Ess-Brechsucht (Bulimia Nervosa)

13. Oktober 2011
Bulimie ist eine Essstörung, die meist junge Frauen der Altersgruppe um Mitte zwanzig erfasst. Häufig waren diese Frauen als Kinder ein wenig pummelig. Brechsüchtige Frauen leiden unter der panischen Angst, sie könnten zu dick werden.


Sie nehmen meist nicht so extrem ab wie Magersüchtige und halten ihr Gewicht oft noch im Normbereich.

Die betroffenen Frauen leiden unter „Essanfällen“. Innerhalb kürzester Zeit stopfen sie Unmengen hochkalorischer und dickmachender Nahrungsmittel (z.B. Schokolade, Torten) in sich hinein. Anschließend wird die ganze Mahlzeit erbrochen.

Dieses Erbrechen verursacht starke Scham- und Schuldgefühle und in weiterer Folge depressive Zustände. Das Erbrechen müssen sie häufig nicht mehr manuell herbeiführen, der Gedanke daran verursacht es schon. Ähnlich wie bei Alkoholabhängigkeit erleben die Ess-Brechsüchtigen während des Essens euphorische Zustände und nach dem Erbrechen die Katerstimmung.

Ess-Brechsüchtigen ist bewusst, dass ihr Essverhalten gestört ist. Dieses Bewusstsein führt meist zu einer starken Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls. Das häufige Erbrechen führt auch dazu, dass das natürliche Völlegefühl verloren geht, sodass die Essanfälle häufiger und exzessiver werden.

Rund 5% der 15 bis 35-jährigen Mädchen und Frauen leiden unter Bulimie.

Diagnosekriterien
  1. Wiederholte Episoden von Essattacken, die durch den Verzehr von Mengen an Nahrung gekennzeichnet sind, welche die meisten Menschen im gleichen Zeitraum nicht essen würden. Dabei haben die Betroffenen das Gefühl, die Kontrolle über das Essverhalten (Menge und Art der aufgenommenen Nahrung) zu verlieren
  2. Wiederholte Anwendung von unangemessenen, eine Gewichtszunahme verhindernden Maßnahmen, wie z.B. absichtlich herbeigeführtes Erbrechen, Verwendung von Brechmitteln, Entwässerungstabletten, Klistieren, Fasten oder übermäßige körperliche Betätigung
  3. Die Essattacken sowie die Maßnahmen, die eine Gewichtszunahme verhindern sollen, kommen drei Monate lang mindestens zweimal pro Woche vor
  4. Figur und Körpergewicht haben einen übermäßig großen Einfluss auf das Selbstwertgefühl und die Selbsteinschätzung

Symptome und mögliche Folgen der Ess-Brechsucht

Ursachen der Ess-Brechsucht

Literatur:
1. Suchtpräventionsstelle Salzburg: Thema ist...Essen.; in Akzente
2. Bärbel Wardetzki: Bulimie: der Hunger nach Anerkennung
3. Trojovsky et al.: Anorexia nervosa – Magersucht; in Paediatrie und Paedologie 30, 1995), A93-99;
4. König et al.: Anorexie und Bulimie...wenn Essen unnatürlich wird; Informationsbroschüre der Österr. Ges. für Neurolgie und Psychiatrie
5. Saß, Wittchen, Zaudig: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen (DSM-IV), Hogreve, 1998
6. Dt. Ges. f. Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychiatrie u.a.(Hrsg.) Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. Dt. Ärzteverlag, 3. überarbeitete Auflage 2007, S. 117 - 130

Autor: Dr. Gerlinde Stern-Pauer, Mag. Christian Reumann
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