Freitag, 24. Mai 2019

Fit & vital statt schlapp & müde

Ausgabe 2013/11
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Wer häufig schlapp macht, sollte Ursachenforschung betreiben. GESÜNDER LEBEN zeigt die häufigsten Gründe für chronische Müdigkeit und sagt, wie man sie wieder loswird.


Foto: Can Stock Photo Inc. - bds

Es gibt Tage, da kommt man einfach nicht in Schwung. Und ist damit auch nicht allein: Beinahe jeder Fünfte klagt regelmäßig über bleierne Müdigkeit. Oft schiebt man die Lustlosigkeit auf Tageslichtmangel, das Wetter oder ungesundes Essen. „Dabei gibt es weit mehr Faktoren, die den Energiestatus beeinflussen können“, betont der Wiener Internist Primarius Dr. Marcus Franz. „Manchmal macht bloß eine falsche Angewohnheit schlapp, bisweilen steckt aber auch eine Erkrankung dahinter.“ Hier die acht häufigsten K.-o.-Gründe – und was sie dagegen tun können

Eisenmangel. Schlafstörungen, Müdigkeit und depressive Verstimmung: Das sind nur einige der Symptome, hinter denen ein Eisenmangel stecken kann. An der häufigsten Mangelerkrankung leiden immerhin zehn bis 20 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter. Grund dafür sind die Blutverluste während der Menstruation. „Aber auch Senioren, Kinder im Wachstum, Ausdauersportler, Vegetarier und Personen mit chronischen Magen-/Darmerkrankungen sind öfters betroffen“, erklärt Dr. Christian Cebulla, der eine Ordination für Eisentherapie im Wiener Ärztezentrum Hietzing leitet (www.eisentherapie.at). Eisen ist nicht nur an der Blutbildung beteiligt, es transportiert im Blut auch den Energielieferanten Sauerstoff. Eisen-, Ferritin- und Transferrinspiegel im Blut verraten, wie es um die Eisenversorgung bestellt ist. Aber: „Nicht immer muss der Eisenmangel bei einer Laboruntersuchung den unteren Grenzwert erreichen, um Beschwerden zu verursachen“, so Cebulla.

Muntermacher: Standardtherapie bei Eisenmangel sind Tabletten, die am besten gemeinsam mit Vitamin C (Fruchtsaft) eingenommen werden sollten. Manchmal verursachen diese aber unangenehme Nebenwirkungen wie Durchfall oder Bauchkrämpfe, oder das Eisenpräparat wird nicht ausreichend im Darm resorbiert. Bei Nebenwirkungen bzw. bei niedrigen Ferritin-Werten (unter 30) rät Cebulla zu einer intravenösen Eiseninfusion, die ambulant erfolgen kann, erfahrungsgemäß sehr gut vertragen wird und auch schneller wirkt.

Falsche Atmung. Schon beim Luftholen kann man den Energiehaushalt stören. Viele atmen nämlich nur in den Brustkorb – und gerade bei Stress hektisch und flach. Kein Wunder, dass ihnen bei anstrengenden Tätigkeiten wie Stiegensteigen ganz die Luft ausgeht. Eine stressbedingte flache Atmung lässt sich bereits durch bewusstes Sprechen beruhigen. Eine Studie der deutschen Universität Witten zeigt, dass das Aufsagen von Gedichten Atem- und Herzfrequenz senken kann.
Muntermacher: Fast jede Kultur kennt ritualisierte Übungen, die den Atem sanft in einen wohltuenden Rhythmus bringen können. „Yoga, Meditation, autogenes Training, Qigong oder auch das Beten des Rosenkranzes“, sagt Norbert Faller, Atempädagoge in Wien (www.atemlehre.at). „Spezielle Atemübungen kann man lernen. Sie lassen sich überall ohne Aufwand ausführen und sind eine große Hilfe im Alltag.“ Wer immer wieder bewusste, tiefe Atemzüge in den Bauch macht, kann auch damit erste Müdigkeitsattacken abwehren. Danach langsam ausatmen.

Zu wenig Flüssigkeit. Auch Wassermangel kann schlapp machen. Alle Abläufe im Körper werden durch Wasser erst möglich gemacht. Deshalb ist eine ausreichende Versorgung mit Wasser existenziell. Durst verspürt man erst ab einem Flüssigkeitsmangel von rund zwei Prozent. „Die damit verbundenen Symptome treten aber schon früher auf“, erklärt Prim. Franz. „Das Blutvolumen verringert sich, das Herz muss mehr Arbeit leisten – das kostet Kraft.“ Typische Anzeichen dafür sind Konzentrationsprobleme, gräuliche Haut und Kopfschmerzen.
Muntermacher: Werden die Reserven wieder aufgefüllt, pendelt sich auch der Blutdruck ein. Die Tibetische Medizin rät, pro Kilogramm Körpergewicht 30 ml warmes Wasser zu trinken. Bei 60 Kilogramm sind das 1,8 Liter täglich.

Schlafprobleme. Die meisten schlummern sieben Stunden pro Nacht, aber auch zwei Stunden mehr oder weniger sind normal. Für den Erholungswert ist aber weniger die Dauer als die Qualität der Nachtruhe entscheidend. Und diese ist störanfällig: Stress, Alkohol, Licht, Lärm und nicht selten auch ein schnarchender Bettgenosse können einen entspannenden Tiefschlaf verhindern. Ähnliche Auswirkungen haben Krankheiten wie das Restless-Legs-Syndrom, bei dem die Beine nachts schmerzen und unruhig sind, oder auch die Schlafapnoe mit Atemaussetzern.
Muntermacher: Wichtig ist, etwaige Störfaktoren aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Bei hartnäckigen Schlafstörungen hilft der Aufenthalt in einem Schlaflabor. Informationen rund um Schlafstörungen und eine Liste von Schlafmedizinern finden Sie auf der Homepage der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung: www.schlafmedizin.at.

Kranke Schilddrüse. Schilddrüsenerkrankungen gehören zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen: Untersuchungen zufolge leiden zwischen 0,5 und 1,2 Prozent der Bevölkerung an Krankheiten, die zu einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) führen, Frauen sehr viel öfter als Männer. „Besteht eine Schilddrüsen-Unterfunktion, fühlt man sich häufig müde, unkonzentriert und antriebslos, nicht selten auch depressiv verstimmt. Unerklärliches Kältegefühl kann Hinweis auf eine Schilddrüsen-Unterfunktion sein, ebenso wie Gewichtszunahme ohne Veränderung der Ernährungsgewohnheiten“, erläutert Dr. Georg Zettinig, Facharzt für Nuklearmedizin in Wien. Der häufigste Grund ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse irrtümlich als „fremd“ einstuft und Antikörper gegen sie produziert – die chronische Immunthyreoiditis.
Muntermacher: Eine Unterfunktion der Schilddrüse wird mit Hormongaben in Form von Tabletten therapiert. Zettinig: „Sind Patienten mit Hypothyreose einmal gut auf das Medikament eingestellt und lassen sie den Hormonstatus regelmäßig kontrollieren, sollte auch die Müdigkeit verschwinden.“ Manchmal steckt hinter Schilddrüsenproblemen auch ein Selen- bzw. Jodmangel.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Fit & vital statt schlapp & müde
Seite 2 Schwache Leber

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