraussetzungen der personalisierten Medizin.

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