Samstag, 24. August 2019

Entspannen Sie sich!

Ausgabe 2019.05
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Yoga, autogenes Training oder Meditation: Entspannungsverfahren gibt es viele. Aber welches ist für einen selbst am besten geeignet? Und wieso ist Entspannung eigentlich so wichtig? GESÜNDER LEBEN hat die Antworten.

 

Unser Alltag ist geprägt von Stress, Ärger und Hektik


Foto: © iSock_ PeopleImages

Keine freie Minute, um durchzuatmen und sowohl unserem Körper als auch unserem Geist Entspannung zu gönnen. Doch Entspannung ist essenziell für unsere Gesundheit: Bei Stress steigt die Ausschüttung von Stresshormonen wie Dopamin, Adrenalin und Cortisol. Die Folge: Unser Immunsystem wird geschwächt, wir werden anfälliger für Krankheiten. Gelingt es unserem Körper nicht, durch vermehrte Ausschüttung von Glückshormonen diese Stresshormone wieder abzubauen, kann dies ernst zu nehmende Folgen wie Bluthochdruck, Verdauungsprobleme, Migräne, Schlafstörungen oder Verspannungen nach sich ziehen. „Spannung und Entspannung sind zwei Pole, zwischen denen jedes Lebewesen mittel- wie langfristig eine situationsangemessene und gesunde Balance herstellen muss“, erklärt Björn Husmann, Diplompsychologe und Psychotherapeut aus Bremen (D) sowie erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Entspannungsverfahren (dg-e.de). „Menschen finden bei vielem Entspannung: Manche trinken Tee, mähen den Rasen oder hören Musik. Solche Alltagsentspannung ist gut, wohltuend und – je regelmäßiger, umso mehr – der Ausgeglichenheit förderlich.“

Tiefenentspannung
Besonders dann, wenn der negative Stress überhandnimmt, hilft auch der köstlichste Tee oder das spannendste Buch nicht mehr, um abzuschalten. Dann ist es empfehlenswert, sich sogenannten Entspannungsverfahren wie beispielsweise autogenem Training, Meditation, progressiver Muskelentspannung oder Yoga zuzuwenden. „Entspannungsverfahren ermöglichen Tiefenentspannung“, so Husmann. „Tiefenentspannung hat Ähnlichkeit mit den psychophysiologischen Prozessen beim Schlafen, sie wird aber mit klarer Selbstwahrnehmung psychosomatischer Abläufe praktiziert. Dazu ist zwar Übung nötig, nicht aber Hilfsmittel wie zum Beispiel eine Sauna oder chemische Substanzen. Ein regelmäßig praktiziertes Entspannungsverfahren hat den Zweck, die eigene Entspannungsfähigkeit zu kultivieren, sie bewusst zu erleben und einzusetzen, sie zu verfeinern und zu vertiefen oder sie vielleicht auch wiederzuentdecken.“ Entspannungsverfahren, so der Experte, „sind sehr wirksame Hilfen zur Selbsthilfe, welche die regelmäßig Praktizierenden in die Lage versetzen, selbstverantwortlich die eigene Gesundheit zu verbessern und zu stärken.“

Entspannen kann jeder
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Entspannungsverfahren die Gesundheit effektiv fördern, auch wenn „viele Untersuchungen von unterschiedlicher Qualität und Aussagekraft sind“, räumt Husmann ein. Generell gilt: „Jeder Mensch kann sich entspannen. Es braucht zunächst vor allem die Bereitschaft zum möglichst täglichen Praktizieren und dazu, sich auf das Verfahren – zumindest für ein halbes bis drei viertel Jahr – einzulassen, um es wirklich kennenzulernen“, betont der Experte. „Neugierde, Offenheit sowie etwas Geduld sind ebenfalls sehr hilfreich.“ Es gibt aber auch Kontraindikationen, bei denen Entspannungsverfahren mehr schädlich als nützlich sein können: zum Beispiel schwere Atemstörungen, schwere Schmerzzustände, schwere Depressionen, (sub-) akute Psychosen oder fortgeschrittene demenzielle Erkrankungen. Um das für sich geeignete Entspannungsverfahren zu finden, ist ein klärendes Gespräch mit jemandem hilfreich, der eine entsprechende Zusatzqualifikation und ausreichend Erfahrung mit diesen Methoden hat, der sich in einem Erstgespräch nach den persönlichen Zielsetzungen erkundigt „und der nicht lediglich einen Kurs verkaufen möchte“, warnt Husmann. „Suchen Sie sich einen qualifizierten Anleiter, der Entspannungsverfahren als Hilfe zur Selbsthilfe unterrichtet. Misstrauen Sie esoterischen Erweiterungen, Heilsversprechen und ähnlicher Geschäftemacherei. Trauen Sie hingegen Ihrem Körper und Ihrer Psyche – denn diese wissen intuitiv,
wie Entspannung funktioniert.“

Um Ihnen vorab eine kleine Orientierung im „Entspannungs-Dschungel“ zu bieten, erklärt Experte Björn Husmann in GESÜNDER LEBEN die weit verbreiteteten Entspannungsverfahren:

Autogenes Training
Beim autogenen Training stellt man sich vor, wie die Gliedmaßen schwer und warm werden. Man besinnt sich auf den Pulsschlag oder den natürlichen Atemrhythmus. Über den „Umweg“ der Vorstellung von Entspannung greift die Selbstverwirklichungstendenz von Gedanken im Körper: Das heißt, die Vorstellung von schweren Gliedern führt zu Muskelentspannung, Wärme und vermehrter Hautdurchblutung. Von Vorteil ist, dass autogenes Training vergleichsweise einfach zu erlernen ist. Die Anwendungsgebiete umfassen die Prävention von Krankheiten, die Steigerung von Stressresilienz, des Selbstwirksamkeitserlebens sowie der Konzentration. Auch bei mit Gereiztheit gepaarten Erschöpfungserscheinungen, Schlafproblemen, allgemeiner Nervosität, leichten psychosomatische Erkrankungen, leichten Ängste sowie leichter Niedergeschlagenheit kann autogenes Training nützen. Darüber hinaus gibt es behandlungsergänzende, therapieunterstützende, rehabilitative und therapeutische Anwendungen, in Österreich zum Beispiel die autogene Psychotherapie.

Progressive Muskelentspannung
Bei progressiver Muskelentspannung (der Fachausdruck heißt „progressive Relaxation“, da die Entspannungswirkung weit über die Muskeln hinausgeht) steht das Anspannen und Loslassen bestimmter Muskelgruppen im Zentrum: Man beginnt mit bloß einer Hand, danach Hand und Arm, dann Hände und Arme, später Gliedmaßen, Rücken-, Gesichtsmuskulatur usw. Die Wechselwirkung aus An- und Entspannung steht hier also im Fokus. Genauso wie autogenes Training kann dieses Entspannungsverfahren gut in einem Kurs erlernt werden. Auch die Anwendungsgebiete ähneln jenen des autogenen Trainings.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Entspannen Sie sich!
Seite 2 Meditation

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