Donnerstag, 19. Oktober 2017

Einfach mal die Seele baumeln lassen

Ausgabe 2017.10
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Im Herbst steigt für die meisten von uns der Stresslevel bedrohlich an. Doch: Wie können wir Freude am Leben empfinden, wenn wir ständig unter Strom stehen? Ganz einfach! Gönnen Sie sich regelmäßig eine kleine oder größere Auszeit. Wie das funktioniert, lesen Sie in GESÜNDER LEBEN.


Foto: canstockphoto - konradbak

Gerade noch hat man sich im Sommerurlaub von den täglichen Strapazen erholt, schon ist man wieder im Hamsterrad des Alltags gefangen. Zeit zum Durchatmen hat niemand, dabei wäre das in stressigen Zeiten wichtiger denn je – und zwar für jeden, wie Günther Josef Stockinger, Coach, Seminarleiter und Inhaber der
VisionsWerkstatt in Weyregg am Attersee und auf der Insel La Palma, weiß: „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, stehen ständig unter Druck. In so einer Gesellschaft ist es entscheidend, für sich selbst eine Balance zu schaffen. Dafür braucht es Ruhe, Stille, Leere und Zeit, zu sich selbst zu finden.“ Mag. Alexandra Sperl von Naturpark Auszeit in St. Lambrecht in der Steiermark kann dem nur zustimmen: „Man sollte sich täglich eine Auszeit gönnen. Momente, in denen man bewusst abschaltet und sich Zeit für sich selbst nimmt.“ Beim Wort „täglich“ werden viele dagegenhalten, dass das unmöglich sei. Doch dem ist nicht so, denn schon kleine Dinge können viel bewirken – sei es eine Tasse Tee oder ein heißes Bad, ein abendlicher Spaziergang, eine halbe Stunde Yoga oder Gymnastik. Abgesehen davon sollte es einem die eigene Gesundheit wert sein, sich regelmäßige Auszeiten zu gestatten – und zwar vom täglichen Muße-Tun über die wöchentliche Massage oder das Wellness-Wochenende bis hin zur mehrwöchigen Kur oder dem mehrmonatigen Sabbatical.

Mein Weg zu einer Kur

Grundsätzlich kann jede sozialversicherte Person einen Kuraufenthalt beantragen. Es handelt sich jedoch um eine freiwillige Leistung des Sozialversicherungsträgers. Daher besteht kein Rechtsanspruch, und die Sozialversicherung ist nicht verpflichtet, die Kur zu finanzieren. Wird sie bewilligt, übernimmt die Versicherung den Großteil der Kosten, der Patient bezahlt einen einkommensabhängigen Selbstbehalt.

Und so kommen Sie zur Kur:

  • Jede Kur muss beantragt werden. Dazu muss der behandelnde Arzt das Antragsformular ausfüllen, das dann an den zuständigen Sozialversicherungsträger geschickt oder persönlich in einer Servicestelle abgegeben wird.
  • Nach Einreichen des Antrages wird dieser vom Versicherungsträger geprüft, ob bestimmte versicherungsrechtliche und medizinische Voraussetzungen für eine Kostenübernahme gewährleistet sind. Die Entscheidung über den Antrag auf Kuraufenthalt wird Ihnen schriftlich mitgeteilt.
  • Wird die Kur bewilligt, erfolgt die Terminvergabe direkt durch die Kureinrichtung.
  • Grundsätzlich kann der Kuraufenthaltsort nicht selbst gewählt werden. Normalerweise wird jedoch versucht, angegebene Wünsche zu berücksichtigen.

Anders aufstehen. „Viele Menschen haben leider verlernt, sich selbst zu spüren. Was sie dann allerdings sehr wohl spüren, ist, wenn etwas nicht mehr so läuft, wie es laufen sollte – sei es gesundheitlich, im Beruf oder in der Beziehung, sei es Arbeitsunlust, fehlende Energie oder dass generell der Sinn abhandengekommen ist. Dann ist man jedoch schon recht tief drin und bis zum Burn-out sind es womöglich nur noch wenige Schritte. Umso wichtiger sind regelmäßige Auszeiten“, erklärt Stockinger, der seinen Klienten dazu rät, sich bereits in der Früh eine Stunde mehr zu gönnen. Dabei geht es weniger darum, dass der frühe Vogel den Wurm fängt – das würde uns im Gegenteil schon wieder unter Druck setzen –, sondern vielmehr „anders aufzustehen“: Dehnungsübungen, ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft, Meditation usw. Im Rahmen seiner Auszeit-Seminare macht Stockinger dies regelrecht zum „Vor-Frühstücks-Programm“. Und viele Teilnehmer halten diese morgendliche Ruhe-Routine zu Hause ein, denn: „Wer das ein paar Tage gemacht hat, sieht den Benefit und möchte es nicht mehr missen.“ Wie immer eine Auszeit ausschauen mag, die Intention dahinter ist wichtig: Wer sich beispielsweise einmal in der Woche in die Hände seines Masseurs begibt, kann es wohl oder übel über sich „ergehen“ lassen oder diese Massage als Genuss, den man sich gönnt, betrachten. „Es kommt auf das Mindset an“, ist Alexandra Sperl überzeugt. Letzteres gilt auch für ein Wellness-Wochenende: Manche machen ja sogar da permanent Programm und hetzen von der Massage in die Sauna, lesen Bücher, blättern durch Zeitschriften und schauen ständig aufs Handy.  Günther Josef Stockinger empfiehlt daher bei einem solchen Wochenende eine Art Medien-Auszeit: „Es reicht völlig, wenn man abends zehn Minuten aufs Handy schaut. Wer das Beste von so einem Wochenende für sich herausholen möchte, sollte den Alltag hinter sich lassen, nur auf sich und seine eigenen Bedürfnisse achten. Trauen Sie sich, einmal für eine gewisse Zeit nicht erreichbar zu sein.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Einfach mal die Seele baumeln lassen
Seite 2 Auszeit in Österreich

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