Samstag, 23. Februar 2019

Fettleber Das versteckte Leiden

Ausgabe 02.2015

Experten warnen: Die Fettleber entwickelt sich mehr und mehr zur Volkskrankheit und darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Eine Betroffene und ein Arzt erzählen.


Foto: Miriam Höhne

Brigitte Schäffer, 63 Jahre alt, ist Rheumapatientin und muss zweimal jährlich zur Blutkontrolle. Vor rund einem Jahr zeigte der Blutbefund das erste Mal erhöhte Leberwerte. „Es war ein schleichender und kontinuierlicher Anstieg“, so die pensionierte Wiener Volksschuldirektorin im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN. Vergangenen Herbst erreichten die Werte einen Bereich, der zwar noch nicht allzu kritisch war, aber doch nicht ignoriert werden konnte. Schäffer wurde zu einem Hepatologen überwiesen. „In der Nacht vor der Diagnose konnte ich so gut wie kein Auge zutun.“ Dann die Erlösung – Schäffer hatte Glück im Unglück: Bei ihr wurde eine Fettleber festgestellt, ein irreparabler Leberschaden war noch nicht vorhanden. Schäffer erinnert sich an jenes Arzt-gespräch vor vier Monaten, das ihr rückblickend das Leben rettete: „Mein Arzt machte mir deutlich: Viel hätte zu einer Leberentzündung nicht mehr gefehlt. Ich war an einem Punkt angelangt, wo es klar war: Ich musste meine Lebensweise ändern. Da hat sich ein Schalter in meinem Kopf umgelegt.“

Zucker und Fett. Prinzipiell unterscheidet man zwischen einer alkoholischen Fettleber, die durch jahrelangen übermäßigen Alkoholkonsum hervorgerufen wird, und einer nicht-alkoholischen Fettleber, deren Ursache meist eine zu kalorienhaltige Ernährung und somit Übergewicht ist. Aktuelle Studien zeigen, dass 70 Prozent der übergewichtigen Erwachsenen, 40 Prozent der übergewichtigen Kinder und gar 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker eine Fettleber aufweisen – Tendenz steigend. „Besonders die nicht-alkoholische Fettleber-Erkrankung hat sich in den letzten Jahren zu einer Volkskrankheit entwickelt“, betont Prof. Dr. Arnulf Ferlitsch, Facharzt für Innere Medizin (www.medfkf.at). „Vor allem unter Jugendlichen beobachten wir aufgrund der starken Verbreitung von Fast Food und Fertiggerichten einen deutlichen Anstieg.“ Zwar können auch Virusinfektionen, Autoimmunerkrankungen sowie die Genetik eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Fettleber spielen, als häufigster Auslöser gilt jedoch ein Übermaß an Kohlenhydraten – und ein Fehlen an Bewegung. „Wir essen zu viel und bewegen uns zu wenig“, so Ferlitsch. In starkem Zusammenhang mit der nicht-alkoholischen Fettleber steht auch der steigende gesellschaftliche Konsum an Fructose, besonders in Form des versteckten Ahornsirups („high fructose corn syrup“), der u. a. in Müslis, Softdrinks oder Fertiggerichten zu finden ist. „Was viele Menschen nicht wissen: Zucker ist, ähnlich wie Alkohol, Gift für die Leber“, so Ferlitsch. „Er wird ausschließlich in der Leber verstoffwechselt und dort in Fett verwandelt.“ Deshalb, so der Experte, können auch schlanke Menschen eine Fettleber entwickeln, wenn diese sich einseitig ernähren.

