Sonntag, 16. Juni 2019

Ein Herz im Winter

Ausgabe 2013.12/2014.01

Das Herz ist der Motor des Lebens, und wie beim Auto sollten wir dafür Sorge tragen, dass er gut läuft – vor allem im Winter.


Foto: ⒸCan Stock Photo Inc. - deandrobot

Wissenschaftlern des Good Samaritan Hospitals in Los Angeles zufolge sterben im Winter mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als im Sommer. Neben dem kälteren Wetter, das sich negativ auf den Kreislauf auswirke, sollen auch mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung dafür verantwortlich sein. Fakt ist: Die beiden letztgenannten Faktoren gehören zu den großen Gefahren im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und es kann durchaus lebensgefährlich werden, wenn wir uns in den kälteren Wintermonaten (noch) weniger bewegen als im Sommer und (noch) mehr Süßes oder Fettes essen. Dass dies gar nicht einmal so selten vorkommt, ist wohl jedem von uns bewusst. Tatsache ist: Wir können uns jederzeit auf den Hometrainer setzen, ins Fitnessstudio gehen oder schlichtweg warm anziehen, damit wir beim Spaziergang an der frischen Luft nicht vor Kälte erstarren. Und dass die Zeiten, in denen wir uns Winterspeck anfressen mussten, schon lange vorbei sind, ist ohnehin nichts Neues. Um aber noch einmal auf die winterlichen Gefahren für das Herz zurückzukommen: „Ja, Kälte ist ein häufiger Auslöser für Herzinfarkte“, weiß auch Univ.-Doz. Dr. Franz Xaver Roithinger, Vorstand der Internen Abteilung am Landesklinikum Baden-Mödling. Nicht selten komme es vor, dass man seinem Herzen beim Schneeschaufeln zu viel zumute und schließlich als Herzinfarkt-Patient ins Krankenhaus eingeliefert werde: „Wenn es kalt ist, braucht das Herz mehr Sauerstoff. Während herzgesunde Menschen damit keine Probleme haben, kann diese starke und meist ungewohnte Belastung für Personen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden eine gesundheitliche Gefahr darstellen“, so der Kardiologe. Der bereits erwähnte Spaziergang an der frischen Winterluft kann übrigens auch bei zu Depressionen neigenden Menschen Wunder wirken – und dadurch einmal mehr einem Herzinfarkt vorbeugen. Depressionen oder Lichtmangel kommen nämlich ebenfalls als Ursachen infrage. Und abgesehen von den jahreszeitlichen Schwankungen weiß Roithinger zu berichten, dass „Herzinfarkte vermehrt in den Morgenstunden auftreten. Also dann, wenn die Stresshormone besonders aktiv sind.“

Krankes Herz. Ob im Winter oder im Sommer, ob morgens oder abends: Der Herzinfarkt ist nach wie vor die schwerwiegendste, weil potenziell tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankung, warnt Primar Roithinger: „Die Überlebensrate liegt mittlerweile zwar bei rund 95 Prozent, allerdings nur dann, wenn der Herzinfarkt rechtzeitig behandelt wird. Und genau das ist das Problem, denn leider erreichen viele Patienten das Krankenhaus gar nicht mehr.“ Verantwortlich für den Herzinfarkt sind in erster Linie gefährliche Ablagerungen von Kalk und Cholesterin an den Innenwänden der Blutgefäße. Als Folge verengen sich die Herzkranzgefäße, es kommt zu Durchblutungsstörungen und schließlich zum Herzinfarkt. Daneben zählt die sogenannte Schaufensterkrankheit zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese zuweilen auch Raucherbein genannte periphere arterielle Verschlusskrankheit der Beine gilt wiederum als Vorbote für den Herzinfarkt, aber ebenso für den Schlaganfall. Bei Letzterem handelt es sich um eine plötzlich auftretende Unterbrechung der Durchblutung des Gehirns oder um eine Blutung im Gehirn. Genauso kommt die Redensart „auf Herz und Nieren prüfen“ nicht von ungefähr, sondern hat damit zu tun, dass etwa ein jahrelang bestehender Bluthochdruck (über 140/90 mmHg) Herz wie auch Nieren schädigt. Außerdem kann eine Nierenerkrankung dazu führen, dass unter anderem zu viel Magnesium über den Urin ausgeschieden wird, was abermals schlecht fürs Herz ist. Der Mineralstoff wird nämlich nicht nur von unseren Nervenzellen und Muskeln benötigt (im Übrigen ist ja auch das Herz ein Muskel!), sondern spielt im Hinblick auf die Herzaktivität ebenfalls eine entscheidende Rolle: So können Herzrhythmusstörungen beispielsweise durch einen hohen Blutdruck verursacht werden, werden mitunter aber auch auf einen Magnesiummangel zurückgeführt.
 
Viele Faktoren verantwortlich. Die Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind jedenfalls multifaktoriell – das heißt: Der unbehandelte Bluthochdruck ist nicht der einzige Grund, genauso wenig wie es nur am Rauchen, am Bewegungsmangel, am Übergewicht oder am Alter liegt. Tatsächlich ist es meist eine Kombination aus allen Faktoren, die sich überdies gegenseitig „begünstigen“. Das heißt: Beispielsweise führen Bewegungsmangel und Übergewicht nicht nur zu hohem Blutdruck, sondern häufig auch zu Diabetes. Dies ist deshalb fatal fürs Herz, weil ein erhöhter Blutzucker im Laufe der Zeit nachhaltige Schäden an den Gefäßen anrichtet. Erschreckend ist außerdem, dass davon immer öfter jüngere Menschen, wenn nicht sogar Kinder und Jugendliche betroffen sind. Wenngleich wir Cholesterin unter anderem als Bestandteil der Zellmembranen benötigen, fördert diese fettähnliche Substanz ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Liegt der Wert des bösen LDL-Cholesterins über 130 mg/dl, gehört er durch gesunde Ernährung und insbesondere durch Bewegung gesenkt“, so Kardiologe Roithinger, der jedoch einräumt, dass dies nur dann möglich sei, wenn die hohen Blutfette nicht vererbt wurden: „Genetisch bedingte Stoffwechselstörungen bedürfen zusätzlich einer medikamentösen Behandlung.“

Herzdame. Der Herzinfarkt ist schon lange keine reine „Männerkrankheit mehr. Vielmehr sind beide Geschlechter gleich häufig davon betroffen. Trotzdem gibt es Unterschiede. Roithinger: „Frauen bekommen ihren Herzinfarkt zehn Jahre später als Männer, weil sie über einen hormonellen Schutz verfügen, der allerdings mit den Wechseljahren endet.“ Darüber hinaus berichten Frauen über andere und meist unspezifische Symptome: Während Männer häufig über ein Engegefühl in der Brust klagen, kann sich der Herzinfarkt bei Frauen durch Schmerzen in der Brust, im Hals, Kiefer und Rücken, aber auch durch Übelkeit ankündigen. Und: Frauen versterben öfter als Männer an den Folgen einer Herzinsuffizienz bzw. Herzschwäche sowie aufgrund eines Schlaganfalls oder eben eines Herzinfarktes. Damit es jedoch gar nicht erst zu einem oder gar mehreren der genannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt, sind gesunde Ernährung und Bewegung als vorbeugende Maßnahmen wärmstens zu empfehlen. Genauso wie der Verzicht auf Nikotin und Alkohol. Liegen Herzprobleme in der Familie, ist es vor allem wichtig, darüber Bescheid zu wissen und sich von Zeit zu Zeit durchchecken zu lassen – ganz nach dem Motto eben: Auf Herz und Nieren prüfen!

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