Montag, 16. September 2019

Entspannt durch die Wechseljahre

Ausgabe 2015.06
Seite 1 von 2

Wenn es die Hormone zu bunt treiben, sehen Frauen im Wechsel oft schwarz. Schweißausbrüchen, Stimmungsschwankungen und Co kann aber ein Schnippchen geschlagen werden – wir zeigen wie.


Foto: Can Stock Photo Inc. - SergeyNivens

An biochemische Achterbahnfahrten sind Frauen im Laufe ihres Lebens gewöhnt. Von der Pubertät über etwaige Schwangerschaften bis zum Ende der Reproduktionsfähigkeit, die mit dem Klimakterium (Wechsel) eingeläutet wird, ist das weibliche Geschlecht turbulenten hormonellen Anpassungsprozessen ausgesetzt. Vor allem in den Wechseljahren, die sich etwa zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr vollziehen, kommt es zu einer Reihe von physischen und psychischen Veränderungen, die unterschiedlich ausgeprägt sein können. Kein Wunder, stellen doch die Eierstöcke nach etwa drei Jahrzehnten der regelmäßigen Zyklustätigkeit die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone ein, wodurch der Botenstoffhaushalt ins Wanken gerät. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gewichtszunahme, Chaosblutungen, trockene Haut oder Stimmungsschwankungen sind nur einige der zahlreichen Folgen, die sich dadurch bemerkbar machen können. Aufgrund des individuellen Verlaufs der Hormonumstellung werden jedoch auch die Wechselbeschwerden ganz unterschiedlich empfunden: Je ein Drittel aller Frauen leidet entweder unter keinen, leichten bis mittleren oder mittleren bis starken Symptomen. Wir zeigen, wie Sie mit einigen der oft lästigen Begleiterscheinungen zurechtkommen und die Weichen für den neuen Lebensabschnitt gekonnt neu stellen.

Kühlen Kopf bewahren. Zu den häufigsten Anzeichen in den Wechseljahren zählen Hitzewallungen, die sich über Gesicht, Hals und Oberkörper ausbreiten oder „bloß“ in Form eines lokal begrenzten Schweißausbruchs (z. B. im Nackenbereich) auftreten. Sie sind nicht nur auf den fallenden Östrogenspiegel zurückzuführen, sondern können auch durch Stress, Angst, Medikamente, Ernährung etc. verstärkt werden. „Ausgleichend und schweißhemmend wirkt beispielsweise Salbei, der, als Tee getrunken oder als Körperwaschung angewendet, einen positiven Einfluss auf die Schweißproduktion hat“, so Karin Grössing, ausgebildete Wechseljahre-Beraterin in Wien. Ebenfalls bewährt haben sich alle kreislauf- anregenden Maßnahmen, also Bewegung, Wechselduschen, Bürstenmassagen, Dampfbäder oder auch kühlende Armbäder. Alkohol, Kaffee oder scharf gewürzte Speisen, welche die Temperatur in die Höhe treiben, sollten reduziert werden. „Mit einem Fächer in der Handtasche ist man außerdem immer bestens gegen plötzliche Hitzewallungen gerüstet. Frauen in den Wechseljahren sollten aber auch die Courage besitzen, ihn zu benutzen. Selbstbewusstsein lindert eine Reihe von wechselbedingten Symptomen“, ist sich Grössing sicher.

Glücksmomente schaffen. Hormonelle Umstellungsprozesse, aber auch zahlreiche psychosoziale Veränderungen im Familien- und Berufsleben, die mit den Wechseljahren einhergehen, können aufs Gemüt schlagen und für Stimmungsschwankungen verantwortlich sein. Aktive Entspannungsmomente können die Laune hingegen heben und auch etwaig aufkommende Schlafstörungen lindern. Techniken, die etwa bei (Hormon-)Yoga, Qigong oder Meditation praktiziert werden, sorgen für die nötige Balance. „Suchen Sie sich gezielt maßgeschneiderte Rückzugsmöglichkeiten, wenn Erschöpfungszustände nicht enden wollen, und nutzen Sie den Wechsel als Gelegenheit, auf Ihre inneren Bedürfnisse zu hören“, so Grössing. Hilfreiche Kräuter bei leicht depressiven Verstimmungen sind überdies Johanniskraut und Traubensilberkerze – als Tee oder Fertigpräparat aus der Apotheke.

Vital bleiben. Auch mit steigendem Körpergewicht, das durch stetigen Abbau von Muskelmasse zugunsten von Fettgewebe gefördert wird, haben einige Frauen im Wechsel zu kämpfen. Wer sich mit den zusätzlichen Kilos nicht anfreunden möchte, kann durch ausgewogene Ernährung gegensteuern. Vor allem die sogenannten Phytoöstrogene, also Pflanzen, die in ihrer biochemischen Wirkung dem Östrogen gleichen und den Hormonhaushalt ohne Nebenwirkungen regulieren, spielen eine Rolle. Sie sind v. a. in Sojaprodukten wie Tofu und, in geringerer Konzentration, auch in Hülsenfrüchten, frisch geschrotetem Leinsamen, Spargel, Haferflocken, Kichererbsen oder Rhabarber enthalten. Und: Auch auf die Menge kommt es an. „Mit zunehmendem Alter reduziert sich der durchschnittliche Kalorien-Tagesbedarf um nicht zu unterschätzende 20 Prozent. Genießen Sie daher lieber kleine Portionen und nehmen Sie das Abendessen nicht zu spät ein“, rät Grössing. Und wenn Sie der einen oder anderen kulinarischen Versuchung doch nicht widerstehen können: Bleiben Sie gelassen und gleichen Sie den Energiehaushalt durch sportliche Betätigung (z. B. Walken, Joggen, Wandern etc.) wieder aus.

Knochen stärken. Bewegung ist auch das Um und Auf, wenn es darum geht, dem häufig anzutreffenden Schwund der Knochenmasse und der erhöhten Knochenbrüchigkeit – Stichwort Osteoporose – vorzubeugen. Experten empfehlen einen Mix aus Krafttraining, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination. Denn: Nur starke Muskeln helfen den Knochen, stabil zu bleiben. Hinzu kommt, dass Sport die Feinmotorik verbessert, wodurch Stürzen und Knochenbrüchen vorgebeugt werden kann. Mit vitamin- und mineralstoffreicher Ernährung (v. a. Kalzium, Vitamin D und K) und der Minimierung von säurehaltigen Lebensmitteln (z. B. tierischem Eiweiß, Fertiggerichten oder Weißmehl) legen Sie ein Scherflein nach. Vermeiden Sie auch den Konsum von Kalziumräubern wie Cola, Kaffee, Schnaps oder Energy-Getränken.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Entspannt durch die Wechseljahre
Seite 2 Mit Haut und Haaren

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information