Dienstag, 11. Dezember 2018

Endlich wieder das Essen genießen!

Ausgabe 2018.04
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Wenn Essen und Nahrungsmittel statt Genuss krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit mit sich bringen, dann sollten Sie handeln. GESÜNDER LEBEN zeigt, warum Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen immer häufiger vorkommen. Und erklärt, was Sie tun können, um das Essen wieder zu einem gesunden Fest der Sinne zu machen.


Foto: iStock-PeopleImages

Während der Körper bei einer Nahrungsmittel-unverträglichkeit ein Verarbeitungsproblem mit bestimmten Nahrungsmitteln oder deren Bestandteilen hat, steht bei Nahrungsmittelallergien die körpereigene Abwehr im Mittelpunkt des Geschehens. Das Immunsystem startet eine gezielte Abwehrreaktion auf im Grunde harmlose Nahrungsbestandteile und löst dadurch mitunter heftige (im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohliche) Allgemeinsymptome wie Juckreiz, Schwellungen oder Atemnot aus. Und das Problem wird immer größer: „Die Zahl der Neuerkrankungen an Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten steigt jährlich um circa zehn Prozent an. Veränderungen im Essverhalten, stark verarbeitete Lebensmittel wie Fertig- oder Tiefkühlprodukte, der Verzehr von exotischen und/oder genmodifizierten Lebensmitteln sowie zu früh oder zu oft eingesetzte Antibiotika und chronischer Stress können zur Entstehung einer Allergie oder Unverträglichkeit beitragen“, weiß Dr. Calipso Pröll, Wahlärztin für Allgemein- und Ernährungsmedizin. „Lebensmittel, die in Österreich derzeit die meisten Beschwerden verursachen sind glutenhaltige Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut), Eier, Milch, histaminhaltige Lebensmittel (Balsamico, Essig, Rotwein, Parmesan sowie Eingelegtes und Fermentiertes), Zucker (insbesondere Fruchtzucker, der in Obst und Gemüse enthalten ist), Milchzucker, Sorbitol, Nüsse, Krebs- und Weichtiere, Fisch, Gewürze und Glutamat.“

Nahrungsmittelallergie

Im Notfall rasch handeln
Grundsätzlich können alle Nahrungsmittel eine Allergie auslösen. Ein Großteil der Betroffenen zeigt jedoch vorwiegend bei Milchprodukten und Eiern, Erd- und Haselnüssen sowie bei Schalentieren und Sojaprodukten Abwehrreaktionen. Eine allergische Reaktion vom Typ I kann schon bei kleinsten Mengen vom allergenen Stoff ausgelöst werden. Echte Nahrungsmittelallergien sind jedoch sehr selten. Sie treten vorrangig im frühen Kindesalter auf, verschwinden aber im Normalfall nach wenigen Jahren, spätestens im Schuleintrittsalter, wieder. Bei einer Nahrungsmittelallergie bildet der Körper gegen Proteine aus der Nahrung sogenannte IgE-Antikörper. Die Reaktion des Immunsystems auf ein Allergen setzt innerhalb von Sekunden bis Minuten ein. In manchen Fällen kann es auch bis zu zwei Stunden dauern, bis erste Symptome spürbar werden. Von einer allergischen Reaktion sind verschiedene Organsysteme betroffen. Die meisten Beschwerden treten im Bereich der Haut und Atemwege sowie im Magen-Darm-Trakt auf. Zu den typischen Symptomen einer Nahrungsmittelallergie zählen u. a. ein Anschwellen der Lippen und Zunge, Schwellungen der Schleimhäute im Mund-, Nasen- und Rachenbereich, eine Verengung der Bronchien, Atemnot, Hautausschläge (wie z. B. Nesselausschlag (Urtikaria) oder atopisches Ekzem), Juckreiz sowie Übelkeit, Bauchkrämpfe, Erbrechen und Durchfall. Sind mehrere Organsysteme von einer allergischen Reaktion betroffen, spricht man von einem anaphylaktischen Schock. Dieser geht mit einem massiven Kreislaufversagen einher und kann im schlimmsten Fall ohne Behandlung tödlich verlaufen. Nahrungsmittelallergiker sollten deshalb beim Einkauf ganz genau auf allergieauslösende Inhaltsstoffe achten, die bei jedem verpackten Nahrungsmittel der Kennzeichnungspflicht unterliegen. Für Anaphylaktiker empfiehlt es sich, ein Notfall-Set mit sich zu führen, das neben einem flüssigen Antihistaminikum und Kortisonpräparat auch einen Adrenalin-Autoinjektor enthalten sollte. Der Wirkstoff Adrenalin wird mittels einer Fertigspritze in den Muskel injiziert, stabilisiert den Kreislauf und sorgt beim Betroffenen für eine bessere Atmung.  

Wenn sich Pollen und Lebensmittel kreuzen
Bei der pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie handelt es sich um eine Unverträglichkeitsreaktion des Körpers auf Nahrungsmittelbestandteile (Eiweißverbindungen), die in ähnlicher Form auch in Pollen vorhanden sind. Die Betroffenen reagieren auf mehrere scheinbar unabhängige Substanzen gleichzeitig allergisch. Rund 60 Prozent der Pollenallergiker leiden unter dieser sogenannten Kreuzallergie bzw. Kreuzreaktion. So ähnelt z. B. ein bestimmtes Protein im Apfel dem Hauptallergen der Birkenpollen, und schon löst das Immunsystem eine immunologische Reaktion aus, der Körper bildet Antikörper gegen diese Eiweißpartikel. „Viele Betroffene wissen z. B. nicht, dass sie auf Pollen allergisch sind, da die ersten Beschwerden erst bei Aufnahme bestimmter Lebensmittel auftreten“, so Ernährungsmedizinerin Pröll. „Eine Allergie gegen Birken-, Erlen- oder Haselpollen führt beispielsweise oft zu Kreuzreaktionen mit Soja, Nüssen (Haselnuss, Walnuss, rohe Mandel), Kern- und Steinobst (Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschken), Kiwi sowie rohen Karotten oder Paradeisern. Menschen, die auf Beifuß oder Ambrosia reagieren, zeigen dagegen vermehrt allergische Reaktionen auf Sellerie, Petersilie, Paprika, Pfeffer, Anis, Fenchel, Kümmel, Mango, Gurke, Melone und Banane. Gräser- und Getreidepollenallergiker leiden meist auch an einer Kreuzallergie auf Erdnuss, Bohnen, Mehl und Kleie. Doch Kreuzallergien beschränken sich nicht nur auf Allergene pflanzlichen Ursprungs. So können z. B. Hausstaubmilbenallergiker auch auf Krebs- und Weichtiere (Garnelen, Krabben, Scampi, Muscheln, Austern) allergisch reagieren, da Hausstaubmilben und Krebstiere zum Stamm der Gliederfüßer gehören und dadurch auch gleiche Eiweißbausteine enthalten. Eine Allergie auf Tierhaare kann eine Kreuzallergie mit Kuhmilch, Fleisch und Innereien aufweisen. Gekochtes Gemüse und Obst werden hingegen bei einer Kreuzallergie meist vertragen, da Hitze die Eiweiße zerstört.“ Folgende Symptome können bei Kreuzallergien auftreten: Juckreiz, Bildung von Bläschen im Mundraum, Schwellung der Mundschleimhaut, Schnupfen, Bindehautentzündungen sowie Rötungen und Quaddeln auf der Haut.  

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Endlich wieder das Essen genießen!
Seite 2 Nahrungsmittelintoleranzen

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