Dienstag, 19. Februar 2019

Erste Hilfe im Alltag

Ausgabe 2016.09

Wenn das Küchenmesser versehentlich abrutscht, siedendes Wasser auf dem Arm landet oder ein Apfelstück im Rachen steckt, ist die richtige Reaktion gefragt. gesünder leben zeigt, worauf Sie achten sollten.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - luckyraccoon

Kleine Notfälle passieren in Österreich zu Tausenden jeden Tag. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie man richtig reagiert. Wir zeigen Ihnen, was bei kleineren Wunden, Verbrennungen etc. zu tun ist – und sagen, wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten.

Hilfe, ich habe mich geschnitten!
Die Wundränder von Schnittwunden sind glatt begrenzt. Abhängig von ihrer Größe, bluten sie mehr oder weniger stark.
Erste Hilfe:  Sorgen Sie möglichst rasch mithilfe eines leichten Druckverbandes für die Blutstillung und reinigen Sie die Wunde vorsichtig mit fließendem Leitungswasser oder einer physiologischen Kochsalzlösung. Desinfizierend wirken Wundspraylösungen: Sie schützen vor Infektionen, schonen das Gewebe und unterstützen den Heilungsverlauf. Entscheiden Sie sich anschließend für sterile Pflaster oder Kompressen, die mit selbsthaftenden Bandagen fixiert werden und nicht mit der Wunde verkleben.
Wann zum Arzt?  Bei Schnittwunden, die länger als zwei Zentimeter und tiefer als einen halben Zentimeter sind, sollten Sie einen Mediziner konsultieren, da das sensible Netzwerk aus Nerven, Sehnen und Muskeln beschädigt sein könnte.

Hingefallen, verwundet!
Bei klassischen Schürfwunden handelt es sich meistens um oberflächliche Verletzungen, die durch punktförmige Einblutungen gekennzeichnet sind, weil kleinste Blutgefäße abreißen. Sie können bluten und nässen.
Erste Hilfe:  Wie bei Schnittwunden gilt auch hier: Nach Blutstillung und Reinigung sollte die Verletzung mit einem Wunddesinfektionsmittel behandelt werden. Schmutzpartikel und kleine Fremdkörper entfernt man mit einer Pinzette. Kleine Schürfwunden können meist offen, größere mit adäquaten Auflagen, die Feuchtigkeit aufnehmen, behandelt werden.
Wann zum Arzt?  Bei übermäßigen bzw. nicht stillbaren Blutungen und einer stark verunreinigten Wunde sollte aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr ein Arzt aufgesucht werden.

Ich habe mich verbrannt!
Der Kontakt mit heißen Flüssigkeiten, erhitzten Gegenständen oder Strom kann zu Verletzungen unterschiedlichen Grades der Haut führen, die schnell versorgt werden müssen.
Erste Hilfe:  Die betroffene Stelle soll etwa 10 bis 20 Minuten unter lauwarmes, fließendes Wasser gehalten werden, bis der Schmerz nachlässt. Anschließend werden Brandwunden keimfrei mit einem lockeren Wundverband abgedeckt. Spezielle Brandpflaster, die Feuchtigkeit spenden, fördern den Heilungsverlauf und minimieren das Narbenrisiko.
Wann zum Arzt?  Bei Brandblasen, die größer als die eigene Handfläche sind, muss aufgrund der potenziellen Infektionsgefahr und der hohen Kreislaufbelastung entweder gleich die Rettung oder ein Arzt kontaktiert werden.

Ich bekomme keine Luft!
Egal ob Hustenzuckerl beim Erwachsenen oder die Murmel beim Kleinkind: Wenn verschluckte Gegenstände die Atemwege blockieren, gerät man in Atemnot, die sehr rasch Erste-Hilfe-Maßnahmen erfordert.
Erste Hilfe:  Ruhe bewahren! Der Betroffene sollte abgestützt vorgebeugt werden, um ihm mit der flachen Hand fünf Mal zwischen die beiden Schulterblätter zu klopfen. Diese Methode kann auch bei Säuglingen und Kleinkindern angewandt werden, um den Hustenreflex auszulösen. Zusätzlich lernt man in Erste-Hilfe-Kursen spezielle Techniken wie den „Heimlich-Handgriff“, um in Notsituationen adäquat zu reagieren.
Wann zum Arzt?  Konnte der Hustenmechanismus nicht aktiviert werden, muss umgehend ein Notarzt verständigt werden!

Bewusstlos!
Wenn ein Mensch atmet, aber nicht auf Ansprache oder Berührung reagiert, ist er bewusstlos.
Erste Hilfe:  Da für Bewusstlose in Rückenlage Lebensgefahr besteht, müssen sie in eine „stabile Seitenlage“ gebracht werden. Dazu legt man den (dem Helfer) näher liegenden Arm des Bewusstlosen seitlich und erfasst den gegenüberliegenden Arm am Handgelenk und das Bein derselben Seite in der Kniekehle, sodass Arm und Bein mit dem Körper ein Dreieck bilden. Danach dreht man den Betroffenen vorsichtig in Seitenlage und überstreckt anschließend den Kopf nackenwärts, sodass Zunge und Atemwege nicht verlegt werden. Das Gesicht (Mund leicht geöffnet) ist dem Boden zugewandt. Eine minütliche Atem- und Kreislaufkontrolle ist ebenso vonnöten, bis professionelle Hilfe eingetroffen ist. Fehlen Atem- und Kreislaufzeichen, beginnt man mit wiederbelebenden Maßnahmen, die in einem Erste-Hilfe-Kurs gelehrt werden.
Wann zum Arzt?  Zögern Sie bei Bewusstlosigkeit nicht lange und alarmieren Sie einen Rettungsdienst.

Für den Notfall gut gerüstet

GESÜNDER LEBEN bat Apothekerin Mag. Irina Schwabegger-Wager um weitere Erste-Hilfe-Tipps.

  1.  Legen Sie Wert auf eine gut sortierte Hausapotheke mit Verbandsmaterial wie Pinzette, Schere, Mullbinden, Pflastern, sterilen Kompressen und Tupfern sowie Desinfektionsmitteln, Wundsalbe, Dreiecktuch, Alurettungsdecke und Momentverband.
  2.  Verwenden Sie nur geeignete Wunddesinfektionsmittel zur Desinfektion von Schnitt- und Schürfwunden. Desinfektionsmittel für die intakte Haut dürfen nicht auf offene Wunden gelangen – sie können das Gewebe schädigen!
  3.  Frischen Sie regelmäßige Ihre Tetanus-Impfung auf.
  4.  Lassen Sie speziell Wunden am Handrücken, am Rist oder in der Nähe von Gelenken unbedingt ärztlich begutachten, um Funktionsverlusten keine Chance zu lassen.
  5.  Die feuchte Wundbehandlung mit Spezialpflastern forciert den (narbenfreien) Heilungsverlauf.
  6.  Eine ärztliche Versorgung ist u. a. unumgänglich bei unstillbaren Blutungen, bei Verdacht auf innere Verletzungen sowie bei Augen-, Gesichts-, Kopf- und Genitalverletzungen. Suchen Sie einen Arzt innerhalb von sechs Stunden auf, um Wunden vor Keimbesiedelung zu schützen.

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