Donnerstag, 01. Oktober 2020

Einklang mit sich selbst

Ausgabe 2020.02
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Ayurvedakuren sind beliebt wie nie: In einer immer komplexer werdenden Welt hilft uns das indische „Wissen vom Leben“, zu einer harmonischen Lebensführung zurückzufinden – und vor allem, unseren Körper wieder wahrzunehmen. Plus: die besten Ayurveda-Hotels in Österreich und dem nahen Ausland im Test.


Foto: svata katerina - CzechTourism

Wellness- und Gesundheitsurlaube boomen seit Jahren: Als Ausgleich zum hektischen Alltag, der oftmals keine Zeit zum Durchatmen und Verschnaufen lässt und in dem die eigenen körperlichen und seelischen Bedürfnisse auf der Strecke bleiben, nützen immer mehr Menschen die Freizeit, um ihrer Gesundheit aktiv etwas Gutes zu tun und wieder in Einklang mit sich selbst zu kommen. Seit geraumer Zeit liegen Ayurvedakuren besonders im Trend: Die traditionelle Medizin Indiens bedeutet übersetzt „Das Wissen vom Leben“ und gilt als älteste überlieferte Heilkunde der Menschheit. „Über 250 Universitäten und Colleges in Indien und Sri Lanka bieten ein fünfjähriges Studium der Ayurveda-Medizin mit dreijährigem Aufbau zum Facharzt an“, erklärt Kerstin Rosenberg vom europäischen Ayurveda-Verband. „Von den Ursprungsländern ausgehend, wird Ayurveda mittlerweile auf allen Kontinenten praktiziert und etabliert sich immer mehr als ganzheitliches Gesundheits- und Medizinsystem.“

Konnte wieder ohne Krücken gehen!

Eva, 41, aus Wien, lebt seit elf Jahren mit chronischer Polyarthritis. Die Gelenke an den Beinen schmerzen, sind geschwollen und versteifen allmählich. Sie ist auf Krücken angewiesen. Einmal jährlich besucht sie eine Ayurveda-Kur in Indien, 2020 wird es bereits das siebente Mal sein.

Wie kann man sich eine Ayurveda-Kur vorstellen?
Wohltuend und wunderbar! Mein Resort liegt direkt am Meer. Die Kur dauert zwei Wochen. Anfangs gibt es ein sehr ausführliches Arztgespräch, meine Ärztin trägt immer einen Sari. Danach wird ein individueller Therapieplan erstellt. Jeden Tag gibt es Behandlungen immer im gleichen Raum und mit der gleichen Therapeutin. Behandelt wird auf einem großen Massagetisch aus Holz. Weil man auch „fest geölt und gebadet“ wird, ist man nur mit einem einfachen Slip bekleidet. Die unterschiedlichen Therapien dauern täglich insgesamt drei Stunden, vormittags gibt es ein Arztgespräch. Zusätzlich werden verschiedene Behandlungen angeboten, die auf die Beschwerden und die Person abgestimmt sind, zum Beispiel verschiedene Kräuterstempel-Massagen und Bäder, Einläufe, Wickel für die Gelenke sowie Öl-Stirngüsse, damit der Kopf zur Ruhe kommt. Yoga und Meditation sind freiwillig. Auch wird mit „Medikamenten“ auf Kräuterbasis gearbeitet.

Und das Essen?
Dreimal am Tag wird man mit wunderbarem, frisch gekochtem, vegetarischem indischen Essen verwöhnt. Der Speiseplan ist je nach Person und Diagnose unterschiedlich. Denn auch Essen ist Medizin.

Wie hat Ihnen Ayurveda geholfen?
Sehr stark, auf allen Ebenen. Es war die erste Therapie, die wirklich und eindrücklich geholfen hat. Nach der ersten Kur konnte ich für geraume Zeit wieder ohne Krücken gehen! Die Beschwerden sind deutlich besser geworden, die Gelenke beweglicher. Allgemein fühle ich mich dank Ayurveda kraftvoller, ausgeglichener, ruhiger. Ein Medikament wirkt vielleicht schneller, Ayurveda dafür nachhaltiger.

Die drei Doshas
Im Zentrum von Ayurveda steht das Zusammenwirken von Körper, Geist und Seele, wobei die Lehre der drei Doshas einen besonderen Stellenwert einnimmt: Jeder Mensch besteht (in unterschiedlichen Anteilen!) aus den Doshas Vata (Luft), Pitta (Feuer und Wasser) sowie Kapha (Erde und Wasser). Diese Doshas kann man als Bioenergien verstehen, sie regeln nicht nur körperliche, sondern auch seelische Funktionen. Gerät die individuelle Dosha-Konstellation in Ungleichgewicht, beispielsweise durch Stress, entstehen Krankheiten. Ziel einer Ayurvedakur ist deshalb, die angeborene Dosha-Konstellation wiederherzustellen und in Balance zu bringen. „Bei Ayurveda steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht die Krankheit“, betont Rosenberg. „Individualität ist bei Ayurveda deshalb ein ausschlaggebender Aspekt. Entsprechend unserer individuellen Anlagen reagieren wir alle unterschiedlich auf die Belastungsfaktoren des Alltags und bringen auch veranlagte Krankheitsanfälligkeiten mit. Diese müssen bei Auswahl und Dosierung der Thera-piemethoden unbedingt berücksichtig werden, um einen nachhaltigen Behandlungserfolg zu erzielen.“

Von Massagen bis hin zu Yoga
Die Ayurveda-Lehre fußt auf unterschiedlichen und vielfältigen Säulen: Ölgüsse, Massagen, Schwitzkuren, Wärmedampfbäder, Einläufe, Kräutertherapien und eine personalisierte Ernährungstherapie sind genauso Bestandteil einer Ayurveda-Kur wie Detox-Verfahren, Körper- und Atemübungen (Yoga, Meditation etc.) sowie eine sanfte psychologische Begleitung. „Diese Behandlungen werden eingesetzt, um den Körper zu reinigen und die Selbstheilungskräfte zu stärken“, erklärt Rosenberg. Das Immunsystem soll unterstützt, der Körper entgiftet und das allgemeine Wohlbefinden von Körper und Seele gefördert werden. „In Indien lassen sich viele Patienten allein auf ayurvedische Weise behandeln“, so die Expertin. „In Europa nutzen viele Ayurveda als Präventionssystem zur Gesunderhaltung und im Krankheitsfall als Komplementärtherapie ergänzend zur modernen Medizin. Dies hat sich vor allem bei chronischen Erkrankungen, Beschwerden des Autoimmunsystems, des Bewegungsapparats sowie bei neurologischen Erkrankungen sehr bewährt.“ Auch Schlafstörungen, Hauterkrankungen, Erschöpfungszustände, Verdauungsbeschwerden, Übergewicht, Kopfschmerzen oder Depressionen können mit Ayurveda behandelt werden. Rosenberger betont aber: „Bei akuten Unfällen und Erkrankungen sollte unbedingt auch ein Schulmediziner konsultiert werden!“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Einklang mit sich selbst
Seite 2 Ayurveda-Medikamente

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