Montag, 23. September 2019

E-Zigaretten: Der Wolft in Schafspelz

Ausgabe 2018.11

E-Zigaretten boomen: In den vergangenen Jahren hat sich die Anzahl der „Dampfer“ weltweit verdreifacht.  Aber sind diese tatsächlich die gesündere Alternative zu herkömmlichen Zigaretten? GESÜNDER LEBEN klärt auf.


Foto: iStock-860130248_ Milkos

Sind E-Zigaretten tatsächlich weniger schädlich als Tabakzigaretten? „Gesünderes Rauchen“ – ist so etwas überhaupt möglich? Nicht, wenn es nach der Mehrheit von Ärzten geht. Diese ist sich einig; die Weltgesundheitsorganisation plädiert gar bereits seit 2008: Finger weg vom Elektro-Glimmstängel! Das bestätigt auch Prof. Manfred Neuberger, Internist der Abteilung für Umwelthygiene der MedUni Wien: „E-Zigaretten mögen im Vergleich zu Tabakzigaretten vielleicht das kleinere Rauch-Übel sein, aber sie sind bei Weitem nicht harmlos!“ Nachsatz: „E-Zigaretten sind der Wolf im Schafspelz.“

Dampfen
Bei elektronischen Zigaretten wird eine Flüssigkeit verdampft, Verbrennungsprozesse gibt es keine. Neuberger warnt: „Auch beim Verdampfen können krebserregende Stoffe entstehen!“ Anstelle von Rauch produzieren E-Zigaretten schädliche Aerosole, also winzige flüssige Partikel. US-Forscher konnten im Aerosol hochreaktive freie Radikale nachweisen, die zu gefährlichen Zellveränderungen führen. „Obwohl E-Zigaretten weniger Karzinogene als Tabakzigaretten vorweisen, sind diese trotzdem äußerst wirksam und gefährlich, da sie auf einer sehr großen Oberfläche des Aerosols verteilt sind und somit beunruhigend tief in die Lunge vordringen können.“ E-Zigaretten beinhalten zudem eine große Menge an Inhaltsstoffen, die jedoch nicht genau deklariert sind. Genau das sei das Problem, meint der Mediziner: „Die Inhaltsstoffe einer E-Zigarette sind nicht nach Arzneimittelgesetzen geprüft. Man konnte sogar schon Appetitzügler darin finden – also alles Substanzen, die nichts in der Lunge zu suchen haben! Immer mehr Studien weisen auf deutlich mehr Gift- und Schadstoffe hin als bisher angenommen.“ Viele (aber nicht alle!) E-Zigaretten enthalten Nikotin, das bekanntermaßen stark krebs- und suchtfördernd ist. „Mittlerweile wird vermutet, dass Nikotin sogar Schädigungen an den Genen verursachen kann“, erklärt Neuberger und betont: „Nikotin ist immer gleich schädlich, egal ob es geraucht oder gedampft wird.“

Gift- und Schadstoffe
Das häufigste Lösungsmittel der E-Zigaretten ist Propylenglykol. Diese farblose Flüssigkeit wird für Kunstnebel auf Theater- oder Discobühnen verwendet. „Der Rauch wird dadurch weicher und angenehmer“, erklärt Neuberger. Propylenglykol wird in sehr hohen Dosen inhaliert und gilt nicht nur als schleimhaut- und atemwegsreizend, sondern auch als lungenschädigend. Ähnlich, so Neuberger, verhält es sich mit den alternativen Lösungsmitteln Glyzerin und Äthylenglykol, die nicht nur giftig für Lunge, sondern auch für die Nieren und – zumindest Äthylenglykol – das Nervensystem sind. Auch andere karzinogene bzw. hochgiftige Substanzen wie Schwermetalle, Aldehyde, Alkaloide oder Nitrosamine konnten in E-Zigaretten nachgewiesen werden. Durch die Aerosole kann es zu Schädigungen in der Mundschleimhaut kommen. „Zu guter Letzt sind da noch die Aromastoffe, die E-Zigaretten besonders bei Jugendlichen so beliebt machen“, weiß Neuberger. „Viele dieser Aromastoffe haben negative Auswirkungen auf die Lungen- und Gefäßfunktion, da sie den Atemwegswiderstand erhöhen und die Durchblutung verschlechtern.“ E-Zigaretten steigern also das Risiko von Herz-Kreislauf-Krankheiten, verengen die Arterien, erhöhen die Blutgerinnung, senken die Herzfrequenzvariabilität und schwächen das Immunsystem. Neuberger: „Die tägliche Verwendung von E-Zigaretten verdoppelt das Risiko eines Herzanfalls, bei Tabakzigaretten verdreifacht es sich. Wird beides verwendet, erhöht sich das Risiko um das Fünffache.“ Bleiben Sie also gesund, verzichten Sie aufs Rauchen und Dampfen!

 

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