Montag, 23. September 2019

Fit und gesund trotz Stress

Ausgabe 06.2014

Bei Anspannung melden sich unsere körperlichen Schwachstellen zuerst. gesünder leben zeigt, was Sie gegen Rückenschmerzen, gestresste Haut oder Kopfschmerzen tun können.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - gorielov

Steht der Organismus unter Anspannung, schickt er verschiedenste Warnsignale aus allen Ecken des Körpers: Der eine reagiert auf Belastung mit Rückenschmerzen, der andere bekommt plötzlich Stresspickel. Auch Kopfschmerzen können ein Zeichen dafür sein, dass der Druck zu viel wird. Dr. Barbara Stadler, Allgemein- und Ernährungsmedizinerin in Wien-Währing, erklärt, welche Botschaft hinter den einzelnen Symptomen steckt und wie man Abhilfe schaffen kann.

Warnsignal: Rückenschmerzen. Bei Stress verharren Menschen in der typischen Abwehrhaltung: Die Schultern werden hochgezogen, die Muskeln im Kreuz angespannt. Das führt laut Stadler dazu, dass die Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Muskulatur leidet: „Sie verhärtet sich und beginnt zu schmerzen. Dazu kommt, dass die Schmerzwahrnehmung bei emotionaler Belastung erhöht ist.“
Abwehrstrategie: Das beste Erste-Hilfe-Utensil bei Kreuzweh ist ein simpler Polster. Auf den Boden legen und barfuß drei bis fünf Minuten auf der Stelle treten – diese simple Übung lockert Verspannungen im unteren Rücken im Nu und eignet sich auch gut zur Vorbeugung. Auch Wärmepflaster und wärmende Salben aus der Apotheke entspannen verkrampfte Partien und kurbeln die Durchblutung an. Bei einem Hexenschuss begibt man sich am besten in die sogenannte Stufenlagerung: flach auf dem Rücken, Beine hoch. Stadler: „Dazu legt man die Unterschenkel im rechten Winkel auf einen Sessel oder Hocker.“ Als Unterlage legt man eine wärmende Decke oder eine Heizdecke auf den Fußboden, den Kopf stützt man durch einen flachen Polster oder ein zusammengerolltes Handtuch. „Die Stufenlagerung entspannt die Muskeln, entlastet das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk und die Wirbelsäule, die in dieser Position gleichzeitig gestreckt wird.“ Auch regelmäßige Besuche beim Osteopathen und/oder Mesotherapeuten (s. Kasten) helfen, Körper und Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Warnsignal: gestresste Haut. Haut und Seele sind eng miteinander verknüpft: Wir sind verlegen und werden rot. Wir erschrecken uns und werden blass. Wir sind aufgeregt und unsere Hände werden feucht. Stress schwächt das Immunsystem, die Schutzmechanismen der Haut werden gestört und sie wird anfälliger für Einflüsse von außen und innen. „Stresspickel haben dann ein leichtes Spiel“, betont die Medizinerin. „Zudem wird die Schutzhülle bei Stress anfälliger für Allergien und Ekzeme.“ Häufig kommen auch stressbedingte Hautprobleme wie die sogenannte Nesselsucht  bei Menschen über 40 Jahren vor, wenn ihre Leistungsfähigkeit abnimmt und wichtige Erholungsphasen fehlen. „Das ist ein plötzlich auftretender Ausschlag auf der Haut, der meist juckt oder brennt und so aussieht und sich so anfühlt, als hätte man eine Brennnessel berührt.“
Abwehrstrategie: Oft kann man mit relativ einfachen Mitteln Abhilfe schaffen. „Gehen Hautprobleme auf reine Entspannungsdefizite zurück, wirken zum Beispiel autogenes Training und progressive Muskelentspannung sehr gut“, sagt Stadler. An der deutschen Universitäts-Hautklinik Heidelberg hat man die positiven Effekte von Entspannungstechniken schon lange erkannt. Seit 13 Jahren gibt es dort die „Balsam-Gruppe“, ein stationäres Angebot für Patienten mit Hauterkrankungen. Wer Stress lieber mit Aktivität abbaut, ist laut Stadler ebenfalls auf dem richtigen Weg: „Ausdauersport wie Laufen oder Radfahren fördert die Durchblutung der Haut. Das bringt nicht nur Nährstoffe dorthin, sondern auch Abwehrstoffe gegen Entzündungen.“

