Freitag, 24. Mai 2019

Endlich wieder gut hören!

Aushabe 02.2015

Wenn die Menschen um einen herum immer öfter nuscheln und Silben verschlucken, sollte man sich die ehrliche Frage stellen: Ist das wirklich mangelnde Sprachdisziplin oder vielleicht doch ein Hinweis auf eine (eigene) altersbedingte Schwerhörigkeit?


Foto: © Can Stock Photo_Inc. - roboriginal

Eine Minderung des Hörvermögens zeigt sich meist in größerer Runde, zum Beispiel, wenn man mit mehreren Menschen an einem Tisch sitzt und aufgrund anderer Gespräche oder Hintergrundgeräusche Schwierigkeiten hat, das Gesprochene zu verstehen“, erklärt Dr. Johannes Gächter, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Bregenz. Eine Schwerhörigkeit, bei der das Innenohr betroffen ist, ist in den meisten Fällen ein altersphysiologischer Vorgang. Das heißt: Wir hören mit zunehmendem Alter einzelne Töne schlechter, wobei insbesondere Töne in hohen Frequenzen davon betroffen sind. Der HNO-Arzt kann etwa im Rahmen eines Tonaudiogramms feststellen, wie es um das frequenzabhängige  Hörvermögen bestellt ist.

Hören Sie (noch) gut?

Schon ein einziges „Nein“ kann auf eine Hörminderung hindeuten. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und konsultieren Sie gegebenenfalls Haus- oder HNO-Arzt!

  • Überhören Sie Naturgeräusche (Blätter-, Meeresrauschen, Vogelgezwitscher)?
  • Überhören Sie Haushaltsgeräusche (Surren des Kühlschranks, Ticken des Weckers)?
  • Überhören Sie Telefon oder Türklingel?
  • Haben Sie verstärkt das Gefühl, dass Gesprächspartner nuscheln und Sie nachfragen müssen?
  • Verstehen Sie das gesprochene Wort schlecht, v. a. wenn Sie von einer Geräuschkulisse umgeben sind (z. B. bei Gesprächen in der Gruppe oder Unterhaltungen im Restaurant mit anderen Gesprächen und Musik im Hintergrund)?
  • Beschweren sich Familie oder Nachbarn über den zu lauten Fernseher bzw. das zu laute Radio?

Ohr an Hirn. Das reine Tonhören bereitet seltener Probleme, schließlich müssen Töne nicht „verstanden“ werden – im Gegensatz zum gesprochenen Wort, bei dem das Gehirn eine zentrale Rolle spielt: Werden nämlich aufgrund einer altersbedingten Schwerhörigkeit zu wenige Informationen an das Sprachzentrum im Gehirn weitergeleitet, muss der Betroffene nachfragen. Und es ist gerade dieser Konnex – oder vielmehr dieser durch eine mögliche Hörminderung gestörte Konnex – der weitreichende Folgen haben kann, wie Gächter verdeutlicht: „Wenn das Gehirn keine oder zu wenige auditive Informationen bekommt, besteht die Gefahr, dass es zu einer bleibenden Verarbeitungs-
und Wahrnehmungsstörung kommt. Soll heißen: Hat das Gehirn erst einmal verlernt, mit Informationen des Gehörs umzugehen bzw. diese zu verarbeiten, ist es sehr schwer bzw. mitunter sogar fast unmöglich, dies wieder zu erlernen.“ Je früher man sich also selbst eingesteht, dass man das gesprochene Wort nicht mehr (so gut) versteht, umso besser – vor allem weil man dann mithilfe eines Hörgeräts durchaus gute Erfolge erzielen kann. Das Tragen eines Hörgeräts ist allerdings nicht jedermanns Sache, etwa aus ästhetischen Gründen. Mittlerweile sind aber Hörlösungen auf dem Markt, die als „Im- Ohr-Modell“ oder „Mikro-hinter-dem-Ohr-Modell“ kaum sichtbar sind. Zwar können nicht korrekt eingestellte bzw. angepasste Hörgeräte dazu führen, dass man beispielsweise lärmempfindlicher wird. Hier kann jedoch ein geschulter Akustiker Abhilfe schaffen. So oder so empfiehlt der Bregenzer HNOArzt seinen Patienten, die Verwendung eines Hörgeräts zumindest in Betracht zu ziehen. Und gute Akustiker bieten ohnehin die Möglichkeit, ein Gerät über zwei, drei Wochen zu testen. Ob im Ohr oder hinte dem Ohr ist übrigens Geschmacksache, betont Johannes Gächter: „Beide haben Vorund Nachteile, die mit dem HNO-Arzt und/ oder Akustiker ausführlich besprochen gehören.“

Gut hören – ein Leben lang. Wenngleich unser Hörvermögen mit den Lebensjahren nachlässt, können wir dieser Alterserscheinung sehr wohl vorbeugen – etwa, indem wir unser Gehör vor übermäßigem Lärm schützen. Generell gilt: Alles, was über 85 Dezibel (dB) liegt (z. B. stark befahrene Straße, aber auch das Läuten eines Telefons), kann unseren Ohren schaden. Während wir jedoch eine Lärmbelastung von rund 80 dB über mehrere Stunden aushalten können – obwohl das freilich nicht empfehlenswert ist –, reichen bei über 100 dB (z. B. Motorsäge, Diskomusik, Symphoniekonzert, Kettensäge) schon wenige Momente, damit das Gehör Schaden davontragen kann. Abgesehen davon rät HNO-Arzt Gächter zu einem allgemein gesunden Leben: „Neben einer ausgewogenen Ernährung wäre meiner Meinung nach das Protektivste überhaupt, wenn wir uns eine gewisse Langsamkeit angewöhnen und anhaltenden Stress sowie Reizüberflutung vermeiden. Wir müssen nicht ständig in Alarmbereitschaft sein, sondern sollten uns vielmehr Zeit für Regeneration nehmen.“ Mit anderen Worten: Hören Sie auf Ihren Körper, der schreit nämlich viel öfter nach Ruhe und Entspannung, als wir meinen.

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