Donnerstag, 21. Februar 2019

Erste Hilfe bei Rückenschmerzen

Ausgabe 02.2015

Rückenschmerzen treten (scheinbar) plötzlich auf und beeinträchtigen unsere Lebensqualität. Was tun?


Foto: © Can Stock Photo Inc. - lightwavemedia

Ruckartige Bewegungen, eine ungünstige Schlafposition oder Zugluft sind oft die letzten Tüpfelchen auf dem i, welche eine Schmerzkaskade in Gang setzen können: Rückenbeschwerden äußern sich auf unterschiedliche Art und können sich durch ein Ziehen, Pochen oder Stechen  bemerkbar machen.

Etwa 70 Prozent aller Österreicher wurden bereits mindestens einmal von Kreuzschmerzen heimgesucht. Dabei handelt es sich hauptsächlich um sogenannte unspezifische Rückenschmerzen, deren Ursachen – im Gegensatz zu spezifischen Rückenschmerzen (z. B. Bandscheibenvorfall) – nicht eindeutig feststellbar sind und meistens nach einigen Tagen wieder verschwinden. Das bestätigt auch ao. Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, MBA, MSc, interim. Leiter der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation in Wien: „Meist liegt ein akuter, subakuter oder chronischer unspezifischer Rückenschmerz vor, der durch eine Haltungsinsuffizienz mit einer entsprechenden Fehlfunktion der betroffenen Muskelpartien sowie Schmerz und Flexibilitäts- sowie Mobilitätseinschränkungen charakterisiert ist.“ Bewegungsmangel, einseitige Belastungen, aber auch Stress forcieren diese muskulären Dysbalancen und begünstigen ein „Schmerzvermeidungsverhalten“: „Die Betroffenen verharren in vermeintlich günstigen Haltungspositionen und nehmen einen weiteren Funktionsverlust der Muskulatur in Kauf“, warnt Crevenna. Treffen Sie daher bei Rückenschmerzen frühzeitig folgende Erste- Hilfe-Maßnahmen, um die Beschwerden möglichst im Zaum zu halten.

Stufenlagerung. Zur Entlastung der gesamten Wirbelsäule sollte man – auf dem Boden – am Rücken liegend die Unterschenkel mit angewinkelten Knien auf einen Sessel legen. Vor allem bei Ischias- Schmerzen oder einem Hexenschuss bietet sich diese Erstmaßnahme – in Kombination mit Ruhe und Schonung – an.

Wärmebehandlung. Egal, ob in Form von Wickeln, Packungen (z. B. mit Heublumen oder Fango), Thermosalben oder Wannenbädern: „Wärme entspannt, lockert verhärtete Muskeln und wirkt zudem durchblutungsfördernd. Insbesondere Nackenbeschwerden werden durch thermotherapeutische Maßnahmen reduziert“, berichtet Crevenna. Tipp: Legen Sie sich einen warmen Thermophor, der von einem feuchten Tuch umgeben ist, an die schmerzende Stelle. Oder kleben Sie sich ein Wärmepflaster auf den leidgeplagten Rücken. Aber Achtung: Sollten sich die Schmerzen durch Wärmeeinwirkung verschlimmern, brechen Sie die Behandlung sofort ab. Schließlich kann eine Entzündung hinter den Schmerzen stecken. Und diese hat es lieber kühler.

Kälteanwendung. Einen leicht betäubenden Effekt erzielt man mit Eis. Es drosselt die Durchblutung und hemmt so die Weiterleitung von Schmerzreizen. Wenn also Rückenbeschwerden durch eine Entzündung bzw. einen „beleidigten“ Nerv verursacht werden (z. B. Ischias), empfiehlt es sich, einen Eisbeutel in ein Baumwolltuch zu wickeln und diesen – mehrmals täglich – aufzulegen.

Bewegung. Tagelang das Bett zu hüten ist trotz Rückenschmerzen nicht sinnvoll. „Vermeiden Sie Schonhaltungen, die wiederum andere Muskelpartien verspannen, und versuchen Sie stattdessen, sich moderat und im schmerzakzeptablen Bereich zu bewegen“, so Crevenna. Idealerweise gehen Sie spazieren oder schwimmen, um die Schmerzrezeption zu dämpfen.

Dehnungsübungen. Je nachdem, welche Körperregion vom Schmerz betroffen ist, empfehlen sich Übungen, die verkürzte Muskeln dehnen. Setzen Sie sich z. B. auf ihre Unterschenkel, strecken Sie Oberkörper und Arme und legen Sie nun Brust und Kopf auf den Boden. Das entlastet den gesamten Rücken.

Massagen. Durch eine professionell durchgeführte Massage lösen sich Verspannungen. Manchmal reicht es auch aus, sich zwischen Rücken und Zimmerwand einen Tennisball zu klemmen und durch rollende Auf-und-ab-Bewegungen die verhärtete Muskulatur zu massieren.

Aromatherapie. Zur Behandlung von Muskelverkrampfungen eignen sich auch Aromaöle wie das entzündungshemmende Rosmarinöl oder das schmerzlindernde Wintergrünöl. Auch mit Sandelholz-, Kiefern- oder Ingweröl lässt sich eine wohltuende Wirkung erzielen.

Stressreduktion. Da Rückenschmerzen oft auch psychische Ursachen wie z. B. Arbeitsplatzunzufriedenheit haben bzw. dadurch verstärkt werden, ist es wichtig, sich adäquate Ruhephasen einzuräumen. „Oft helfen schon einfache Entspannungstechnik

en. Entsprechende Atemschulungen und Muskelrelaxationstechniken, z. B. nach Jacobson, sowie die bewusste Einflussnahme auf den Beckenboden können bei Rückenschmerzen manchmal mehr als nur unterstützend wirksam sein“, meint Crevenna.

Der Weg zum Arzt. „Wenn allerdings nach einigen Tagen keine Verbesserung der Beschwerden eintritt und auf Hausmittel keine Reaktion erfolgt, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden, um ernst zu nehmende Ursachen auszuschließen“, rät Crevenna. Im Rahmen eines Anamnese-Gesprächs werden schwerwiegende Motive wie z. B. osteoporotische Frakturen, Wirbelkörpermetastasen oder entzündliche Abszesse erfragt und können entweder spezifisch therapiert oder ausgeschlossen werden. „Die individuellen Konzepte müssen von der Diagnose bis Therapie auf die besonderen psychosozialen und biologischen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt sein. Konzeptbestandteile können u. a. invasive und chirurgische Interventionen, die Pharmakotherapie – Stichwort: Analgetika und Co-Analgetika –, psychosoziale Interventionen und v. a. auch physikalische Therapieeinheiten sein“, so Crevenna.

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