Sonntag, 22. September 2019

Ferien Hauptsache gesund!

Ausgabe 2019.06
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Das Zeugnis abholen und rein ins Vergnügen! GESÜNDER LEBEN zeigt, wie sich der bevorstehende schulfreie Alltag nicht nur abwechslungsreich, sondern auch gesund meistern lässt.


Foto: iStock-an-Otto

Die Sommerferien nahen mit großen Schritten. Während Kinder und Jugendliche sich darauf freuen, dem schulischen Alltag für neun Wochen den Rücken zu kehren, stehen die meisten Mütter und Väter vor einer organisatorischen Herausforderung – vor allem, wenn beide Elternteile berufstätig sind. Der gemeinsame Familienurlaub an den Strand, auf die Berge oder in die Wüste deckt mitunter ein paar Ferienwochen abwechslungsreich ab, doch was danach? Mit etwas Planungsgeschick, der Nutzung zahlreicher Ferienangebote – von Horteinrichtungen bis zu diversen Camps – sowie der Hilfe von Verwandten und Freunden hat man es immer noch geschafft. Doch: Wie lässt sich die freie Zeit auch sinnvoll und gesund gestalten? Wie beugt man Langeweile, zu viel Pommes mit Ketchup, dem dritten Eis an einem heißen Sommertag und übermäßigem Digitalkonsum vor?

Wassermelone statt Schokoeis
Angesichts der Tatsache, dass jeder vierte österreichische Jugendliche übergewichtig oder gar schon fettleibig ist und das Plus auf der Waage ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko darstellt, sollte vor allem auf eine möglichst ausgewogene Ernährung geachtet werden. Denn: Auch wenn der Alltag in den Ferien anders als sonst aussieht, sind sie kein Grund, gesunde Ernährungsgewohnheiten über Bord zu werfen. „Kinder sollten selbstverständlich auch an schulfreien Tagen mit genügend Vitaminen und Spurenelementen versorgt werden. Je frischer und saisonaler die Gerichte, desto besser“, betont Univ.-Prof. Dr. Susanne Greber-Platzer, MBA, Leiterin der Ambulanz für Adipositas und Fettstoffwechselstörungen an der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. „Zudem empfiehlt es sich, drei Mal pro Tag zu essen, auf Snacks möglichst zu verzichten und allenfalls als Jause ein Stück Obst zu sich zu nehmen.“ Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn egal ob auf dem Spielplatz, im Freibad oder bei der Oma: Dem Überangebot an überzuckerten Getränken und Naschereien kann man praktisch nicht entkommen. Vanilleeis, Cola-Schlecker oder grellbunte Fruchtgummisorten lauern überall. Grundsätzlich spricht auch nichts gegen den Genuss dieser verlockenden Verführer. Die Frage ist nur, in welchem Ausmaß! „Verbote sind prinzipiell kontraproduktiv; süße Belohnungen aber auch. Vielmehr sollten Süßigkeiten in den Alltag vernünftig integriert werden, zum Beispiel reglementiert nach dem Mittagessen als Dessert“, so Greber-Platzer. Es lohnt sich auch, zuckerarme Topfencreme oder klein geschnittenes Obst zu servieren. Gerade jetzt, in der heißen Jahreszeit, bieten die Märkte mit Wassermelonen, Himbeeren, Kirschen oder Nektarinen ein vielseitiges Angebot an köstlichen Frucht-sorten, die Kinder gern essen. Vergessen Sie aber als Elternteil nicht, dass Sie mit Ihrem eigenen Verhalten das Vorbild sind. Kinder achten darauf, was Sie konsumieren oder wie Sie mit Stress umgehen. Nehmen Sie sich daher auch selbst an der Nase, greifen Sie lieber zum Apfel anstatt zum Schokoriegel und verzichten Sie in der gesamten Familie auf gesüßte Getränke.