Mesotherapie bei Stresssymptomen

Als Mischung aus Akupunktur und Neuraltherapie nützt die Mesotherapie die Haut als größtes Organ des Menschen für therapeutische Zwecke. Über Mikroinjektionen werden geringe Mengen an Wirkstoffen direkt am Ort der Beschwerden in die Haut eingebracht. Stadler: „Ich verwende dabei Kombinationen aus schulmedizinischen Medikamenten, Homöopathika, pflanzlichen Präparaten, Vitaminen und Mineralstoffen.“
Ursprünglich wurde die Mesotherapie vor allem bei akuten und chronischen Schmerzen eingesetzt. Nach erfolgter schulmedizinischer Abklärung wird sie heute auch bei akuten und chronischen Beschwerden wie zum Beispiel Kreuz- und Nackenschmerzen, Hexenschuss, Spannungskopfschmerzen, Hallux, Fersensporn, Arthrose und rheumatischen Erkrankungen angewendet. Zudem kann die Mesotherapie bei immer wiederkehrenden und chronischen Infekten, Stress, Erschöpfungszuständen, Burn-out und gynäkologischen Beschwerden wie Zyklusstörungen, prämenstruellem Syndrom und Reizblase helfen. „Weitere Einsatzgebiete sind Migräne und neurologische Beschwerdebilder wie z. B. Trigeminus-Neuralgie und Schmerzen nach einer Gürtelrose. Gute Erfolge sind auch bei Schwindel, der von der Halswirbelsäule kommt, und bei Tinnitus zu erzielen“, erklärt Allgemeinärztin Dr. Barbara Stadler. Selbst Verdauungsprobleme wie Verstopfung bei der Anwendung von morphinhaltigen Schmerzmitteln können mit dieser Methode sehr gut behandelt werden.

Warnsignal: Kopfschmerzen. Seelische Dauerbelastung leert die Speicher des Botenstoffes Serotonin im Gehirn. Er steuert jene Filter, die darüber entscheiden, wie viele Schmerzinformationen in die oberste Schaltzentrale gelangen. Fehlt das Serotonin, sinkt auch die Schmerzschwelle und Spannungskopfschmerzen treten häufiger auf. Typisch dafür ist, dass diese dumpfen, drückenden Schmerzen verschiedenen Regionen des Kopfes oder den gesamten Kopf betreffen können, eine halbe Stunde bis mehrere Tage andauern, gelegentlich bis täglich auftreten und manchmal mit leichter Licht- oder Lärmempfindlichkeit sowie Appetitlosigkeit einhergehen. Auslöser ist zunächst Stress oder Wetterwechsel, später treten Spannungskopfschmerzen auch ohne erkennbaren Auslöser auf.
Abwehrstrategie: Bei akuten Spannungskopfschmerzen hilft ein Gelkissen aus dem Kühlfach, das man für etwa eine Minute auf Stirn, Schläfen oder in den Nacken legt. Anschließend für drei Minuten herunternehmen und wiederholen. Tipp von Dr. Stadler: „Eine Schläfenmassage mit einigen Tropfen Minzöl – sie wirkt erfrischend und entspannt die Muskulatur. Allergiker sollten allerdings vorher in der Armbeuge testen, ob ihre Haut empfindlich auf das Öl reagiert.“ Wer regelmäßig Kopfwehpulver schluckt, sollte wissen: „Schmerztabletten helfen, können aber bei übermäßigem Gebrauch wiederum Auslöser von Kopfschmerzen sein.“ Besser  wäre es, Auslöser zu entlarven und gegenzusteuern, meint die Medizinerin: „Oft hilft es schon, genügend Wasser zu trinken, an die frische Luft zu gehen und regelmäßig Entspannungsübungen und Massagen einzuplanen.“ Auch hier empfiehlt Stadler die Mesotherapie als nebenwirkungsfreie Alternative. 

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information