Einklang mit sich selbst

Ausgabe 2020.02

Ayurvedakuren sind beliebt wie nie: In einer immer komplexer werdenden Welt hilft uns das indische „Wissen vom Leben“, zu einer harmonischen Lebensführung zurückzufinden – und vor allem, unseren Körper wieder wahrzunehmen. Plus: die besten Ayurveda-Hotels in Österreich und dem nahen Ausland im Test.


Foto: svata katerina - CzechTourism

Wellness- und Gesundheitsurlaube boomen seit Jahren: Als Ausgleich zum hektischen Alltag, der oftmals keine Zeit zum Durchatmen und Verschnaufen lässt und in dem die eigenen körperlichen und seelischen Bedürfnisse auf der Strecke bleiben, nützen immer mehr Menschen die Freizeit, um ihrer Gesundheit aktiv etwas Gutes zu tun und wieder in Einklang mit sich selbst zu kommen. Seit geraumer Zeit liegen Ayurvedakuren besonders im Trend: Die traditionelle Medizin Indiens bedeutet übersetzt „Das Wissen vom Leben“ und gilt als älteste überlieferte Heilkunde der Menschheit. „Über 250 Universitäten und Colleges in Indien und Sri Lanka bieten ein fünfjähriges Studium der Ayurveda-Medizin mit dreijährigem Aufbau zum Facharzt an“, erklärt Kerstin Rosenberg vom europäischen Ayurveda-Verband. „Von den Ursprungsländern ausgehend, wird Ayurveda mittlerweile auf allen Kontinenten praktiziert und etabliert sich immer mehr als ganzheitliches Gesundheits- und Medizinsystem.“

Konnte wieder ohne Krücken gehen!

Eva, 41, aus Wien, lebt seit elf Jahren mit chronischer Polyarthritis. Die Gelenke an den Beinen schmerzen, sind geschwollen und versteifen allmählich. Sie ist auf Krücken angewiesen. Einmal jährlich besucht sie eine Ayurveda-Kur in Indien, 2020 wird es bereits das siebente Mal sein.

Wie kann man sich eine Ayurveda-Kur vorstellen?
Wohltuend und wunderbar! Mein Resort liegt direkt am Meer. Die Kur dauert zwei Wochen. Anfangs gibt es ein sehr ausführliches Arztgespräch, meine Ärztin trägt immer einen Sari. Danach wird ein individueller Therapieplan erstellt. Jeden Tag gibt es Behandlungen immer im gleichen Raum und mit der gleichen Therapeutin. Behandelt wird auf einem großen Massagetisch aus Holz. Weil man auch „fest geölt und gebadet“ wird, ist man nur mit einem einfachen Slip bekleidet. Die unterschiedlichen Therapien dauern täglich insgesamt drei Stunden, vormittags gibt es ein Arztgespräch. Zusätzlich werden verschiedene Behandlungen angeboten, die auf die Beschwerden und die Person abgestimmt sind, zum Beispiel verschiedene Kräuterstempel-Massagen und Bäder, Einläufe, Wickel für die Gelenke sowie Öl-Stirngüsse, damit der Kopf zur Ruhe kommt. Yoga und Meditation sind freiwillig. Auch wird mit „Medikamenten“ auf Kräuterbasis gearbeitet.

Und das Essen?
Dreimal am Tag wird man mit wunderbarem, frisch gekochtem, vegetarischem indischen Essen verwöhnt. Der Speiseplan ist je nach Person und Diagnose unterschiedlich. Denn auch Essen ist Medizin.

Wie hat Ihnen Ayurveda geholfen?
Sehr stark, auf allen Ebenen. Es war die erste Therapie, die wirklich und eindrücklich geholfen hat. Nach der ersten Kur konnte ich für geraume Zeit wieder ohne Krücken gehen! Die Beschwerden sind deutlich besser geworden, die Gelenke beweglicher. Allgemein fühle ich mich dank Ayurveda kraftvoller, ausgeglichener, ruhiger. Ein Medikament wirkt vielleicht schneller, Ayurveda dafür nachhaltiger.

