Freitag, 17. Januar 2020

E-Zigaretten: Lungenärzte schlagen Alarm

Ausgabe 2019.12/2020.01

E-Zigaretten gelten mitunter als „gesunde“ Alternative zur klassischen Zigarette. Manche Raucher wollen daher – quasi als guter Neujahrsvorsatz – darauf umsteigen. Österreichs Lungenfachärzte warnen nun eindringlich vor den Gefahren von E-Zigaretten.


Foto: iStock-sestovic

Sind E-Zigaretten tatsächlich weniger schädlich als Tabakzigaretten, ist „gesünderes Rauchen“ überhaupt möglich? Nicht, wenn es nach der Mehrheit von Ärzten und Wissenschaftern geht. Diese sind sich nämlich einig, die Weltgesundheitsorganisation WHO plädiert gar bereits seit 2008: Finger weg vom Elektro-Glimmstängel! Anfang September sorgte die Nachricht der in den USA stets wachsenden Zahl an Toten und Erkrankten aufgrund von E-Zigaretten-Konsum für weltweites Aufsehen. Aktuell werden 26 Todesfälle in den USA mit dem Konsum von E-Zigaretten in Zusammenhang gebracht, der Bundesstaat Massachusetts hat gar ein generelles E-Zigaretten-Verbot erlassen. Trotzdem erfreuen sich E-Zigaretten, ebenso E-Shishas besonders unter Jugendlichen immens großer Beliebtheit.

Nicht ausreichend erforscht
Auch österreichische Lungenfachärzte schlagen nun Alarm und warnen davor, E-Zigaretten zu konsumieren. „Viele der verwendeten Aromastoffe sind zwar dermatologisch getestet, welche Auswirkungen sie aber auf Atemwege und Lunge haben, weiß man noch nicht“, so Dr. Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Bisher gibt es kaum wissenschaftliche Studien zu den gesundheitlichen Spätfolgen der E-Zigaretten; strikte Regulierungen wie bei Nahrungsmitteln, Medikamenten oder herkömmlichen Tabakprodukten fehlen, da E-Zigaretten nicht unter das Tabak- und Arzneimittelgesetz fallen. Die Hersteller haben bei den Inhaltsstoffen daher großen Spielraum. So ist es möglich, dass Inhaltsstoffe und Trägersubstanzen verwendet – und nicht deklariert – werden, die noch nicht ausreichend untersucht wurden. „In der jetzigen Situation befinden wir uns quasi in einem riesigen Feldversuch, der vor allem an jungen Menschen vorgenommen wird“, warnt Lamprecht.

Beeinträchtigt Selbstreinigungsfunktion der Lunge
In einer E-Zigarette werden aromatisierte, nikotinhältige oder nicht nikotinhältige Flüssigkeiten (Liquids) elektrisch verdampft. Es entsteht daher kein (Verbrennungs-)Rauch, sondern ein Aerosol (flüssige Schwebeteilchen in einem Gas), das eingeatmet wird. Dieses Einatmen der Dämpfe beeinträchtigt potenziell die Flimmerhärchen in ihrer wichtigen Funktion, die Lunge vor Fremdstoffen zu schützen, und behindert dadurch die Selbstreinigungsfunktion der Lunge. Das könnte der Grund dafür sein, dass es zu einer erhöhten Anzahl von Lungenentzündungen oder Atemwegsinfekten durch den Gebrauch von E-Zigaretten kommt. „Das Dampfen ist besonders problematisch für Menschen mit empfindlichen Atemwegen, wie zum Beispiel Asthmatiker, immerhin rund sechs Prozent der österreichischen Bevölkerung, aller Voraussicht nach aber auch für alle anderen Menschen“, betont Dr. Peter Schenk, Leiter der Abteilung für Pneumologie am Landesklinikum Hochegg.

Gefährliche Inhalte
In den letzten Wochen ist vor allem die Substanz Pulegon in den Fokus der medizinischen Forschung gerückt. Dabei handelt es sich um einen Inhaltsstoff der Minze, der in hoher Konzentration karzinogen wirkt und dafür bekannt ist, Leberkrebs hervorzurufen. Pulegon ist daher als Nahrungszusatz verboten. Während bei Tabak-Menthol-Zigaretten die Pulegon-Konzentration streng limitiert ist, ist dies bei mentholhältigen Liquids für E-Zigaretten nicht der Fall. Der Pulegon-Gehalt in US-E-Zigaretten ist sogar zwischen 86- und 1.608-mal höher als jener, der durch das Rauchen von Menthol-Zigaretten aufgenommen wird. Eine weitere problematische Substanz ist Propylenglykol, das meist als Lösungsmittel für Nikotin und Aromen verwendet wird. Es ist aber selbst ein Reizstoff und Kontaktallergen, aus dem sich durch den Heizdraht Propylenoxid entwickelt, das im Verdacht steht, krebsfördernd zu sein. Noch gefährlicher ist das eben-falls als Lösungsmittel verwendete Äthylenglykol, dessen Reaktionsprodukte nieren- und neurotoxisch sind. Zwar seien, so Schenk, die krebserzeugenden Stoffe wie zum Beispiel Formaldehyd, die sich aus fast allen E-Zigaretten entwickeln, nur in kleineren Konzentrationen als bei der Tabakverbrennung nachweisbar, „aber verteilt auf der großen Oberfläche der Nanopartikel reichen eventuell bereits Spuren von Karzinogenen aus, um Krebs zu verursachen“. Kollege Lamprecht appelliert daher: „Wer seine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen möchte, sollte daher nicht nur auf den Griff zur herkömmlichen, sondern auch zur E-Zigarette verzichten.“

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