Dienstag, 19. Februar 2019

Entflammt & ausgebrannt

Ausgabe 02/2012
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Ärzte schlagen Alarm: Eine Million Österreicher haben ein Burn-out oder stehen knapp davor. Doch was lässt uns so entflammen, dass wir dann ausbrennen? GESÜNDER LEBEN zeigt die Ursachen und Erscheinungsformen von Burn-out auf und stellt wichtige Präventions- und Behandlungsstrategien vor. Und wir haben den großen Test: Sind Sie Burn-out-gefährdet?

Foto: www.istock.com Ist auch Ihnen nichts so wichtig wie die Arbeit, lieben Sie es viel zu leisten und immer mehr zu leisten? Oder müssen Sie ganz einfach viel arbeiten? Und natürlich sollte dabei alles perfekt sein? Eine hehre Einstellung – gewiss, doch wenn Sie dabei den Blick für sich selbst verlieren, auf den Ausgleich vergessen, Freunde und Hobbys zu vernachlässigen beginnen, dann sollten Sie versuchen innezuhalten, denn die Zeitkrankheit Burn-out könnte auch Sie betreffen.

Eine Million Gefährdete. Damit wären Sie alles andere als allein, denn schon 500.000 Personen in Österreich leiden an massiven Formen des Burn-outs, und laut Business Doctors Studie sind gar rund eine Million Arbeitnehmer Burn-out-gefährdet.  

„Burn-out wie auch Depressionen, Sucht und andere psychische Erkrankungen gehören in Unternehmen inzwischen zu den häufigsten Ursachen für Fehltage der Mitarbeiter“, erklärt Lisa Tomaschek-Habrina, Leiterin des Instituts für Burn-out und Stressmanagement ibos in Wien, und sie betont: „Die meisten Unternehmen sind auf diese Entwicklung nicht vorbereitet. Führungskräfte sind sich unsicher, wie sie sich psychisch erkrankten Mitarbeitern gegenüber richtig verhalten sollen.“

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Reigen der äußeren Ursachen. Tatsächlich aber sind die Belastungen, die auf die Seele der Österreicher drücken, hoch: 47 % leiden unter einem (zu) hohen Arbeitstempo. Damit rangiert Österreich an 5. Stelle der EU-Staaten. Und: 53,8 % fühlen sich durch kurzfristige Terminsetzungen unter Druck gesetzt. Mit diesem Wert liegt Österreich bereits an 3. Stelle im EU-Vergleich.

Ja, Arbeitsüberlastung und Zeitdruck nehmen zu, und zugleich sinken die Kontroll- und Beeinflussungsmöglichkeiten des Einzelnen aufgrund starrer Strukturen oder unklarer Rollen- und Aufgabendefinitionen in den Firmen. Und das zählt auch zu den äußeren Faktoren, die Burn-out begünstigen. Kommen dann noch ein Mangel an Anerkennung, fehlende Rückmeldung über Erfolg bzw. Misserfolg, mangelnde stabile Beziehungen zu Kollegen, ein Missverhältnis zwischen den Anforderungen der Arbeit und den eigenen Prinzipien und schließlich noch unerwartete Verpflichtungen im Privaten dazu, dann ist der Reigen der gesellschaftlichen Ursachen für Burn-out perfekt.

Der eigene Anteil. Doch „das Außen“ ist es nicht allein, dass das Ausbrennen verursacht, die Fachwelt kennt auch innere Risikofaktoren: Idealisierung der Arbeit, Perfektionismus, Probleme beim Grenzen setzen und das Verdrängen eigener Bedürfnisse sowie ein geringes Selbstwertgefühl. „Nichts ist so wichtig wie die Arbeit und Leistung macht Spaß?“, fragt die Organisationspsychologin Natalia Ölsböck, und setzt nach: „Riskant wird das, wenn wichtige Alltagsstrategien zur Belastungsregulierung wegfallen – und genau das ist bei Burn-out der Fall. Die Arbeit erhält eine Alleinstellung – alles andere ist nicht so wichtig. Dass Freunde, Hobbys und sogar die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt werden, ist ein Prozess, der meist unbemerkt voranschreitet.“ Die ersten Symptome werden also oft verdrängt und verleugnet, man beißt die Zähne zusammen und möchte weiter leisten, leisten, leisten, doch, so Ölsböck: „Oft ist es dann ein Schicksalsschlag, der als Auslöser für einen Zusammenbruch fungiert, wenn beispielsweise ein Angehöriger krank wird oder es zu einer Trennung in der Partnerschaft kommt.“

Beachten Sie Frühwarnzeichen! Typischerweise entwickelt sich Burn-out über Monate bis Jahre in Stufen und – wie Tomaschek-Habrina erklärt „in einem fortlaufenden Prozess der physischen, emotionalen und mentalen Verausgabung.“ Doch es gibt Frühwarnzeichen: Wenn man immer wieder Schlafstörungen bemerkt, wenn die Konzentration nachlässt, Fehler passieren, Termine vergessen werden, unablässiges Gedankenkreisen um ein bestimmtes Thema stattfindet, wenn man das Gefühl hat, für nichts und niemanden mehr Zeit zu finden, wenn man bei kleinen Anlässen sehr gereizt reagiert, froh ist, in Ruhe gelassen zu werden, allmählich die Freizeitaktivitäten vernachlässigt, sich unaufhörlich erschöpft und ausgelaugt fühlt, und auch der Körper schon Symptome wie starke Verspannungen, Magen- Darmprobleme oder Spannungskopfschmerzen zeigt, sollte man unbedingt einen Gang zurückschalten.

Einen Gang zurückschalten. Zurückschalten beinhaltet laut der Organisationspsychologin Ölsböck auch Selbsthilfestrategien, die auf „mehr Erholung, mehr Freude und das unbedingte Berücksichtigen der eigenen Bedürfnisse abzielen“. Und: „Psychologische Beratung unterstützt beim Erkennen, Entlasten, Erholen und Ernüchtern – zum Beispiel des eigenen Perfektionismus.“ Worum es geht, ist zu lernen, die eigenen Bedürfnisse nicht hinten, sondern vorne anzustellen, überzogene Leistungsansprüche zu relativieren, die eigenen Werte zu überdenken, sich selbst Freiraum zu lassen und: sich Zeit für Kontakte zu nehmen, denn – so Ölsböck: „Gute Beziehungen zu anderen Menschen sind ein enormer Schutzfaktor.“

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