Die Schoki zwischendurch. Auch bei Brigitte Schäffer war falsche Ernährung der Grund für die Fettleber. „Nicht zuletzt, weil mein Mann seit seinen Jugendjahren Diabetiker ist, war ich immer der Meinung, dass wir uns in der Familie gesund ernähren.“ Fertiggerichte kamen im Hause Schäffer, bis auf wenige Ausnahmen, nie auf den Tisch. „Der Teufel war aber in den Süßigkeiten zwischendurch versteckt“, gibt die Pensionistin offen zu. Ein Stückerl Schokolade hier, ein Stück Torte dort, Knabbereien am Abend. Auch zahlreiche Schicksalsschläge in den letzten Jahren haben dazu geführt, dass das Stückerl Schoki immer größer und die Nachspeise immer üppiger wurde. „In schwierigen Zeiten denkt man nicht daran, ob man nun ein Stück Obstkuchen mehr oder weniger isst. “ Beschwerden hätte sie nie gehabt, „außer mal ein Völlegefühl oder ein Zwicken im Bauch“. Das ist nicht ungewöhnlich, betont Prof. Dr. Ferlitsch: „Eine reine Fettleber, die an sich noch keinen Krankheitswert hat, macht meist keine oder sehr unspezifische Beschwerden.“ Weshalb Fettleber oftmals eine Zufalls-
diagnose sei, meint der Experte. Über längere Zeit erhöhte Leberwerte seien allerdings immer Warnsignale. Ferlitsch betont aber, dass der Gamma-GT-Wert ein sehr unspezifischer sei. „Deshalb kämpfen wir aktuell dafür, dass der GPT-Wert in die Vorsorge-Untersuchung aufgenommen wird.“

Folgekrankheiten. Mittels Ultraschall wird die Verfettung der Leber festgestellt, eine Messung des genauen Fettanteils und der Leberdichte ist allerdings nur mit einem Fibroscan möglich, ein neuartiges und bis dato wenig verbreitetes Diagnosegerät. „Ziel ist es, dass diese Ultraschall-ähnliche Untersuchung die Leberbiopsie zukünftig ersetzen könnte“, erklärt Ferlitsch, der sich dafür einsetzt, dass eine vorhandene Fettleber nicht länger auf die leichte Schulter genommen werden darf: „Viele Ärzte und viele Patienten verharmlosen dies immer noch und sind sich nicht im Klaren, dass eine Fettleber ernsthafte Schäden verursachen kann.“ So kann es zu einer Entzündung (Hepatitis) sowie sogar zu einer Leberzirrhose kommen, zudem haben Studien bestätigt, dass eine Fettleber das Risiko für Herzkrankheiten, Diabetes und chronische Nierenerkrankungen erhöht.

Veränderter Lebensstil. Eine medikamentöse Therapie gibt es bis dato noch nicht, eine reine Fettleber kann sich aber mit konsequenter und langsamer Gewichtsreduzierung und viel Bewegung komplett zurückbilden. Brigitte Schäffer wandte sich an eine Ernährungsberatung („Ohne hätte ich es nicht geschafft!“), die ihr dazu riet, die Kohlenhydrate um ein Vielfaches zu reduzieren, aber nicht völlig wegzulassen. „Auch ist zwischendurch ein Stück Kuchen oder ein Glas Wein erlaubt“, erzählt sie. „Ich esse viel Gemüse, aber übertreibe es mit dem Obst nicht, aufgrund der Fructose. Auf Softdrinks verzichte ich komplett.“ Besonders Fisch, Nüsse, Olivenöl und Haferflocken sind geeignete Lebensmittel, um Leberfett abzubauen, „auch Kaffee wirkt sich positiv auf die Leber aus“, betont Ferlitsch. Allgemein sollte fettarm und abwechslungsreich gegessen werden. Schäffer isst drei große Mahlzeiten, Snacks zwischendurch sind nur noch eine Ausnahme. „Die ersten 14 Tage waren hart“, gibt sie zu. In dieser Zeit hat sie auch die Lust an der Bewegung entdeckt, legt die meisten Strecken nun zu Fuß zurück. In vier Monaten hat sie fünf Kilogramm abgenommen – aber nicht nur das: Ihre Leberwerte haben sich in kürzester Zeit um mehr als die Hälfte reduziert, nähern sich immer mehr dem Normbereich. Brigitte Schäffer lacht: „Heute geht es mir rundum gut, sogar meine rheumatischen Beschwerden sind weniger geworden. Ich achte nun auf mich.“

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