Die drei Doshas
Im Zentrum von Ayurveda steht das Zusammenwirken von Körper, Geist und Seele, wobei die Lehre der drei Doshas einen besonderen Stellenwert einnimmt: Jeder Mensch besteht (in unterschiedlichen Anteilen!) aus den Doshas Vata (Luft), Pitta (Feuer und Wasser) sowie Kapha (Erde und Wasser). Diese Doshas kann man als Bioenergien verstehen, sie regeln nicht nur körperliche, sondern auch seelische Funktionen. Gerät die individuelle Dosha-Konstellation in Ungleichgewicht, beispielsweise durch Stress, entstehen Krankheiten. Ziel einer Ayurvedakur ist deshalb, die angeborene Dosha-Konstellation wiederherzustellen und in Balance zu bringen. „Bei Ayurveda steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht die Krankheit“, betont Rosenberg. „Individualität ist bei Ayurveda deshalb ein ausschlaggebender Aspekt. Entsprechend unserer individuellen Anlagen reagieren wir alle unterschiedlich auf die Belastungsfaktoren des Alltags und bringen auch veranlagte Krankheitsanfälligkeiten mit. Diese müssen bei Auswahl und Dosierung der Thera-piemethoden unbedingt berücksichtig werden, um einen nachhaltigen Behandlungserfolg zu erzielen.“

Von Massagen bis hin zu Yoga
Die Ayurveda-Lehre fußt auf unterschiedlichen und vielfältigen Säulen: Ölgüsse, Massagen, Schwitzkuren, Wärmedampfbäder, Einläufe, Kräutertherapien und eine personalisierte Ernährungstherapie sind genauso Bestandteil einer Ayurveda-Kur wie Detox-Verfahren, Körper- und Atemübungen (Yoga, Meditation etc.) sowie eine sanfte psychologische Begleitung. „Diese Behandlungen werden eingesetzt, um den Körper zu reinigen und die Selbstheilungskräfte zu stärken“, erklärt Rosenberg. Das Immunsystem soll unterstützt, der Körper entgiftet und das allgemeine Wohlbefinden von Körper und Seele gefördert werden. „In Indien lassen sich viele Patienten allein auf ayurvedische Weise behandeln“, so die Expertin. „In Europa nutzen viele Ayurveda als Präventionssystem zur Gesunderhaltung und im Krankheitsfall als Komplementärtherapie ergänzend zur modernen Medizin. Dies hat sich vor allem bei chronischen Erkrankungen, Beschwerden des Autoimmunsystems, des Bewegungsapparats sowie bei neurologischen Erkrankungen sehr bewährt.“ Auch Schlafstörungen, Hauterkrankungen, Erschöpfungszustände, Verdauungsbeschwerden, Übergewicht, Kopfschmerzen oder Depressionen können mit Ayurveda behandelt werden. Rosenberger betont aber: „Bei akuten Unfällen und Erkrankungen sollte unbedingt auch ein Schulmediziner konsultiert werden!“


 

Ayurveda-Medikamente
Die positive Resonanz bezüglich der Ayurveda-Lehre sei in den vergangenen Jahren in Ärztekreisen gestiegen, meint Rosenberg, merkt aber auch an, dass es immer noch „viele kritische Stimmen“ gibt. Besonders die fehlende Qualitätskontrolle bei ayurvedischen Arzneipräparaten wird hier immer wieder angeführt. Dazu Rosenberg: „Ayurveda verfügt über einen großen Wissensschatz über die Heilkraft der Natur. Gewürze, Kräuter, Nahrungsmittel und auch tierische Produkte wie Butterfett, Honig oder Muschelkalk werden seit jeher als Heilmittel eingesetzt. Hiesige Ärzte und Heilpraktiker achten bei der Verschreibung und Einnahme von ayurvedischen Phytotherapeutika, also Medikamenten auf pflanzlicher Basis, stets auf den fachkompetenten Einsatz von kontrollierten Produkten. Der Einsatz von traditionellen Ayurveda-Medikamenten ist nach den EU-Richtlinien sehr stark reglementiert.“ Übrigens: Eine Ayurveda-Kur wird nicht von der Krankenkasse bezahlt.

Ayurveda für zu Hause
Auch wenn eine Ayurveda-Kur in einem Hotel natürlich besonders verlockend ist und der Lehre noch ein Quäntchen mehr an Entspannung hinzufügt, so ist es keine große Herausforderung, die Ayurveda-Lehre in den Alltag zu integrieren: Die Expertin empfiehlt beispielsweise ein Glas warmes Wasser vor dem Frühstück, um die Verdauung anzuregen, regelmäßig und ohne Hektik zu essen und sich einmal wöchentlich mit warmem Sesamöl einzusalben. „Wem das gelingt, der hat bereits ein kleines Kurprogramm zum Ausgleich stressbedingter Beschwerden für daheim zusammengestellt.“

Die besten Ayurveda-Hotels in Österreich und Umgebung.

GESÜNDER LEBEN war für Sie in Österreich und dem benachbarten Ausland unterwegs und hat die besten Ayurveda-Hotels getestet.

