Sonntag, 27. Mai 2018

Endlich wieder richtig hören!

Ausgabe 2018.02
Seite 1 von 2

Mit fortschreitendem Alter nimmt die Fähigkeit zu hören immer mehr ab. So leidet jeder dritte 60- bis 70-Jährige an altersbedingter Schwerhörigkeit. Warum das so ist und was Sie als Betroffener gegen Altersschwerhörigkeit tun können, lesen Sie hier.


Foto: iStock-SIphotography

Die natürliche Leistungsfähigkeit des Gehörs nimmt ungefähr ab dem 50. Lebensjahr stetig ab. Jahrzehntelange Lärmbelastungen hinterlassen ihre Spuren. Zunächst fällt vielen Menschen gar nicht auf, dass ihr Gehör nachlässt. Erst wenn sich das Empfinden gegenüber Lautstärke immer mehr verändert, kommt der Gedanke hoch, dass es sich bei der zunehmenden Verschlechterung des Hörvermögens um Altersschwerhörigkeit handeln könnte. Hintergrundgeräusche werden plötzlich als enorm störend empfunden. Das Zuhören und Verstehen in der Gruppe wird zunehmend schwieriger. Dieser Hörverlust tritt im höheren Alter bei fast allen Menschen auf. Die Mehrzahl leidet anfangs sehr stark unter dieser veränderten Situation. Immerhin greift die Schwerhörigkeit gravierend in das gewohnte Leben ein. In vielen Fällen ist der Hörverlust deshalb mit großen psychischen Belastungen verbunden. Die mangelnde Fähigkeit zur Kommunikation stürzt viele in depressive Zustände oder gar in eine Lebenskrise, die nicht selten in einer sozialen Isolation mündet. Den Betroffenen fällt es häufig aus Angst und Scham schwer, sich ihre Altersschwerhörigkeit einzugestehen. Ein entsprechendes Hörgerät könnte Abhilfe schaffen, doch gut gemeinte Ratschläge von Angehörigen oder Freunden werden oft verworfen. Es geht schon irgendwie, meint ein Großteil der Schwerhörigen. Oft vergehen mehrere Jahre, bis endlich ein HNO-Arzt aufgesucht wird. Doch Vorsicht: Ein zu langes Hinauszögern führt mitunter dazu, dass das Hören komplett verlernt wird. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein reduziertes Hörvermögen im Alter Demenz begünstigt.

Viele Ursachen. „Die Altersschwerhörigkeit, auch als Presbyakusis bezeichnet,  entwickelt sich aufgrund mehrerer Einflussfaktoren“, weiß Dr. Lukas Klikovits, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. „In den meisten Fällen ist eine genetische Veranlagung vorhanden. Zusätzlich spielen belastende Umwelteinflüsse, die Ernährung sowie Genussgifte (Alkohol und Nikotin) und innenohrschädigende Medikamente für die Entstehung von Altersschwerhörigkeit eine wesentliche Rolle. Menschen, die im Laufe ihres Lebens beruflich oder in der Freizeit starkem Lärm ausgesetzt waren, leiden im Alter ebenfalls vermehrt an Schwerhörigkeit“, so Dr. Klikovits, Oberarzt im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt, weiter. „Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus stehen ebenso in Zusammenhang mit altersbedingter Schwerhörigkeit.“

Langsam, aber stetig. Der Hörverlust entwickelt sich in der Regel schleichend und schreitet nur langsam voran. Die Schwerhörigkeit im Alter unterscheidet sich von anderen Schwerhörigkeiten dadurch, dass sie symmetrisch beide Ohren betrifft und zusätzlich einen Hörverlust im Hochtonbereich auslöst. Die Betroffenen haben also Probleme beim Hören hoher und leiser Töne. So kann z. B. ein Vogelgezwitscher kaum mehr wahrgenommen werden. Musik wird teilweise als Krach empfunden. In einem fortgeschrittenen Stadium ist die verminderte Hörfähigkeit auch im mittleren und tieftönigen Hörbereich feststellbar. Außerdem kommt es bei Nebengeräuschen zu einem eingeschränkten Sprachverständnis. In lauter Umgebung nehmen die kognitiven Fähigkeiten ab. In Situationen mit starken Hintergrundgeräuschen hören die betroffenen Personen besonders schlecht. Sie haben das Gefühl, dass andere Menschen sehr undeutlich sprechen oder nuscheln. Dieser Zustand wird auch als Cocktailparty-Effekt bezeichnet. Des Weiteren muss beim Fernsehen der Ton immer lauter gestellt werden. Häufig haben Menschen, die an Altersschwerhörigkeit leiden, aufgrund des schlechteren Hörens auch zunehmend Schwierigkeiten beim Telefonieren. Eine Türklingel wird meist überhört. „Das Richtungshören nimmt ebenfalls ab, wodurch sich besonders im Straßenverkehr das Unfallrisiko erhöht“, kennt Dr. Klikovits die wachsende Gefahr bei Hörverlust. „Zudem können zusätzliche Ohrgeräusche (z. B. Tinnitus) auftreten, was ein weiteres Problem der Presbyakusis darstellt.“ Die genannten Symptome verstärken sich mit der Zeit, sodass die Hörfähigkeit ohne Behandlung immer mehr abnimmt.

Einfache, schmerzfreie Diagnose. Die Diagnosestellung erfolgt mittels einer ausführlichen HNO-Untersuchung und genauen Anamnese. So werden unter anderem etwaige Erkrankungen oder familiäre Vorbelastungen erfragt. Darüber hinaus wird eine Ohrenspiegelung, die sogenannte Otoskopie, durchgeführt. Mit einem Otoskop wird überprüft, ob Gehörgang und Trommelfell in Ordnung sind. Danach werden verschiedene Hörtests gemacht, um den Grad der Altersschwerhörigkeit zu diagnostizieren. „Zu den aussagekräftigsten Diagnoseverfahren zählt die Reintonaudiometrie. Sie stellt die Grundlage der audiometrischen Beurteilung des Hörvermögens dar. Ziel der Untersuchung ist es, die leisesten Töne zu bestimmen, die bei unterschiedlichen Frequenzen noch wahrgenommen werden können“, erklärt Dr. Klikovits. „Zusätzlich wird eine Sprachaudiometrie durchgeführt. Bei dem sprachaudiometrischen Verfahren wiederholt der Patient die ihm vorgespielten Zahlen bzw. Wörter. Dadurch kann die Sprachverständlichkeit geprüft werden. Mithilfe der Sprachaudiometrie lässt sich schlussendlich der prozentuale Hörverlust und somit auch der individuelle Grad der Schwerhörigkeit ermitteln.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Endlich wieder richtig hören!
Seite 2 Altersschwerhörigkeit

Aktuelle Ausgabe & E-Paper

cover 2018-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2018

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2018 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Raucher oder Nichtraucher?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information