Mittwoch, 20. Februar 2019

Fette Erbschaft

Ausgabe 2016.11

Tiefkühlpizza, Stress, Medikamente oder Bewegungsmangel: Sie alle können den ungünstig beeinflussen. Aber auch die sind mitunter für erhöhte Blutfettwerte verantwortlich.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - halfpoint

Sie gehört zu den häufigsten angeborenen Fettstoffwechselstörungen, wird aber nur selten sofort erkannt: Bei der „familiären Hypercholesterinämie“ ist ein Gendefekt an Bindungsstellen für LDL-Cholesterin in der Leber feststellbar, der für das Ansteigen des bösen LDL-Cholesterins sorgt – und damit zu vorzeitiger Arteriosklerose mit Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann. Liegt die heterozygote Form vor – wurde das Gen also nur von einem Elternteil vererbt – so haben die Betroffenen nur die Hälfte der LDL-Rezeptoren, die das Cholesterin aus dem Blut fischen. Die Folge: Werte um 300 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder höher – selbst bei guter Lebensweise. „Man geht davon aus, dass etwa jeder 250ste bis 400ste Österreicher an dieser Form der Stoffwechselstörung leidet“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Stoffwechselexperte an der Wiener Rudolfstiftung. Sind beide Gene betroffen, liegen die LDL-Werte immer über 500 mg/dl – und es kommt oft schon vor dem 20. Lebensjahr zu Blutgefäßerkrankungen wie dem Herzinfarkt. Zum Glück kommt diese homozygote Form nur äußerst selten vor.

Äußere Anzeichen sind selten. Das Heimtückische: Die familiäre Hypercholesterinämie zeigt meist keine Symptome. „Nur vereinzelt macht sich das überschüssige LDL-Cholesterin durch sichtbare Ablagerungen in der Haut bzw. an den Augenlidern oder durch eine Trübung am Rand der Hornhaut bemerkbar“, so Ludvik. In den meisten Fällen sieht man den Betroffenen aber nichts an. Ganz im Gegenteil: Sie sind oft sehr schlank, ernähren sich ausgewogen und betreiben Sport. Den erblich bedingten zu hohen LDL-Cholesterinwerten kommt man oft erst durch Routineuntersuchungen des Blutes auf die Schliche. Häufig werden sie auch erst durch Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte oder schwere Durchblutungsstörungen entlarvt.

Wichtig: Früherkennung. Experten empfehlen daher, die Cholesterinwerte bereits ab dem Jugendalter genauer unter die Lupe nehmen und untersuchen zu lassen. „Das gilt besonders für Menschen mit einer familiären Vorbelastung, also mit Verwandten, die bereits in jungen Jahren von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall böse überrascht wurden“, sagt Ludvik. Dazu werden die Cholesterinwerte im Blut gemessen. LDL-Werte über 190 mg/dl gelten als zu hoch. Können primäre Grunderkrankungen wie z. B. Diabetes ausgeschlossen werden, kann eine Analyse der Gene inklusive Familienscreening aufschlussreich sein.

Medikamentöse Begleitung. Wurde eine familiäre Hypercholesterinämie festgestellt, muss man sich damit nicht abfinden. Vielmehr hängt die Therapie vom Schweregrad der Diagnose ab. Ziel ist es, den LDL-Spiegel nachhaltig zu normalisieren, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen. Das gelingt einerseits durch medikamentöse Begleitung in Form von Statinen oder Resorptionshemmern. Relativ neu sind sogenannte PCSK9-Inhibitoren, die alle zwei bis vier Wochen in den Muskel gespritzt werden und die LDL-Werte drastisch (um bis zu 65 Prozent) senken.

Gesunder Lebensstil. Nur: Die richtigen Medikamente sind bei einem zu hohen LDL-Spiegel keinesfalls ein Freifahrtschein für einen ungesunden Lebensstil. „Vielmehr unterstützen eine vollwertige, ballaststoffreiche Kost, der Verzicht auf Nikotin und eine Reduktion des Alkoholkonsums, regelmäßiger und moderater (!) Ausdauersport sowie Entspannungseinheiten den Behandlungserfolg“, ist Ludvik überzeugt. In puncto Ernährungszufuhr kommt es auf Menge, Ausgewogenheit und Qualität an. Tierisches Fett, Fertiggerichte und Zucker gilt es zu vermeiden. Empfehlenswert sind Vollkornprodukte, Nüsse, viel Obst und Gemüse sowie gehaltvolle Fischsorten wie Hering oder Lachs. Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren liefern auch pflanzliche Öle. Eine besonders vorteilhafte Zusammensetzung für unseren Organismus weisen dabei Lein-, Raps-, Nuss-, Oliven- oder Hanföl auf.

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