Dienstag, 21. Mai 2019

Endlich schmerzfrei

Ausgabe 2012/12-2013/01
Wir alle leiden immer wieder unter Schmerzen. Doch welche Wirkstoffe sind zur Bekämpfung am besten geeignet? Welche Nebenwirkungen sind häufig? Und worauf muss ich achten?

Foto: Can Stock Photo Inc. - Sandralise Schmerzen sind ein wichtiges Alarmsignal des Körpers – in der Folge können sie aber auch zur chronischen Qual werden. Um ihre Pein loszuwerden, schluckten schon Griechen und Römer natürliche Schmerzhemmer wie Opium und Weidenrindensaft. Heute bekommt man rezeptfreie Schmerzmittel in jeder Apotheke. Aber auch diese sind nicht immer harmlos, warnt Dr. Gabriele Graggober, leitende Oberärztin der Schmerzambulanz im Landesklinikum St. Pölten: „Gerade rezeptfreie Medikamente werden oft als unbedenklich eingestuft, obwohl gerade diese die meisten unerwünschten Nebenwirkungen hervorrufen.“

So kurz und gering dosiert wie möglich. Wer seine Schmerzen selbst behandelt, bekommt in Apotheken nur OTC-Produkte. OTC steht dabei für „Over the Counter“, auf Deutsch „über die Ladentheke“. Diese sind also frei – ohne Rezept – erhältlich. Sie enthalten die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Naproxen, Ibuprofen, Diclofenac oder Kombinationen davon. „Alle genannten Wirkstoffe gehören zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Sie wirken zumeist gut schmerzlindernd, zusätzlich auch entzündungshemmend und fiebersenkend“, erklärt Graggober. Sie sind bei leichten Verletzungen, Kopf-, Zahn-, Rücken- oder Regelschmerzen das Mittel der Wahl, sollten aber immer nur so kurz und so gering dosiert wie möglich eingenommen werden. „Gerade diese Medikamentengruppe weist ein großes Nebenwirkungspotenzial auf, vor allem in Kombination mit anderen Arzneimitteln. Eine häufigere und längere Einnahme sollte daher auf jeden Fall mit dem Arzt abgesprochen werden.“ Hier der Überblick:

1. Paracetamol
Paracetamol wirkt schmerzstillend und fiebersenkend, aber nicht entzündunghemmend. Es ist in vielen Darreichungsformen erhältlich und für alle Altersklassen zugelassen, zudem auch für Schwangere und stillende Mütter. Die Dosis für einen Erwachsenen bei mittleren Schmerzen beträgt 500 bis 1000 mg (Milligramm), die tägliche Maximaldosis eines Erwachsenen liegt bei 4000 mg. In empfohlener Dosierung, fallweise eingenommen, gilt Paracetamol als gut verträglich. Eine zu hohe Dosis kann allerdings zu Leberschäden führen. „Speziell bei Kindern muss die Dosierungsempfehlung daher genau eingehalten werden“, so Graggober. Für Erwachsene gilt: „Bei moderatem, aber regelmäßigem Alkoholkonsum sollte auf Paracetamol ganz verzichtet werden.“

2. Acetylsalicylsäure
Acetylsalicylsäure (ASS) ist der Klassiker unter den Schmerzmitteln und wird als Erkältungsmittel oft mit Vitamin C kombiniert angeboten. Der Wirkstoff ist sowohl schmerzstillend als auch fiebersenkend und entzündungshemmend. ASS kommt bei kurz dauernden, mäßig starken, schmerzhaften Entzündungen zum Einsatz. Die empfohlene Dosierung beträgt 500 bis 1000 mg. ASS kann Schleimhautschäden im Verdauungstrakt hervorrufen und ist daher für Menschen mit Neigung zu Magen-Darm-Geschwüren nicht zu empfehlen. Graggober: „Auch bei chronischen Leber- und Nierenerkrankungen sowie Asthma sollte ASS nicht eingenommen werden.“

3. Ibuprofen
Ibuprofen lindert Kopf-, Zahn-, Regel- und Bewegungsschmerzen und ist magenverträglicher als ASS. Es ist auch für Stillende geeignet. Meist reicht bei Erwachsenen eine Einmaldosis von 500 mg. Im Gegensatz zu Paracetamol spielen Überdosierungen mit Ibuprofen im klinischen Alltag eine viel geringere Rolle. Ibuprofen ist daher auch für die Selbstmedikation von Kindern mit Fieber, Entzündung und/oder Schmerzen der meistempfohlene Wirkstoff – in Absprache mit dem behandelnden Kinderarzt. „Die verschiedenen Verabreichungsformen vom Saft bis zum Zäpfchen sind gut dosierbar und ermöglichen eine einfache und sichere Anwendung“, meint Kinderarzt Prim. Dr. Karl Zwiauer vom Landesklinikum St. Pölten. „Eine Selbstmedikation durch die Eltern sollte dennoch immer unter Berücksichtigung des Gesamtzustandes des Kindes erfolgen. Stellt sich binnen kurzer Zeit keine spürbare Besserung ein, ist die Konsultation eines Arztes erforderlich.“

4. Diclofenac
Diclofenac wirkt gut bei akuten und chronischen Entzündungen. Die empfohlene Tagesdosis bei Erwachsenen liegt bei 50 bis 150 mg. Vorsicht ist bei möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, z. B. für Herzerkrankungen und Bluthochdruck, angebracht. „Diclofenac kann unter anderem die Wirkung von ACE-Hemmern gegen Bluthochdruck mindern. In Kombination mit Acetylsalicylsäure steigt das Risiko für Magengeschwüre“, erläutert die Schmerzexpertin nur einige der möglichen unerwünschten Nebenwirkungen. Vor allem bei Fieber entsteht leicht ein Flüssigkeitsmangel. „In diesem Fall kann schon eine geringe Überdosierung die belastete Niere weiter schädigen und außerdem zu Leberproblemen führen oder diese verstärken.“

Wechselwirkungen beachten! Generell sollte die Einnahme von NSRA über einen längeren Zeitraum vermieden werden, so Graggober: „Viele Wirkstoffe können zu Schleimhautreizungen und langfristig zu Magen- und Darmgeschwüren führen. Außerdem kann sich der Schmerz bei Dauergebrauch verschlimmern.“ Problematisch ist auch die Kombination der genannten Schmerzmittel mit Antidepressiva: „Wirklich gefährlich ist die gleichzeitige Gabe von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) mit NSAR. Diese Kombination sollte vermieden werden, da die Gefahr von Magen-Darm-Blutungen massiv erhöht wird.“ Lässt sich diese Kombination nicht vermeiden, kann der Arzt Medikamente zum gezielten Magenschutz verschreiben. Zu beachten ist hier, dass dennoch die Gefahr von Darmblutungen steigt, denen der Magenschutz nicht vorbeugt. Wichtig ist es laut Graggober auch, vor einer Operation dem zuständigen Anästhesisten wirklich alle Präparate zu nennen, die aktuell eingenommen werden: „Das gilt nicht nur für die erwähnten Schmerzmittel, sondern auch für Nahrungsergänzungsmittel und Phytopharmaka wie Johanniskraut und Baldrian."

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