Dienstag, 17. September 2019

Erkältet? Glauben Sie nicht alles!

Ausgabe 2014.11
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Erkältung, Schnupfen, Husten, Heiserkeit. Dagegen gibt es viele Tipps. Aber nur die wenigstens sind auch wirksam. GESÜNDER LEBEN zeigt, was gegen grippale Infekte wirklich hilft – und was nicht. Sie werden staunen!


Schnupfennasen und Dauerhuster begegnen uns nun überall. Bei Virenattacken und bakteriellen Angriffen behelfen sich die meisten mit medizinischem Halbwissen und altbewährten Hausmittelchen. Doch wie verhält man sich am besten? Und: Kann man sich jetzt noch vor Ansteckung schützen? Was wirklich hilft und was uns eher schadet, erklärt der Wiener Allgemein- und Komplementärmediziner Dr. Wolfgang Molnár. So werden Sie schneller wieder gesund, falls Sie ein grippaler Infekt erwischt hat.

Hängen Verkühlungen
immer mit Kälte zusammen? Der Begriff Erkältung ist irreführend, sagt der Mediziner: „Denn nicht kalte Temperaturen lösen die Erkältung aus, sondern hartnäckige Viren. Dennoch sind im Winter mehr Menschen davon betroffen, weil das Immunsystem Krankheitskeime bei niedrigen Temperaturen nicht so leicht abwehren kann. Das liegt oft an trockenen Schleimhäuten in den Atemwegen, an denen die Erreger dann leichter vorbeikönnen.“ Am häufigsten infiziert man sich durch Händeschütteln und bei Menschenansammlungen in stickigen Räumen. Dennoch sollte man kalte Füße vermeiden, weil sich dadurch die Blutgefäße auch in der Nase zusammenziehen. Das wiederum senkt die Abwehrkraft gegen unerwünschte Eindringlinge.

Schützt regelmäßiges Lüften vor Infekten?
In geschlossenen Räumen steigt die Zahl der Viren oft stark an. Regelmäßiges Lüften wirkt dem entgegen und reduziert das Risiko, sich anzustecken. Molnár: „Zudem verbessert man mit dem Öffnen der Fenster das Raumklima.“ Am besten ist stoßweises Lüften mindestens viermal täglich für rund zehn Minuten. Gekippte Fenster hingegen erhöhen nur den Energieverbrauch der Heizung – mit eher geringem Effekt für die Luftverbesserung.

Sollte man bei einer Verkühlung auf Sport verzichten?
Körperliche Anstrengung kann einen angegriffenen Organismus weiter schwächen und sogar Folgeerkrankungen wie Bronchitis, Lungenentzündung und Herzmuskelschäden hervorrufen. „Eine Erkältung muss auskuriert werden, bevor man wieder aktiv wird“, warnt der Mediziner. Leichte Bewegung schadet bei Schnupfen aber keineswegs: Durch Spaziergänge in der Natur werden die Schleimhäute der Atemwege besser durchblutet. Wer sich gesund gern und viel bewegt, trägt aber zu einem gestärkten Immunsystem bei und reduziert auch den durch Lichtmangel hervorgerufenen Winterblues.

Verringert häufiges Händewaschen die Ansteckungsgefahr?
Die Hände kommen den ganzen Tag über mit Gegenständen und Menschen in Berührung – und auf diesem Weg auch mit Viren. Da die Erreger von den Händen leicht auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund kommen, ist die Hygiene der Hände besonders wichtig. Molnár: „Vor allem in Grippezeiten sollte man die Hände regelmäßig waschen, insbesondere vor dem Zubereiten von Speisen, vor dem Essen, nach dem Gang auf die Toilette und wenn man nach Hause kommt.“ Am besten so: Die Hände unter fließendes Wasser halten, anschließend die Seife 20 bis 30 Sekunden auch zwischen den Fingern verreiben, sorgfältig abspülen und abtrocknen. Darüber hinaus sollte man versuchen, die Hände vom Gesicht fernzuhalten und möglichst selten andere Hände zu schütteln.

Schaden Nasensprays mehr als sie nützen?
Abschwellende Nasentropfen sorgen für eine bessere Belüftung von Nase und Nasennebenhöhlen. Damit lindern sie nicht nur den Schnupfen, sondern schützen auch vor der Entwicklung einer Nebenhöhlenentzündung. Die längere Anwendung kann jedoch problematisch sein, weil die Nasenschleimhaut austrocknet und die Nase chronisch verstopft. Nasentropfen bzw. -sprays sollten daher maximal sieben Tage lang angewendet werden. Molnár: „Präparate, die zusätzlich den pflegenden Wirkstoff Dexpanthenol enthalten, schützen die Nasenschleimhaut vor Austrocknung, auch Meerwassersprays können zur Befeuchtung der Nasenschleimhäute verwendet werden.“

Soll man beim Husten und Niesen am besten die Hand vorhalten?
Diese Reaktion ist gut gemeint, schützt aber andere nicht vor Ansteckung. Ganz im Gegenteil, meint der Gesundheitsexperte: „Dabei katapultiert man eine große Zahl an Keimen aus dem Körper, die auf der Hand bleiben und sich durch Berühren von Gegenständen und Personen rasch weiterverbreiten.“ Gescheiter ist es, ein Taschentuch zu verwenden oder in den Ärmel am Ellbogen zu husten oder zu niesen, um die Hände keimarm und das Übertragungsrisiko niedrig zu halten. Dabei sollte man einen größtmöglichen Abstand zu anderen einhalten und sich vom Gegenüber abwenden.

Verkürzen Antibiotika die Krankheitsdauer?
„Da die typische Erkältung durch Viren ausgelöst wird, ist ein Antibiotikum hier nutzlos, das nur gegen bestimmte Bakterienstämme wirkt“, betont der Arzt. Studienergebnisse haben dies bestätigt: Die Heilungsdauer einer Nasennebenhöhlenentzündung verringert sich auch mit Antibiotika nicht. Kommt zur viralen Infektion eine bakterielle hinzu, können Antibiotika durchaus Sinn machen. Ein hartnäckiger Husten kann ein Hinweis dafür sein, dass sich nun auch Bakterien in den Atemwegen breitmachen. Das kann allerdings nur über einen Arztbesuch abgeklärt werden.

Sind gebrauchte Taschentücher eine Brutstätte für Keime?
„Man kann sich nicht selbst erneut infizieren, wenn man sein eigenes Taschentuch öfter benutzt, da sich die Krankheitserreger ja ohnehin bereits im eigenen Körper befinden“, so Molnár. Deshalb macht es prinzipiell nichts, wenn man sich häufiger in ein Taschentuch schnäuzt. Allerdings stellen benutzte Taschentücher eine große Gefahr für andere Menschen dar: „Keime können in einem Taschentuch bis zu zwölf Stunden überleben, denn im feuchten Milieu finden sie ideale Überlebensbedingungen vor.“ Greift nun ein gesunder Mensch ein benutztes Taschentuch an, steigt für ihn das Risiko, selbst krank zu werden. Deshalb sollten verkühlte Menschen ihre Taschentücher möglichst selbst entsorgen.

Übersicht zu diesem Artikel:
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