Gesund statt rund
Sportliche Betätigung spielt natürlich auch in den Ferien eine große Rolle. Vielen Kindern muss man Schwimmen, Klettern oder Tennisspielen nicht erst schmackhaft machen. Schließlich bedeuten sie: Spaß, frische Luft und Freunde treffen. Obendrein kurbeln sie auch den Energiestoffwechsel an, halten schlank. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind möglichst viel Zeit – sonnengeschützt – im Freien verbringt, um die Vitamin-D-Depots aufzufüllen und sich auszutoben – etwa beim Fußball oder Tischtennis, beim Rollerfahren oder einfach beim Herumtollen im Garten. Erledigen Sie zudem – auch hier im Sinne der Vorbildwirkung gemeinsam – diverse Wege zu Fuß, starten Sie ein Wettrennen, wer schneller die Treppen oben ist, um den Lift zu umgehen, oder unternehmen Sie eine Fahrradtour. Eine abwechslungsreiche geplante Wanderung, die mit einem abschließenden Spielplatzbesuch oder Picknick unter freiem Himmel abgerundet wird, steigert die Bewegungsmotivation. Übrigens: Eine Art „Anleitung“ für einen gesunden Lebensstil bieten auch die Programme zahlreicher Gesundheitscamps mit Schwerpunkt Ernährung und Bewegung. „Solche Ferien sollten aber nicht als Abnehmprogramm deklariert werden, sondern das Wohlbefinden in den Vordergrund stellen. Kinder sollen bemerken, inwiefern sich Sport und ausgewogene Mischkost auf die körperliche Fitness auswirkt“, ist Greber-Platzer überzeugt.

Zusammen statt allein
Kinder heutzutage von digitalen Medien fernzuhalten, ist nahezu unmöglich. Bereits etwa die Hälfte aller 8- bis 10-jährigen Kinder in Österreich besitzt ein Smartphone oder hat Zugang dazu. Tendenz steigend. Den digitalen Konsum zu verbieten, Fernsehminuten oder Computerspiele zu streichen, bringt daher – auch in den Ferien – nicht viel. „Wichtiger ist es, ein attraktives Freizeitprogramm zu gestalten, die Kinder sich nicht selbst zu überlassen, Regeln aufzustellen und auch Kompromisse zu schließen“, so Greber-Platzer. Die Zeit, die vor dem Fernseher, vor der Konsole, im Internet oder mit dem Handy verbracht wird, sollte vorgegeben und natürlich eingehalten werden – nicht nur aus intellektuellen Gründen, sondern auch, um Haltungsschäden in der Rücken- und Nackenmuskulatur oder gereizten Augen vorzubeugen.

Lesen statt wischen
„Gelangweilte Kinder nutzen soziale Medien häufiger“, weiß Greber-Platzer. „Stattdessen ein Buch zu lesen oder etwas Kreatives zu gestalten, ist dann oft uninteressant. Lesen Sie daher Ihren Kindern öfter einmal spannende Geschichten vor und sprechen Sie mit Ihnen über die Inhalte, um sie letztendlich zum Selberlesen zu animieren.“ Sinnvolle gemeinsame Stunden – gerade an verregneten Ferientagen – verbringt man darüber hinaus mit unterhaltsamen Brettspielen, Mal- und Bastelaktivitäten, mit Gestaltung von Fotobüchern, einem Kino- oder Theaterbesuch oder auch einmal mit dem Aufräumen des Kellers, wo sich mitunter Kurioses und Vergessenes findet. Wem eine Nachprüfung bevorsteht, sollte natürlich auch nicht aufs Lernen vergessen – aber erst nach einer Ferienphase, in der an wirklich gar nichts Schulisches gedacht wird. „Das können bei dem einen zwei und bei dem anderen fünf Wochen sein. Schließlich ist jedes Kind anders – auch wenn es ums Lernen geht. Während sich der eine täglich mit dem Schulstoff beschäftigen muss, reicht dem anderen ein komprimiertes, konzentriertes Lernen gegen Ferienende“, erläutert Greber-Platzer. „Idealerweise bespricht man die richtige Vorgehensweise vorab mit den verantwortlichen Lehrern, um sich über den Nachzipf keine unnötigen Sorgen zu machen.“

Aber vergessen Sie nicht: Gelegentlich dürfen auch alle Regeln links liegen gelassen werden. Zuweilen den ganzen Tag im Pyjama zu verbringen, zu spielen, sich einen spannenden Film anzusehen und dabei gemeinsam in das Chips-Sackerl zu greifen, tut schließlich auch ganz gut und stärkt die Familienbande. – Gerade in den Ferien. 

Übersicht zu diesem Artikel:
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