Steiermark
Wellness- & Ayurvedahotel Paierll

Das mehrfach ausgezeichnete Hotel bietet eine gelungene Kombination aus steirischem Thermengenuss, asiatischen Verwöhnmomenten und authentischem Ayurveda. Ausgebildete Spezialisten, unterstützt von einem Allgemeinmediziner, bringen mit unterschiedlichen Ayurveda-Behandlungen Körper, Geist und Seele wieder in Einklang – zum Beispiel mithilfe des Königlichen Ölbads, der Abhyanga-Synchronmassage oder dem Takra Dhara (Joghurt-Kräuter-Stirnguss). Auch Peelings, Anti-Cellulite-Behandlungen oder Spiritual Healing werden angeboten. Die umfangreiche Thermal- und Saunawelt mit Heilthermalwasser macht den Wellnessurlaub perfekt.
www.paierl.at

Tirol
European Ayurveda Resort Sonnhofp

Hier wird Ayurveda mit allen Sinnen gelebt: Die Architektur und die einzelnen Räume sind dem ayurvedischen Weltbild des Körpers als Tempel nachempfunden: Materialien und Farben sowohl aus der österreichischen als auch der indischen Welt vereinen sich, die Atmosphäre ist entspannt und dank wohltuender Düfte und sanfter Klänge anregend und belebend. Der Garten vereint die fünf Elemente, die Spirit-Lounge mit der Ayurveda-Teebar erscheint täglich in einem anderen (Körperchakren-)Licht, im Restaurant „Buddha’s Place“ werden ayurvedische Speisen genossen. Die vielfältigen und zum Teil exklusiv angebotenen Behandlungen sind nach dem strengen Ayurveda-Konzept ausgerichtet.
www.sonnhof-ayurveda.at

Burgenland
Hotel Larimarl

Eine 6.500 m2 große Wasser- und Saunawelt, idyllische Nischen im 8.000 m2 umfassenden Gartenparadies (mit Koiteich), ein Premium-Spa mit orientalischer Wohlfühlzone und zusätzlich mehr als 20 verschiedene Ayurveda-Behandlungen mit Spezialisten aus Indien – all das und mehr bietet das Hotel Larimar in Stegersbach unter einem Dach. Die Ayurveda-Schwerpunkte im Haus beziehen sich u. a. auf die Themenbereiche „gesunder Schlaf“, „Rücken & Gelenke“, „Jugendlichkeit und Vitalität“ sowie authentisches indisches Yoga. Auch beim Essen fühlt man sich nach Indien versetzt, werden diese doch von einem original Ayurveda-Koch zubereitet. Zudem gibt es eine große ayurvedische Teeauswahl im Spa und am Zimmer. Durch den Meerwasserpool, die Infrarot-Salzgrotte oder den Kristall-Energieraum wird der Ayurveda-Effekt sogar noch verdoppelt.
www.larimarhotel.at

Tschechien
Resort Svata Katerinal

Nirgendwo sonst ist Ayurveda so sehr mit der Natur verbunden wie hier: Das aus mehreren Gebäuden bestehende Resort sowie der Ayurveda-Pavillon befindet sich inmitten unberührter Waldlandschaft, während der Behandlungen (allesamt auf höchstem Niveau!) kann man also der beruhigenden Stille der Natur lauschen. Der Pavillon überzeugt mit einer einzigartigen Architektur, die einem das Gefühl des Schwebens vermittelt. Der kleine Meditationsgarten mit Bachlauf und Hindu-Statuen sowie die idyllische Allee laden zum Seele-baumeln-Lassen ein, der See zum Schwimmen und Sonnenbaden. Der Steinkreis der Druiden ist ein Kraftplatz, der sich besonders gut für Meditationen eignet. Das stets wechselnde Yoga-Programm ist auch für Anfänger geeignet. Das Resort ist in etwa zwei Stunden von Wien oder Linz mit dem Auto zu erreichen und überzeugt zudem durch seine gästefreundliche Preisgestaltung. Empfehlung!
www.katerinaresort.cz/de

Deutschland
Parkschlösschenl

Das romantische Parkschlösschen gehört zu den ältesten und erfolgreichsten Ayurveda-Hotels Deutschlands: Das Spa misst 2.000 m2 und beinhaltet ein Schwimmbad, mehrere Saunas, ein Fitness-Studio und einen Kosmetiksalon. Vielfältige Massagen und Ölgüsse werden genauso angeboten wie Yoga und Meditation sowie Panchakarma-Kuren (Reinigungsverfahren, u. a. mit Fasten, Einläufen und Abführtherapien). Nicht nur die erfahrenen Therapeuten, auch die Ärzte sind ayurvedisch ausgebildet. Es wird ausschließlich vegetarische Kost angeboten. Die Zimmer wurden von (angeblich) schädlichen Einflüssen befreit, indem Wasseradern mit Marmor abgeschirmt und Elektro-Kabel doppelt ummantelt wurden.
www.ayurveda-parkschloesschen.de

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