Samstag, 05. Dezember 2020

Der Antibiotika-Ratgeber

Ausgabe 02/2012
Antibiotika sind wirksame Waffen gegen verschiedenste Krankheiten. Doch scharfe Geschütze müssen richtig eingesetzt werden. GESÜNDER LEBEN hat für Sie drei Experten befragt.

Foto: Gerd Altmann - pixelio.de Wann muss ich Antibiotika einnehmen?
Dr. Michael Jeleff
Arzt für Allgemeinmedizin in Innerbraz/Vorarlberg

Die im Winter häufig vorkommenden Erkältungskrankheiten mit Symptomen wie Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen sind in der Regel durch Viren ausgelöst und bedürfen keiner antibiotischen Behandlung. Auch die Grippe ist eine Viruserkrankung, gegen die Antibiotika nicht wirksam sind.

Handelt es sich um eine bakterielle Infektion, wird der Arzt anhand der zur Verfügung stehenden Untersuchungsmöglichkeiten (Bakterienkultur, Laboruntersuchung, Röntgen, Krankheitsverlauf), aber auch aufgrund seiner ärztlichen Erfahrung entscheiden, ob eine Antibiotikagabe notwendig ist.

Bei bakteriellen Lungenentzündungen, eitrigen Mandelentzündungen, Harnwegsinfektionen oder Rotlauf – um nur ein paar Krankheiten zu nennen – ist eine antibiotische Behandlung unumgänglich. Chronisch Kranke, immungeschwächte oder hochbetagte Menschen können im Einzelfall von einer frühzeitigen Antibiotikagabe profitieren.


Wie kann ich meinen Darm schützen?
Mag. Anita Frauwallner
Expertin für Darmgesundheit und Geschäftsführerin Allergosan


In einem gesunden Darm leben bis zu 300 verschiedene Arten von Bakterien. Die Einnahme von Antibiotika führt zu einer Reduzierung dieser Darmbakterien, mitunter werden sogar zwischen 80 und 90 % zerstört.

Dabei ist nicht nur die Menge problematisch, sondern die Tatsache, dass ganze Bakterienstämme ausgerottet werden. Diese können nicht mehr aufgebaut werden und in der Folge fehlen dem Körper wichtige Stoffe. Vor allem aber leidet die Darmschleimhaut, die den Bakterien als eine Art Wohnsitz dient. Sie ist normalerweise zwei, drei Millimeter dick, kann durch Antibiotika aber auf bis zu 0,5 Millimeter zusammenschrumpfen.

Spezielle Probiotika, die vom ersten Tag der Antibiotikabehandlung eingenommen werden, können Darmschleimhaut und Darmbakterien schützen. Nimmt man die Probiotika erst, wenn man etwa bereits Durchfall hat, muss die Schleimhaut praktisch komplett neu aufgebaut werden.


Welches Antibiotikum ist das richtige?
Dr. Florian Thalhammer
Internist und Infektiologe an der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin, Wien

Jeder antibiotische Wirkstoff ist gegen spezifische Bakterien bzw. Erregerarten wirksam. Durch eine genaue Diagnose kann jenes Antibiotikum identifiziert werden, das gegen das jeweilige Bakterium am besten wirkt.

Unter einem Breitbandantibiotikum versteht man meistens ein Antibiotikum, welches gegen besonders viele Bakterien wirksam ist.

Sogenannte Superantibiotika sind zumeist ganz neue Antibiotika, häufig mit einem schmalen Wirkspektrum, sie wirken also nur gegen wenige Bakterienarten. Da sie normalerweise noch nicht lange eingesetzt werden, sind noch keine Resistenzen entstanden.

In jedem Fall gilt: Das gewählte Antibiotikum soll so breit wie notwendig und so schmal als möglich sein.

Zudem ist es sehr wichtig, dass immer das „einfachste“ Antibiotikum zum Einsatz kommt und nicht von vorn-herein immer das neueste oder das breiteste.

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